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Von Dagmar Blesel
Bonn. Zwei Tage nach den Demonstrationen geht das Leben in Duisdorf wieder seinen normalen Gang. Nur ein Polizeilastwagen und einige Beamte, die in der Rochusstraße die letzten Absperrgitter wegräumen, erinnern an den Ausnahmezustand.
Menschen bummeln am Montagmorgen durch die Fußgängerzone und erledigen Einkäufe. Alle Geschäfte haben geöffnet. So auch Martina Pfeiffer ihren Geschenkartikelladen "Akzente & Design".
"Allein aus Sicherheitsgründen hätte ich an einem solchen Tag mein Geschäft nie geöffnet", sagt sie, "ich hatte Angst." Wenn es die Möglichkeit gegeben hätte, die Schaufenster zu verbarrikadieren, hätte sie es getan. Es sei gut gewesen, dass so viel Polizisten in Duisdorf gewesen seien. Pfeiffer hat es nach eigenen Angaben nicht bereut, ihr Geschäft geschlossen zu halten.
Gertrud Kirchlinne, Filialleiterin bei Bouvier, hatte sich im Gegensatz zu den meisten anderen Gewerbetreibenden entschieden, den Buchladen zu öffnen: "Es war alles hermetisch abgeriegelt. Ich hatte keine Sekunde Angst." Morgens seien zwar Kunden gekommen ("Einige wussten nichts von der Demo"), doch als das Geschäft später abflaute, habe sie um 13 Uhr zugemacht. Drei Stunden früher als an normalen Samstagen.
Anja Diehl hatte ihr "Teestübchen" geschlossen. Sie sei froh über die starke Polizeipräsenz gewesen. Die habe dafür gesorgt, dass es keinen Glasbruch gegeben habe oder etwas anderes passiert sei.
Andere kritisieren den Polizeieinsatz, vor allem den Kessel. Wie berichtet, hatte sich eine militante Splittergruppe aus der Gegendemonstration abgesondert und Beamte mit Flaschen, Steinen und Farbbeuteln beworfen. Um deren Personalien für Strafverfahren aufzunehmen, wurden sie festgehalten, so die Polizei.
DGB-Vorsitzender Ingo Degenhardt: "Es ist richtig, dass die Polizei gegen Straftäter ermitteln muss. Dass dadurch viele Demonstranten nicht die Möglichkeit hatten, rechtzeitig bei der Mahnwache in Duisdorf zu sein, ist bedauerlich." Für Manfred Stenner vom Netzwerk Friedenskooperative hat die Bonner Polizei dadurch "das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit schwer beschädigt". Die Partei Die Linke erklärte, der Polizeieinsatz sei überzogen gewesen.
Polizeisprecher Harry Kolbe erwiderte: "Aus der Gruppierung heraus war mit weiteren Gewaltaktionen zu rechnen. 75 Personen verweigerten jede Kooperation. Deshalb dauerten die Überprüfungen mehrere Stunden."