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Verschuldung in Bonn auf Rekordhöhe

Stadt hat ein Minus von 1,3 Milliarden und zahlt jedes Jahr allein 63 Millionen Euro an Zinsen

Von Bernd Leyendecker

Stolze 1,3 Milliarden Euro Schulden hat die Stadt Bonn derzeit - so viele, wie nie zuvor.Bonn. Mit 1,3 Milliarden Euro ist die Stadt Bonn so hoch verschuldet wie nie zuvor. Damit hat sich die Haushaltslage der Stadt im dritten Quartal erneut verschlechtert, teilte Freitag Stadtkämmerer Ludger Sander mit. Konkret heißt das: Die Stadt steht quasi bei jedem Bürger mit rund 4 000 Euro in der Kreide.

In den vergangenen Jahren hatte die Stadt kein Geld für die dringende Sanierung des Frankenbades. An dieser Situation wird sich auch demnächst nichts ändern: Die Kasse ist und bleibt leer.

Das geplante Defizit wird in diesem Jahr von 219,9 Millionen Euro auf 232 Millionen Euro steigen, sagte Sander. Ursache sei vor allem der deutliche Rückgang bei der Gewerbesteuer in Höhe von 30 Millionen Euro gegenüber dem veranschlagten Betrag von 182 Millionen Euro. In dem prognostizierten Defizit sind übrigens schon jene 300 Millionen Euro berücksichtigt, die die Stadt an die Telekom zurückzahlen musste, die zu viel Gewerbesteuer bezahlt hatte.

Alleine 63 Millionen Euro muss die Stadt jährlich an Zinsen zahlen. "Das schränkt die Gestaltungsspielräume der Stadt stark ein", betont der Kämmerer. Er erhebt in seinem aktuellen Bericht mehrere Forderungen; vor allem führe kein Weg an einer strengen Konsolidierung vorbei: "Damit die Stadt ihren eigenen Handlungsspielraum erhält, gilt es, insbesondere auf der Ausgabenseite über eine Aufgabenkritik die prognostizierten Fehlbeträge zu reduzieren.

Die Anstrengungen beschränken sich keinesfalls nur auf den aktuellen Doppelhaushalt 2008/2009, sondern müssen in den nächsten Jahren zwingend fortgeführt werden." Konkret hieße das: "Für die kommenden Jahre muss mehr getilgt werden als an neuen Krediten aufgenommen wird. Die Schulden dürfen nicht mehr wachsen, sie dürfen nicht einmal konstant bleiben."

Ein Dorn im Auge sind dem Kämmerer auch die hohen Kassenkredite von rund 380 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um Gelder, die die Stadt bei Banken oder Sparkassen zur Sicherung der Liquidität ihrer eigenen Kasse vorübergehend aufnehmen muss.

Viele Möglichkeiten zum Sparen hat die Stadt nicht, da das meiste Geld für Maßnahmen ausgegeben wird, zu denen sie gesetzlich verpflichtet ist. Das trifft nicht zu bei sogenannten freiwilligen Leistungen, also beispielweise bei Zuschüssen an Vereine, bei Bädern, Büchereien oder sozialen Leistungen wie dem Bonn-Ausweis.

Aber auch bei den freiwilligen Leistungen ist die Stadt oftmals Verpflichtungen eingegangen, die sie nicht von heute auf morgen kündigen kann - so bei Zuschüssen an kulturelle Einrichtungen.

Kurz gefragt
    Mit dem Leiter der Stadtkämmerei, Josef Kömpel, sprach Bernd Leyendecker. General-Anzeiger: Kämmerer Sander ruft zum Sparen auf. Wo kann denn konkret gespart werden? Josef Kömpel: Wenn sich die Lage weiter verschlechtern sollte, werden wir über Sparmaßnahmen im laufenden Haushalt beraten. So könnte es sein, dass die Ämter vor allem bei den freiwilligen Leistungen ihre Haushaltsansätze nicht voll ausschöpfen können. GA: Gab es schon einmal eine derart schlechte Finanzlage? Kömpel: Die Finanzlage ist wirklich ernst, nicht erst heute, sondern bereits seit Jahren. Nun kommen ungünstige Faktoren hinzu, Ertragseinbußen bei den steuerzahlenden Unternehmen, hohe Dauerkosten für eine erstklassige städtische Infrastruktur, ein sehr hoher Kassenkredit und ein enormes strukturelles Defizit. Unser Hauptziel muss sein, die Aufgaben und damit die Ausgaben den Einnahmen anzupassen und Schulden abzubauen. Den Weg muss der neue Rat ebnen. GA: Wenn jetzt die Sparmaßnahmen nicht greifen, würde der Regierungspräsident ein Haushaltssicherungskonzept verfügen... Kömpel: Das Haushaltssicherungskonzept ist eine permanente reale Bedrohung für unsere finanzielle Handlungsfreiheit. Käme es, wären wir in unseren kommunalpolitischen Entscheidungen sehr stark eingeschränkt, dann übernähme die Bezirksregierung die Regie über den städtischen Haushalt. Daher muss es unser Ziel sein, diese Situation zu vermeiden.
Artikel vom 15.11.2008
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