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Von Ayla Jacob
Bonn. "Wir haben schon Angst. Erst die Schießerei am Brüser Berg, dann das Drama in Kessenich und jetzt wird auch mitten in der Stadt geschossen." Die drei jungen Mädchen, die am Samstag kurz nach 3 Uhr aus der Diskothek Schwarzlicht gekommen sind, werfen einen Blick auf die zahlreichen Polizisten, die den Bertha-von-Suttner-Platz weiträumig abgesperrt haben.
Zwischen dem Schwarzlicht und der Disco Tiefenrausch hatte es kurz vorher eine Schießerei gegeben, bei der zwei 32-Jährige und ein 37-Jähriger durch Schüsse in Arme und Beine verletzt wurden. Der 32-jährige Schütze, der am Tatort überwältigt und dabei leicht verletzt wurde, wurde am Sonntagnachmittag dem Haftrichter vorgeführt. Der erließ Haftbefehl wegen versuchten Totschlags.
Um kurz nach 2 Uhr gingen die ersten Anrufe bei der Polizeileitstelle ein. "Ein 32-Jähriger wollte in die Diskothek Schwarzlicht gehen, wurde aber von den Türstehern abgewiesen", sagt Polizeisprecher Harry Kolbe. Erst habe es eine verbale, dann auch eine körperliche Auseinandersetzung gegeben. Schließlich habe der 32-Jährige "die Türsteher mit einer Waffe bedroht".
Dann fielen auf dem Bertha-von-Suttner-Platz Schüsse, der Täter lief auf die gegenüberliegende Straßenseite zur Diskothek Tiefenrausch. Noch in der Nacht übernahm eine Mordkommission unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Franz Volkhausen in Abstimmung mit Staatsanwalt Jörg Schindler die Ermittlungen. Die Zeugenbefragungen dauern an, "der genaue Ablauf und die Hintergründe der Tat sind noch unklar", so Kolbe.
Fest steht allerdings, dass der Täter vor dem Sandwich-Schnellrestaurant Subway, das direkt neben dem Tiefenrausch liegt, überwältigt wurde, "von Passanten, es könnten aber auch Türsteher gewesen sein", sagt ein Augenzeuge.
"Es ging sehr sehr schnell. Und fünf Minuten später war auch die Polizei schon da. So etwas habe ich noch nie in meinem Leben beobachtet."
Vor dem Subway sind die Folgen in der Nacht noch deutlich zu sehen: Die Scheibe ist zerborsten, vermutlich durch einen Querschläger, es liegen Patronenhülsen vor dem Schnellrestaurant, auf dem Boden ist eine Blutlache zu sehen. Spezialisten des Erkennungsdienstes nehmen den Bertha-von-Suttner-Platz unter die Lupe.
Um kurz vor 5 Uhr dann der nächste Einsatz: Einige Polizisten laufen zu ihren Streifenwagen und fahren zur Diskothek Jazz-Galerie an der Kasernenstraße. "Messerstecherei", heißt es. Doch schon einige Minuten später kann Entwarnung gegeben werden. Zwar hatte es eine Schlägerei gegeben, Messer allerdings waren nicht im Spiel.
Nachtschwärmer, die mit Bus und Bahn nach Hause fahren wollten, mussten Verspätungen hinnehmen. Wegen des Polizeieinsatzes war der Bertha-von-Suttner-Platz auch für den öffentlichen Nahverkehr bis zirka 6 Uhr gesperrt. Die Bahnen der Linie 61 und 62, die im Betriebshof Beuel stehen, wenn sie nicht im Einsatz sind, konnten nicht über die Kennedybrücke ausfahren, sondern mussten über Ramersdorf umgeleitet werden. Ebenfalls betroffen war laut Stadtwerke Bonn die Linie 66.