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Von Lisa Inhoffen
Bonn. Jacob Ramacher bringt es auf den Punkt: "Wenn ich etwas verbockt hätte, wäre mir so eine Runde auch lieber." Mit der Runde meint der 17-jährige Schüler der Gesamtschule Beuel die neue Schulschiedsstelle, die das Schulamt jetzt eingerichtet hat und der Jacob neben fünf weiteren ausgewählten Bonner Schülern angehört.
Nach einer dreitägigen Schulung erhielten die sechs sogenannten Schiedsschüler gestern im Stadthaus von Schuldezernentin Angelika Wahrheit ihre offiziellen Urkunden.
Es ist keine leichte Aufgabe, die sich diese jungen Menschen freiwillig aufbürden: Sie werden künftig Altersgenossen, die in ihrer Schule wegen gravierender Regelverstöße auffällig geworden sind, anhören und mit ihnen gemeinsam Konsequenzen überlegen.
Dabei geht es, so erklärte Wahrheit, vor allem um Schüler, die notorisch die Schule schwänzen, den Unterricht permanent stören oder sich ständig auf dem Schulhof prügeln. Um Schüler, die deswegen wiederholt zum Direktor zitiert und bereits x-fach bestraft werden mussten, aber bisher keine Besserung zeigen.
Wenn die Erwachsenen mit ihrem Latein am Ende sind, "dann kann ein Gespräch auf Augenhöhe mit Gleichaltrigen vielleicht noch etwas bewirken", meint Beate Eisenberg. Die Sozialarbeiterin ist als Pädagogin an der Sankt-Hedwig-Hauptschule in Auerberg tätig und wird der neuen Schulschiedsstelle als Fachfrau zur Seite stehen.
Dafür muss sie zwar ihr Stundenkontingent an der Hauptschule anzapfen, tue dies aber mit Zustimmung ihres Schulleiters gern. "Schließlich profitiert ja auch unsere Schule von der Schiedsstelle", ist sie überzeugt. Dass das neue Angebot eine gute Sache ist, glauben auch die sechs Schüler: Sie wurden aufgrund ihres bisherigen sozialen Engagements an ihren Schulen für diesen ehrenamtlichen Job ausgesucht - unter 32 Bewerbungen, sagt Wahrheit. Sie habe sich sehr gefreut, "wie groß das Interesse an unseren Schulen an friedlicher Streitschlichtung ist".
"Für mich war es eine große Ehre, dass meine Schule mich vorgeschlagen hat", sagte Bea Hajek (16) vom Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium. Rashed Mustafa (19) vom Friedrich-List-Berufskolleg setzt auf seine Mehrsprachigkeit. Der Syrer spricht arabisch und kurdisch, das sei bei der Betreuung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund sicherlich von großem Vorteil.