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Von Benjamin Jeschor
Bonn. Wie reagieren die Verdächtigen auf den Tatvorwurf - und was werden sie unternehmen? Diesen Fragen sollte, so Kriminalhauptkommissar Jörg Pfefferkorn, durch den Einsatz einer Vertrauensperson auf den Grund gegangen werden.
Am Montag saß der Leiter der Mordkommission im Zeugenstand vor dem Schwurgericht. Dort müssen sich ein 65 Jahre alter Syrer und sein 39 Jahre alter Neffe für einen Mord verantworten, den sie bereits im August 1993 verübt haben sollen.
Weil sie die Ehre der streng muslimischen Familie verletzt habe, wurde die 17-jährige Waffa damals nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft erdrosselt. Erst nachdem sich eine Schwester des mutmaßlichen Opfers 2004 an die Polizei gewandt hatte, wurden Ermittlungen aufgenommen. Bis dahin galt Waffa als unbekannt verzogen.
Laut Pfefferkorn wurde zunächst eine arabisch sprechende Vertrauensperson eingesetzt. Diese habe den 65-Jährigen angerufen und erklärt, über den Mord an der Tochter Bescheid zu wissen. Der anonyme Anrufer habe damit gedroht, die Polizei einzuschalten, falls kein Schweigegeld gezahlt werde.
Anhand von telefonischen Überwachungen, Observationen und Innenraumsprachüberwachungen der Autos konnten die Ermittler offenbar herausfinden, dass sich der Vater und der Neffe "intensiv" Gedanken darüber machten, wer etwas von der Tat wissen könne. Auch sei überlegt worden, eine Bande zu organisieren, um den anonymen Anrufer "fertig zu machen". Schließlich hätten die Beschuldigten den Entschluss gefasst, bei der Polizei Anzeige wegen einer Erpressung zu erstatten.
Angst scheinen die beiden Männer zu diesem Zeitpunkt vor allem davor gehabt zu haben, dass die Polizei die untergetauchte Tochter des 65-Jährigen befragen und es "aus ihr herausplatzen" könne.
Angeblich zeigten die Angeklagten der Hauptbelastungszeugin 1993 ihre tote Schwester und drohten, sie ebenfalls umzubringen, falls sie nicht schweige. Ein zusätzlich eingesetzter verdeckter Ermittler traf sich laut Pfefferkorn mit dem Vater in einem Bonner Lokal und gab sich als neuer Freund der Untergetauchten aus. In diesem Gespräch soll der Syrer den Mord an seiner Tochter eingeräumt haben. Der Neffe habe ihm bei der Beseitigung der Leiche geholfen. Der Prozess wird fortgesetzt.
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