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Neonazi-Demo: Ökumenische Fürbitten und starker Polizeischutz

In Duisdorf und Endenich sind Straßen gesperrt - Kirchen setzen ein Zeichen gegen den Aufmarsch der Rechtsextremisten - Protestzug vom Haus des Deutschen Gewerkschaftsbundes

Von Dagmar Blesel

Offenes Gebet: (von links) Superintendent Hans-Joachim Corts, Stadtdechant Wilfried Schumacher, Pfarrer Gerhard Schäfer, Generalvikar Werner Luttermann und der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen,Herwig Mauschitz, beten für Menschenwürde. Bonn. Absperrgitter gegenüber der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM), Parkverbotsschilder in der Rochusstraße und stundenlange Besprechungen bei der Staatsmacht: Einen Tag vor der Demonstration von Rechtsextremisten und dem Gegenprotest verschiedener Bonner Gruppierungen rüsten sich die Bonner Polizei und Bundespolizei für den Großeinsatz. Rund 1 800 Beamte, so die GA-Informationen, wollen am Samstag für einen friedlichen Verlauf sorgen.

Ein Zeichen gegen den Aufmarsch des "Aktionsbüros Mittelrhein" setzten Freitagabend die Kirchen in Bonn und der Region mit einem "Offenen Gebet" in der Kreuzkirche. Deren Pfarrer Gerhard Schäfer bittet um einen friedlichen Verlauf, "keine Gewaltanwendungen von keiner Seite" und Gesundheit für die Polizisten.

"Wir wollen keine Extremisten, keine Radikalen und vor allem keine Nazis", sagt Schäfer. Für Stadtdechant Wilfried Schumacher beginnt "die Auseinandersetzung mit den Neonazis vor der eigenen Haustür. Wir müssen vor allem jungen Menschen eine Chance geben, damit sie nicht im braunen Sumpf versinken." Superintendent Hans Joachim Corts betont, dass die Ideologie der Nationalsozialisten nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar sei.

Demo in Duisdorf und Endenich

Ihren Protest gegen die Rechtsextremisten wollen rund 3 000 Menschen in einem Demonstrationszug ab 9 Uhr vom Haus des Deutschen Gewerkschaftsbundes in der Endenicher Straße zur BPjM - dem Ziel der Rechtsextremisten - zeigen. Beide Züge werden auf ihrem Weg von Polizeikräften aus Bonn und ganz Nordrhein-Westfalen begleitet.

Bundespolizisten sind am Hauptbahnhof Bonn und Bahnhof Duisdorf im Einsatz. Sie kommen aus Sankt Augustin, werden aber unter anderem auch von einer Einheit aus Bayern verstärkt. Die Polizei betont, dass sie rechtmäßige Demonstrationen gewährleisten muss, und es nicht ihre Aufgabe sei, politische Bewertungen vorzunehmen.

"Im Mittelpunkt steht der Schutz aller Versammlungen, solange die vom Grundgesetz geforderte Friedlichkeit gewahrt bleibt", sagt Polizeisprecher Harry Kolbe. Verkehrsbehinderungen werden sich nach seiner Aussage nicht vermeiden lassen, und zwar den ganzen Samstag über nicht. Burgweiher und Rochusstraße werden zwischen Bahnhof und BPjM gesperrt; geparkt werden darf dort ab 7 Uhr nicht mehr.

Die Polizei geht davon aus, dass sie, je nach Lage, weitere Straßen, vor allem Querverdingungen zur Rochusstraße dicht machen wird. Beeinträchtigungen werde es auch auf der Endenicher Straße, dem Hermann-Wandersleb-Ring und der Provinzialstraße geben - für Auto-, Fahrradfahrer, Busfahrgäste und Fußgänger.

Artikel vom 12.07.2008
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