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Weiblich, jung sucht WG-Zimmer in Berlin

Bundestagskandidaten im Porträt: Katja Dörner (Grüne) hat ihren Platz im Parlament über die Liste sicher

Von Rolf Kleinfeld

Bonn. Auf ihren Wahlkampf-Plakaten, die überall in Bonn hängen, zeigt Katja Dörner Bizeps. Die Bundestagskandidatin der Bonner Grünen als kerniges Mucki-Mädel, darüber der Spruch: "We can do it." In Wirklichkeit trifft's das eher nicht, die 33-jährige Frau ist klein und von zierlicher Statur.

Demnächst für Bonn in Berlin: Katja Dörner weiß trotz ihrer 33 Jahre genau, wie die Parlamentsarbeit abläuft.  Foto: Barbara Frommann

Demnächst für Bonn in Berlin: Katja Dörner weiß trotz ihrer 33 Jahre genau, wie die Parlamentsarbeit abläuft. Foto: Barbara Frommann

Und der Händedruck ist weit von dem eines Fitnesstrainers entfernt. Egal. "Ich wollte etwas Unkonventionelles, etwas Witziges auf dem Plakat", sagt sie. Das hat Katja Dörner geschafft. Aber wer Muckis zeigt, sollte auch kämpfen können. Klar, will sie keine Erststimmen verschenken, sagt sie selbstbewusst. Und wer ihren Einsatz für die Bonner Schulpolitik in den letzten Jahren beobachtet hat, weiß: Die junge Frau ist freundlich im Ton, aber klar in der Sache.

Trotzdem: So kämpferisch wie auf dem Plakat müsste sich Dörner in ihrem Wahlkampf eigentlich gar nicht verkaufen, denn ihr ist der Platz im nächsten Bundestag so sicher wie das Amen in der Kirche. Die gebürtige Westerwälderin - was man im übrigen auch noch hört - hat mit Platz fünf der NRW-Landesliste nämlich das geschafft, wovon die Herren Kelber (SPD) und Eisel (CDU) nur träumen können: Sie hat die Fahrkarte nach Berlin gelöst.

Am Nikolaustag 2008 war es, als ihre Partei sie auf Rang fünf der Liste setzte (ohne Gegenkandidaten!), eine Platzierung, die nur dann nicht ausreichen würde, wenn die Bundesgrünen die Fünf-Prozent-Hürde reißen. Wahrscheinlichkeitsfaktor also gleich null. Dementsprechend hat sie die ersten Glückwünsche zum Einzug in den Bundestag schon kurz vor dem letzten Weihnachtsfest bekommen.

Seitdem war genug Zeit, um sich auf kommende Aufgaben einzustimmen. Die Nominierung als Direktkandidatin durch die Bonner Grünen im April war nur noch eine Formsache. Vor ihrem neuen Job in Berlin hat sie zwar Respekt, aber keine Angst: "Ich kenne den Parlamentsbetrieb und weiß, wie durch meine Zeit als Referentin im Landtag, wie Entscheidungen zustande kommen", sagt sie. "Das ist mir alles nicht neu."

Gleichwohl findet sie das alles sehr spannend: "Eine echte Herausforderung." Zumal festzustellen ist: Katja Dörner wird - wie jeder Neuling - einen Sprung ins kalte Wasser vor sich haben. Ihr fehlen die Netzwerke. Sie hatte noch nie zuvor ein Mandat. Ihr Auftauchen bei der Landtagswahl 2005 als Direktkandidatin der Grünen war eher aus der Not heraus geboren. Chancen hatte sie damals keine.

Wer sie kennenlernt, trifft eine unprätentiöse junge Frau, die ihre Worte wohl überlegt und einen zurückhaltenden Eindruck macht. Bereits jetzt hat sie sich aber in die Phalanx der Bonn-Kämpfer eingeordnet und will mit Kelber und Eisel an einem Strang ziehen, um alle Forderungen nach einem Komplettumzug nach Berlin abzuwehren. Die Bundeshauptstadt an der Spree wird ohnehin nur der Ort werden, an dem sie arbeitet.

Ihre Freizeit will sie am Wochenende lieber in Bonn genießen. In Berlin soll es deshalb auch nur eine bescheidene Unterkunft sein, am liebsten ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Zwei Absagen hat die 33-Jährige schon. "Die eine WG war zu weit weg, in der anderen wollte man mich nicht." Offenbar fanden es die möglichen Mitbewohner etwas "dubios", ihre Wohnung mit einer Abgeordneten zu teilen. sagt Dörner.

Macht nichts. "Wenn ich nichts Schönes in Richtung WG finde, nehme ich mir auch eine kleine Wohnung." Bonn bleibt die Heimat. Und im Karneval will das Westerwälder Mädel wieder hier losziehen. Von Weiberfastnacht bis Veilchendienstag auf der Piste, vorzugsweise dunkel kostümiert, als Vampir, "mit viel Blut".

Artikel vom 15.09.2009
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