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Zirkus-Ensemble im Streik

Pfiffe, Buh-Rufe und "Geld zurück"-Chöre auf Bonner Museumsplatz - Ärger über teure Notlösung

Von Susanne Haase-Mühlbauer

Erst das Palaver, dann die Kunst: Momentaufnahme vom Museumsplatz.Bonn. Pfiffe, Buh-Rufe und "Geld zurück"-Chöre nur wenige Minuten nach Beginn des Zirkusspektakels "Afrika! Afrika!" auf dem Museumsplatz. Das Ensemble kommt unkostümiert auf die Bühne, es herrscht Streik-Stimmung. Den abgebrochenen Anfang will ein Tänzer erklären. Sein Ensemble probt den Ausstand mitten auf der Bühne. Als Geld und unterlassene Zahlungen zum Thema werden, wird das Mikrofon ausgeschaltet.

Jetzt erhält der angekündigte "Kontinent des Staunens" - so wird die sinnliche Entdeckung Afrika in dem von André Heller vor einigen Jahren initiierten Zirkusspektakel vorangekündigt - eine unbeabsichtigte Nebenbedeutung. Und die in artistischen Kunststücken ausgedrückte Lebensfreude bekommt einen bitteren Beigeschmack.

Erst das sonnige Klischee uneingeschränkter Lebensfreude, dann die weniger heitere Realität. Nach intensiven Gesprächen mit der Tourbegleitung kann man das Blatt dann offenbar doch noch wenden: mit halbstündiger Verzögerung beginnt das Spektakel mit der Erklärung, "eine Lösung" sei gefunden. Doch die unbeschwerte Fröhlichkeit, die sich in diesem Tanz-, Artistik- und Jonglage-Spektakel widerspiegeln soll, will man nun nicht mehr so recht empfinden.

Flink wie eine Spinne krabbelt Michael Elias Mondosha mit über die Schultern gelegten Beinen über die Bühne und zeigt damit Körperexzentrik aus Tansania. Faszinierende Höhen erreichen die Menschenpyramiden aus Gabun und Tansania. Tänzerinnen aus dem Senegal demonstrieren Bewegungslust und Temperament. Doch: Was die Sieben-Mann-und-Frau-Band und rund 30 Tänzerinnen und Tänzer in den Choreografien von Georges Momboye professionell und temperamentvoll darbieten, ist eine Notlösung.

Und die dauert nicht einmal eine volle Stunde - angekündigt war eine Showdauer von zweieinhalb Stunden einschließlich halbstündiger Pause. Das zieht erneute Buh-Rufe aus den Reihen des rund 700 Besucher starken Publikums nach sich. "Für den Kartenpreis von 73 Euro ist mir das definitiv zu wenig", äußert sich eine Besucherin entrüstet. "Schließlich waren doch über 100 Ensemble-Mitglieder für die Show geplant."

Die Mehrheit von ihnen hat es offenbar vorgezogen, hinter der Bühne zu bleiben. Dann wird erneut die Band herausgeschickt und spielt noch 20 Minuten weiter, so dass das "Zirkus-Spektakel" faktisch etwa zehn Minuten vor der auf dem Museumsplatz vorgeschriebenen Schlusszeit von 22 Uhr endet. Noch im vergangenen Jahr war das Spektakel in der ausverkauften Beethovenhalle mitzuerleben.

Als Bonner Veranstalter hatte Gabriel Concerts hier gute Erfahrungen vor ausverkauftem Haus gemacht. Seit einigen Jahren (Premiere war im Dezember 2005 in Frankfunrt) ist das Ensemble höchst erfolgreich und publikumswirksam mit dem sinnlichen Afrika-Erlebnis auf Tour. Die Idee zum Afrika-Zirkus geht auf den Multimediakünstler André Heller zurück. "Am Anfang war es auch super, doch seit André Heller nicht mehr in der Produktion dabei ist, laufen wir unserem Geld hinterher", verrät ein Ensemblemitglied, das nicht genannt werden möchte, gegenüber dem GA.

"Wir müssen klären, ob es möglich sein wird, das Geld für die Karten zurückzubekommen", lässt die Tourbegleitung am Abend auf der Bühne verlauten. Doch das Publikum zeigt sich entrüstet. Nur ein schwacher Trost war die "Not-Besetzung", die sich zwar redlich gemüht hatte, aber selbst mit mehrfachen Umkleideaktionen die fehlende Artistenschar nicht auszugleichen vermochte. Und die lebenslustige, engergiegeladene Schau, die "Afrika! Afrika!" sein will, konnte diese Bühnendarstellung dann auch nicht mehr vermitteln.

Die Bonner Konzertkasse von Gabriel Concerts, die am Freitag bereits eine Fülle von verärgerten Anrufen entgegennehmen musste, hat derweil eine Erklärung vorliegen, dass das Konzert "unplanmäßig verlief, aber stattfand" - und das sei "kein Grund zur Kartenrücknahme". Oliver Gabriel sagt dazu, dass er von der veranstaltenden Afrikanischer Zirkus GmbH sich hat bestätigen lassen, dass dies die komplette Show gewesen sei.

"Programm-Änderungen können bekanntlich immer vorgenommen werden, und da die Show zehn Minuten vor der 22-Uhr-Grenze beendet wurde, gab es auch für uns keinen Grund, die Abendkassenabrechnung nicht zu machen." Die Gage von Gabriel Concerts für den Bonner Auftritt habe Gabriel im übrigen schon "Wochen im Voraus überwiesen".

Schade sei es nur, dass die Künstler "das Bonner Podium für ihre Streitigkeiten mit dem Produzenten benutzt haben". Matthias Michalka von der Afrikanischer Zirkus GmbH konnte im gestrigen Gespräch mit dem GA weder zum Verlauf des Abends noch zum Anlass der Streitigkeiten Auskunft geben. "Wir müssen uns erst selber mal ein Bild von der Lage machen."

Artikel vom 20.06.2009
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