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Stevie Wonder als unermüdlicher Botschafter für Liebe und Frieden in Köln

Er würde Barack Obama wählen - 140 Minuten mit einem hoffnungslosen Romantiker

Von Sarah Brasack.

 I just called to say I love you : Stevie Wonder im Konzert.Bonn. Das Prinzip Hoffnung trägt nicht nur den Namen Barack Obama. Verkörpert wird es auch durch eine amerikanische Soul-Legende. "Use your heart and spread the love - for a better world", ruft Stevie Wonder in der Kölner Lanxess-Arena. "Gebraucht euer Herz und verbreitet Liebe - für eine bessere Welt."

Eine Weisheit, die der Präsidentschaftskandidat Obama nach den Wahlen am 4. November tatkräftig umsetzen soll, wenn es nach Wonder geht. Deshalb rührt der 58-jährige Superstar in Köln kräftig die demokratische Werbetrommel. "Ich liebe dich": Auf Deutsch dankt er seinen 7 500 Fans stellvertretend für die Sympathien, die man dem jungen Anwärter auf das Weiße Haus in Deutschland entgegenbringt.

140 Minuten mit Stevie Wonder beweisen: Der Mann ist und bleibt ein hoffnungsloser Romantiker. Zum Glück. Fast hatte es so ausgesehen, als würde der unermüdliche Botschafter für Liebe und Frieden für immer in den Tour-Ruhestand gehen. Seit 1996 hatte Wonder, der als Zwölfjähriger vom Motown-Label unter Vertrag genommen wurde und mit 18 sein erstes "Greatest Hits"-Album veröffentlichte, sich auf internationalen Bühnen nicht mehr blicken lassen. Als seine Mutter am 31. Mai 2006 starb, "dem traurigsten Tag meines Lebens", wie der Sänger mit brüchiger Stimme erzählt, war für ihn an Konzerte noch weniger zu denken.

Bis eine Begegnung mit seiner "mama" im Traum die Gewissheit brachte: "She is o.k." Spätestens nach dieser ergreifenden Rede hat der füllig gewordene Mann mit den Rasta-Zöpfen und dem riesigen Lächeln in der Arena alle Sympathien auf seiner Seite. "As If You Read my mind", "All I Do", "Did I Hear You Say You Love Me" und später "Higher Ground" eröffnen fulminant und groovend ein Konzert, an dem insgesamt 15 Musiker und Sänger mitwirken.

Bombastisch klingt der Sound der agilen und gut gelaunt spielenden Percussionisten, Keyboarder, Gitarristen und Bläser - und dennoch beeindruckend präzise. Zwischen Soul, Funk und Pop, denen man die achtziger Jahre dann und wann deutlich anhört, changieren die Lieder. Der Soul-Chef stellt seine Musiker an dem Abend gleich mehrmals vor, eine ebenso respektvolle wie liebenswürdige Geste.

Wonder sitzt abwechselnd an einem Flügel oder zwei Keyboards und gibt atemberaubende Demonstrationen bezüglich der Spannweite seiner kräftigen Soulstimme, die mühelos selbst schwierigste Verzierungen durch mehrere Tonlagen bewältigt. Im vierköpfigen Background-Chor steht Tochter Aisha Morris, die ihren Vater am Arm auf die Bühne geführt hat. Sie darf eine Solo-Nummer interpretieren, den hübschen Nat-King-Cole-Klassiker "I'm Gonna Laugh You Out Of My Life". Der stolze Vater revanchiert sich und stimmt kurz darauf die ihr gewidmete Ballade "Isn't She Lovely?" an.

Das sphärische "Visions" wird instrumental derart reduziert, dass fast ausschließlich Tastenspiel und Gesang des Soul-Meisters übrig bleiben. Ein bewegender Höhepunkt, der den Wunsch weckt, ein Konzert nur mit Wonder zu erleben - ohne Band. Gleich mehrmals muss das Publikum bei Wonder in die Lehre gehen: Der tausendstimmige Background-Chor bei "Part-time Lover" schließt die Gesangs-Prüfung mit Bravour ab. Mit einem Medley aus deutschen Liedern, darunter "Muss i denn?" und "Oh Tannenbaum", beweist Wonder dann mit schelmischem Lachen: "I know all about Germany".

Eine kleine Auswahl seiner über zwanzig Nummer-Eins-Hits ("Sir Duke", "Do I Do") reißt die Fans im Finale von den Sitzen. Genau zwei Stunden nach Konzertbeginn erklingen die ersten Akkorde von "I Just Called To Say I Love You". Dass dabei doch tatsächlich pinkfarbene Herzen über die Leinwand flimmern, wirkt wie ein ironischer Fingerzeig auf die Überpräsenz des Lieds in Millionen Kuschel-Samplern. Als im Anschluss das prägnante Intro zu "Superstition" erklingt, erhebt sich auch der letzte Tanz-Muffel: Während die Bläser sich kräftig ins Zeug legen müssen, sind Background-Chor und Publikum ausgelassen in Bewegung. Die Ballade "I'll Be Loving You Always" und eine Hymne auf Barack Obama beenden das Konzert. Ein Glück für alle, die dabei waren.

Artikel vom 24.09.2008
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