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Von Stefan Barz
Bonn. Eigentlich hatte Svante von Erichsen nur vergessen, den Verzerrer an dem Gitarrenverstärker auszuschalten, an dem er sein E-Piano angeschlossen hatte. Als er die Tasten anschlug, erklang ein verzerrter Klaviersound, der sich zunächst befremdlich anhörte.
Sie philosophieren auch über den Anfang der Welt: Die Milchstraßenstreuner mit (v.l.) Svante von Erichsen, Silke Kovàr und Sven Bothe. Foto: Lannert
Doch dann gefiel dem Hobbymusiker diese Klangfarbe so gut, dass er sie in einem Song einbrachte. Svante spielt zusammen mit Silke Kovàr (Gesang, Geige) und Sven Bothe (Gitarre) in der Band Milchstraßenstreuner. Die Bonner Formation bewegt sich weit weg vom Mainstream, sucht neue musikalische Ausdrucksformen.
Dazu gehören auch Experimente mit dem verzerrten Klavier und mit seltenen Instrumenten. So setzt Svante bei dem Stück "Für dich singen" ein Chalumeau ein, ein seltenes Instrument, das an eine Klarinette erinnert.
Der musikalische Weg der Milchstraßenstreuner begann 1998, als Silke Kovàr nach Musikern suchte, um ihre selbst geschriebenen Songs zu vertonen. "Ich wollte mal hören, was man daraus machen kann", sagt sie.
Zusammen mit Sven Bothe, dem damaligen Pianisten Daniel Horn und dem Percussionisten Daniel Lohausen fand sie Musiker, die auf ihre Musik neugierig wurden. Eigentlich wollten sie nur zwei Stücke ausprobieren, aber bald war klar, dass sie eine ganze CD produzieren wollten.
Mit perfektionistischem Eifer arbeiteten die Hobbymusiker, die sich fortan Milchstraßenstreuner nannten, an den Songs, die 2001 so weit waren, dass sie im Studio aufgenommen werden konnten. Für die Produktion nahmen sich die vier Musiker sogar einige Wochen Urlaub, um täglich mehrere Stunden im Studio arbeiten zu können.
2002 Erschien dann die erste CD "Umwege". Kurz darauf verließ Daniel Horn die Band aus beruflichen Gründen. Für ihn sprang Svante von Erichsen ein. 2006 musste auch der Percussionist berufsbedingt aussteigen.
Bisher hat die Band sich noch nicht um einen Nachfolger bemüht, denn für einen neuen Percussionisten wäre es nicht einfach, sich in die Band einzufügen: "Wie spielen schon sehr lange zusammen und machen eine sehr spezielle Musik", sagt Silke.
Die Musik der Milchstraßenstreuner ist sehr auf den Text ausgerichtet, neben Elementen der Rockmusik finden sich auch Anklänge aus dem Folk und der Klassik. "Meistens kommt Silke mit einem neuen Text, den wir dann gemeinsam vertonen", erklärt Svante.
Die Ideen für ihre poetischen Texte nimmt die Sängerin, die auch Geige spielt, aus persönlichen Erfahrungen, wenn zum Beispiel Freundschaften zerbrechen, oder aus philosophischen Überlegungen: In "Der Gecko" etwa singt sie über die Frage nach dem Anfang der Welt.
Und gerade arbeitet sie an einem Text, der den trojanischen Krieg aus drei verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Die Idee hat sie aus Büchern entnommen.
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