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Radverkehr in Bonn: Förderung auf Tiefstand

Stadt gibt laut ADFC nur 21,2 Cent pro Einwohner und Jahr aus - Kritik kommt auch von Grünen

Von Rolf Kleinfeld

Bei den Suggestivstreifen für Radfahrer auf der Fahrbahn war Bonn Vorreiter. Die Stadt setzt weiter auf kostengünstige Markierungen, der Bau von Radwegen ist ins Stocken geraten. Bonn. Seit gut zehn Jahren trägt Bonn das Prädikat einer fahrradfreundlichen Stadt. Verliehen wurde der Titel damals, weil die Stadt Vorreiter bei der Einführung der Suggestivstreifen war. Doch das ist lange her, meint der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). Dessen Mitglieder haben ausgerechnet, dass Bonn inzwischen nur noch 21,2 Cent pro Jahr und Einwohner für die Förderung des Radverkehrs ausgebe.

Obwohl die Stadt bereits viel erreicht habe und der Radverkehrsanteil in Bonn über dem Bundesschnitt liege, ist das ADFC-Sprecher Johannes Frech nicht genug. Damit schöpfe die Stadt ihr Potenzial nicht aus, meint er.

"Gerade vor dem Hintergrund der Klimadiskussion müssen wir noch mehr tun, um die Menschen raus aus dem Auto und rauf aufs Rad zu bekommen", sagt er. "Die Umsetzung des Ziels, den Anteil des Radverkehrs auf über 25 Prozent am Gesamtverkehr zu steigern, hängt stark von der Förderung der Radverkehr-Infrastruktur ab."

Laut städtischem Radwege-Ausbauprogramm sollen für die nächsten drei Jahre 154 000 Euro für Radwege und 35 000 Euro für Abstellanlagen veranschlagt werden. Dies entspricht einem Betrag von 21,2 Cent pro Einwohner und Jahr. "Selbst die zuständigen Verwaltungsämter gehen für diesen Zeitraum von einem fast zehn Mal so hohen Bedarf von 1,3 Millionen Euro aus", sagt Frech.

Kommentar Kommentar Lesen Sie dazu auch den Kommentar "Jahrelang ausgeruht"

Die auch von der Verwaltung immer wieder als Beispiel genannte Stadt Münster lasse sich den Radverkehr pro Jahr und Kopf 8,50 Euro kosten, und Berlin bringe es auf zwei Euro. Mit der Kritik steht der ADFC nicht alleine da. "An den Radwegenetzen ist seit Jahren nichts mehr gemacht worden", sagt Grünen-Ratsherr Karl Uckermann. Zwar gebe es Landeszuschüsse von 80 Prozent - aber nur noch bis zum Jahr 2013.

Dazu müsse man genehmigte Projekte vorweisen. Das ist in Bonn laut Uckermann nicht der Fall. Zwar gebe es ein pauschales Radwege-Ausbauprogramm über 1,5 Millionen Euro. "Da laut Haushaltssatzung der Stadt Bonn diese Ausgaben aber erst in Auftrag gegeben werden dürfen, wenn genehmigte Zuschussbewilligungsbescheide vorliegen, wurde der Ausbau des Fahrradverkehrs vernachlässigt."

Nicht besser wird es nach 2013, wenn keine Zuschüsse mehr fließen. Dann muss die Stadt ihre Radwege alleine finanzieren. "Bei den Summen, die die Verwaltung vorschlägt, wären wir damit noch Jahrzehnte beschäftigt", meint der Grüne und meint, dass die Radweg-Förderung in Bonn "faktisch zum Stillstand" gekommen sei.

"Die ADFC-Zahlen sind korrekt", bestätigte der städtische Verkehrsplaner Raimund Brodehl. Allerdings "ein Stück weit verzerrt", weil das Aufbauprogramm nur eine fachliche Prioritätenliste sei. Und einige Radweg-Maßnahmen tauchen darin nicht auf, wie die Kennedybrücke. Ansonsten setze man vor allem auf Markierungen. "Die sind kostengünstig, bringen aber einen großen Effekt."

Geplanter Ausbau der Bonner Radwege
    2009: Leinpfad/Römerbad: Wege zu schmal für Rad- und Fußgängerverkehr (Kosten: 24 00 Euro); Geislarstraße (Vilicher Bach) Hochbord in der Wegezufahrt (2 000 Euro); Rheinallee/UbierStraße/Von-Sandt-Ufer und Rheinallee/Bahnunterführung: Netzlücken (2 500 bzw. 1 000 Euro); Meckenheimer/Hagenstraße Zufahrt ins Wohngebiet gegenüber zu unsicher (4 500 Euro).

    Folgejahre:
    BONN: Hohe/Schlesienstraße: keine Führung für Radler an der Kreuzung (50 000 Euro) und Netzlücke Hohe Straße/Am Ringwall (28 500 Euro). Thomastraße/Am Alten Friedhof: Netzlücke, fehlende Überquerungsmöglichkeit (115 000 Euro). Soennecken-/Brühler Straße/Lievelingsweg: Radwegführung hinter parkenden Autos (30 000). Potsdamer Platz/Lievelingsweg: Netzlücke (110 000 Euro).

    BEUEL: Siegaue/ Parkplatz Siegfähre/Nordbrücke: Netzlücke, Verbesserung der Verkehrssicherheit (57 000 Euro)

    HARDTBERG: Am Burgweiher/Rochusstraße/Maarweg: Netzlücke (12 000 Euro) und Bau einer Überquerung (37 000 Euro). An der Ohligsmühle/Schallengasse: Netzlücke (12 000 Euro).

    BAD GODESBERG: Zander-/H.-Böckler-/A.-Magnus-Straße: Unkom fortable Führung (20 000 Euro). Max-Planck-/Rhodos-/A.-Magnus-Straße: Führung im Seitenraum zu schmal (6 000 Euro).
Zahlen und Daten
    Etwa 250 Kilometer Radwege hat Bonn, die Hälfte davon als ausgebaute Wege, der Rest beschildert oder markiert. Damit hat fast ein Drittel aller Straßen Radwege. Sie sind teils touristisch ausgeschildert zum Beispiel als Museumsroute oder Rheindorfer Route. Außerdem gibt es den Erlebnisweg Rheinschiene. Es gibt eine umfangreiche Beschilderung dieser Routen.

    Die Schutzstreifen auf Bonner Straßen sind rund zwölf Kilometer lang, der erste wurde im Mai 1992 auf der Meckenheimer Allee abmarkiert. Es gibt mehr als 4 400 Fahrradständer. Im Juni 2000 wurde hinter dem Hauptbahnhof eine Radstation für 330 Räder eingeweiht, die fast zu 100 Prozent ausgelastet ist. Langfristig ist am Bahnhof eine "große Lösung" mit rund 1 000 Abstellplätzen geplant. Den Anteil des Radverkehrs bei der Verkehrsmittelwahl gibt die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte mit 17 Prozent an.
Artikel vom 13.05.2009
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