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Mozart und Schumann

Vox bona zeigen in der Bonner Kreuzkirche ihre Klasse

Von Gunild Lohmann

Bonn. Angeregt durch den Musikliebhaber Gottfried van Swieten, setzte sich Mozart ab 1782 intensiv mit der Musik Bachs und Händels auseinander.

Seine neu gefundene Meinung über Kirchenmusik formulierte er 1783 in einem Brief an den Vater: "Baron van suiten, und Starzer, wissen so gut als sie und ich, daß sich der Gusto immer ändert - und aber - daß sich die Veränderung des gusto so gar bis auf die kirchenMusic erstreckt hat; welches aber nicht seyn sollte - woher es dann auch kömmt, daß man die wahre kirchenMusic - unter dem dache - und fast von würmern gefressen - findet."

Mozarts Rettungsversuche mündeten in das großartige Fragment der c-Moll-Messe, das der Chor Vox bona unter der Leitung von Karin Freist-Wissing in der Kreuzkirche aufführte.

Das zu Beginn gespielte Sinfonie-Fragment op. 52 von Robert Schumann war weniger Einstimmung als Kontrastprogramm: Das Sinfonieorchester der Kreuzkirche beschwört in der Ouvertüre den ritterlichen Geist der Romantik herauf; das mitreißend jubelnde Finale ist nach dem vom stolpernden Grundrhythmus bestimmten Scherzo ein wahrer Befreiungsschlag.

Mit der c-Moll-Messe demonstrieren Orchester und Vox bona einmal mehr ihre Klasse. Der in den Unterstimmen hervorragend besetzte Chor - der Sopran wirkt manchmal etwas blass und könnte eine Extradosis Strahlen vertragen - intoniert und deklamiert tadellos, gestaltet die bildhafte Dramatisierung des liturgischen Textes, etwa im Qui tollis, mit hohem Engagement. Da ist kein Crescendo, kein Konsonant, den Karin Freist-Wissing dem Zufall überlassen würde.

Die diffizile Doppelfuge "Cum sancto spirito" wird nicht einfach atemlos durchgehechelt, sondern in allen Stimmen und an allen Pulten musiziert, zelebriert - und wenn die Tenöre im Übereifer zuweilen etwas drücken, stört das kaum. Schließlich ist auch der strahlende Solo-Tenor Jörg Nitschke im Benedictus hin und wieder zu laut.

Im Domine Deus gelingt den beiden Sopranistinnen Christiane Rost und Christiana Jordan ein wundervoll geschmeidiges und kontrastreiches Duett. Aber so richtig es ist, die Sopran-Soli mit einer hellen und einer dunkler timbrierten Stimme zu besetzen, das Laudamus te hätte die Dirigentin Rost überlassen sollen.

Die freudig funkelnden Koloraturen verlangen nach ihrem offenen, schlanken und in der Höhe leuchtenden Sopran, so wie er im ätherischen Et incarnatus est zu hören ist. Christiana Jordan ist zwar auch eine exzellente Sängerin, aber für das Laudamus te nicht die richtige.

Artikel vom 23.10.2006
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