zum Inhalt
zur Funktionsnavigation
zur Hauptnavigation
Informationen zum GA-Design
Bedienhilfen
>> Bonn
Von Dagmar Blesel und Ayla Jacob
Bonn. Weitgehend friedlich sind am Samstag rund 2 500 Menschen gegen den Aufmarsch von Rechtsextremisten vor der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) auf die Straße gegangen.
Mitglieder eines "Schwarzen Blocks", die nach Polizeiangaben Steine, Flaschen und Farbbeutel warfen, wurden eingekesselt, um ihre Personalien festzustellen. Bilanz von Landes- und Bundespolizei: 28 vorläufige Festnahmen, 13 Strafanzeigen und 321 Platzverweise. Zudem stellten Beamte DVDs und CDs der Rechten sicher, weil die bei ihrer Demonstration indizierte Lieder spielten.
Samstag, halb zehn in Duisdorf. Ein Stadtteil im Ausnahmezustand. Die Rochusstraße ist gesperrt. Nur Polizeifahrzeuge sind unterwegs. Die meisten Geschäfte in der Fußgängerzone sind geschlossen. Duisdorf gleicht einer Geisterstadt. Gespenstische Atmosphäre auf dem Messdorfer Feld: Einsatzhundertschaften der Polizei und die Reiterstaffel haben Posten bezogen, über ihnen kreisen Hubschrauber.
Nicht nur in Duisdorf zeigt die Staatsmacht Stärke, auch in Endenich und der Weststadt. Bereits um 8 Uhr haben Bundespolizisten von der Viktoriabrücke die Gleise im Auge. Wenig später entdecken Kollegen in Höhe der Straße Auf dem Hügel eine Unterhöhlung der Bahnschienen. Sprecher Günter Ahr sagt: "Demonstranten wollten sich offenbar an den Gleisen anketten, um den Aufmarsch der Rechten zu verzögern."
Kurz nach 9 Uhr am DGB-Haus. Die ersten Gegendemonstranten stellen sich auf, rollen ihre Banner aus, schwenken Fahnen. Langsam setzt sich der Zug des Bonner Aktionsbündnisses "Kein Fußbreit den Faschisten" in Bewegung. Ihre Botschaft ist deutlich zu hören: "Bonn, Protest. Wir sind die Naziblocker" und "Eins, zwei, drei. Bonn bleibt Nazi-frei". Eine halbe Stunde dauert der Protestmarsch zum Hermann-Wandersleb-Ring/ Ecke Provinzialstraße.
In Sichtweite der BPjM steht eine Bühne, auf der die Kundgebung des Aktionsbündnisses stattfindet. Kurz bevor DGB-Vorsitzender Ingo Degenhardt seine Rede beginnt, kommt Unruhe auf. Demonstranten versuchen, über Lengsdorf zum Duisdorfer Bahnhof zu gelangen, dem Treffpunkt der Rechten. Die Polizei hatte zugesagt, einzelnen Personen den Weg über die Provinzialstraße freizumachen. Doch angesichts der Menge machen die Beamten dicht.
Immer wieder versuchen Personen aus dem "Schwarzen Block", die Polizei nennt sie militante Störer, die Polizeiabsperrungen zu durchbrechen. Gegen 11.30 Uhr fliegen in Höhe Provinzialstraße plötzlich Steine, Flaschen und Farbbeutel gegen die Beamten. Die kesseln rund 300 Gewalttäter ein und verlangen deren Personalien, um Strafverfahren wegen Landfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Körperverletzung zu erstatten.
75 Personen verweigerten nach Angaben von Sprecher Harry Kolbe jede Kooperation und seien auch nicht bereit, die Personalien anzugeben. Sie werden bis zum Abend festgehalten. Die anderen Teilnehmer sind froh, dass die Polizei die Unruhestifter aus dem Verkehr gezogen hat. "Jetzt ist es wieder ruhig und wir können friedlich und nachdrücklich zum Ausdruck bringen, dass in Bonn für Nazis kein Platz ist", sagt ein Demonstrant, "Krawalle dienen der Sache nicht."
In Duisdorf sperrt die Polizei am Vormittag auch die Bahnhofstraße. Selbst Fußgänger, wenn nicht Anwohner, kommen nicht mehr durch. In der Köslinstraße wird ein Polizist von einer Flasche an der Hand getroffen. Seine Kollegen nehmen zwei Männer als mutmaßliche Werfer fest und erstatten Anzeige.
Am Mittag läuft im Bonner Hauptbahnhof der Regionalzug aus Köln mit Rechtsextremisten ein. Auf diesem Weg und dem weiteren mit der Voreifelbahn nach Duisdorf begleiten Bundespolizisten die Demonstranten, die später vor der BPjM demonstrieren werden. Als rund 250 Rechte am Bahnhof eintreffen, versammelt sich in der Ladestraße das linke Bündnis.
Mehrere Reihen Polizei trennen die beiden Gruppen. Die Rechtsextremisten werden zur Durchsuchung durch eigens aufgebaute Zelte geschleust. Sprecherin Daniela Lindemann: "Wir überprüfen, ob sie Waffen, andere gefährliche Gegenstände und Alkohol dabei haben."
Am Kundgebungsort an der Ecke Rochusstraße/Hermann-Wandersleb-Ring hat die Polizei am Nachmittag zwischen Absperrgittern eine Pufferzone eingerichtet. Unter genauer Beobachtung der Beamten protestieren die Rechten gegen die angebliche Zensur von Tonträgern durch die Bundesprüfstelle und spielen laut Polizei indizierte Songs lautstark ab. Ein Demonstrant wird wegen volksverhetzender Äußerungen vorläufig festgenommen.
100 Meter entfernt machen die DGB-Kundgebungsteilnehmer ihrem Unmut Luft. Um 17.15 Uhr ziehen sich die Rechten zum Bahnhof zurück. Die Polizei stoppt sie und stellt sechs DVDs und acht CDs sicher. Auch die Linken beenden ihre Demonstration. Die Menschen im Bonner Westen können aufatmen. Kurz vor 19 Uhr werden die letzten Straßensperrungen aufgehoben.
Lesen Sie dazu auch den Kommentar "Bewährte Bonner Linie"