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Von Michael Lehnberg
Sankt Augustin. Er spielt bei den "Knochenbrechern" Niederkassel. Ansonsten aber ist Pater Peter Claver Narh eher ein sanfter Mann. Wenn es indes um Fußball geht, kann der Geistliche ganz schön aus sich herauskommen. Vor allem dann, wenn die "Black Stars" aus Ghana ins Stadionrund einlaufen.
Foto: GA
Das werden seine Freunde, die Kinder und Messdiener erleben, wenn am Mittwochabend im Pfarrheim der Mülldorfer Gemeinde Sankt Mariä Heimsuchung das alles entscheidende Vorrundenspiel Ghana gegen Deutschland gemeinsam geguckt wird (Anpfiff 20.30 Uhr). Pater Peter ist in Ghana aufgewachsen, genauer in Asesewa, rund Kilometer entfernt von der Hauptstadt Accra. Und dort hat er das Fußballspielen gelernt. "Ich habe von klein auf gespielt, vor allem in der Schule."
Zuhause allerdings wachte sein Vater mit Argusaugen darüber, dass der kleine Peter erst seine Hausaufgaben machte. "Aber in der Schule war er ja nicht da", sagt Pater Peter und lacht. Immerhin ist aus ihm ein passabler Fußballer geworden, der sogar schon in der Bezirksliga beim SV Eberhardzell gegen den Ball getreten hat. Stolz präsentiert er seinen Spielerpass und die Abmeldung, auf der alle seine Teamkollegen zum Abschied unterschrieben haben.
"Ghana ist ein fußballverrücktes Land. Das Spiel hat dort denselben Stellenwert wie hier in Deutschland und ist Volkssport Nummer 1. Überall wird Fußball gespielt." Und wenn es keinen richtigen Ball gibt, dann ist es eben eine große ausgestopfte Socke, die als Spielgerät dient. "Das sieht man noch sehr häufig in den Dörfern", sagt Peter. Sein Idol neben dem lieben Herrgott? "Abedi Pelé natürlich."
Der sei für Ghana das, was Franz Beckenbauer für Deutschland bedeute. "Abedi Pelés Sohn Ayew wird am Mittwoch mitspielen", weist sich der 32-Jährige als exzellenter Fußballfachmann aus. Nicht nur das: Es schnappt sich seine Gitarre und singt einen deutschen Schlager von Henri Valentino: "Rata, rata, ratatatata..."
Seit 2001 ist Pater Peter in Deutschland, hat bei den Steylern in Sankt Augustin Theologie studiert und wurde am 18. Juni 2006 im Steyler Kloster zum Priester geweiht. Seine Mission heißt Deutschland, und hier fühlt er sich wohl, hat viele Freunde gefunden und ist gewissermaßen die gute Seele im Pfarrverband Untere Sieg, dem die drei katholischen Gemeinden Mülldorf, Menden und Meindorf angehören.
Heute werden zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Aber nur bis zum Anpfiff. "Dann werde ich Ghana die Daumen drücken", sagt der Geistliche. Und was wird er kurz vorher zu Gott beten? "Dass es ein schönes, spannendes Spiel gibt, ohne Verletzte. Möge der Bessere gewinnen", schiebt er dann noch nach. Es ist eben aus tiefstem Herzen ein Mann des Ausgleichs. Aufgeregt ist auch er schon.
"Es wird sicher ein sehr spannendes Spiel", ist sich Pater Peter sicher. Die Deutschen müssten gewinnen, Ghana reiche ein Unentschieden, um das Achtelfinale zu erreichen. "Leicht wird es die deutsche Mannschaft nicht haben. Ghana hat eine sehr gute Abwehr und ein gutes Mittelfeld. Im Sturm könnten wir sicher noch besser werden", sagte der gelernte Gottesmann und Stürmer.
Großen Respekt hat er vor den deutschen Kickern. "Die sind wirklich ein Team und deshalb sehr stark. Schade, dass Klose nicht mitspielt. Aber Deutschland hat ja guten Ersatz", empfiehlt er dem Bundes-Jogi, Cacau zu bringen.
Einen Tipp will er nicht wagen. "Da kann einfach zu viel passieren." Sein Herzenswunsch: "Ich möchte gerne, dass Deutschland und Ghana weiterkommen. Und ich hoffe auf ein schönes und faires Spiel." Sollte Ghana das Spiel gewinnen, hat der humorvolle und fröhliche Pater schon vorgesorgt. "In der Kirche habe ich im Scherz gesagt, dass ich mich dann zwei Monate krank schreiben lassen werde."
Allerdings: Genauso wie er und sein oberster Chef vergeben können, werden ihm die deutschen Fans einen Sieg der "Black Stars" nachsehen - aber sicher erst nach dem Katzenjammer. Und wenn Jogis Jungs den Sieg nach Hause tragen, wird sich Pater Peter mit seiner Gitarre trösten, singen und träumen: "Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen." Träumen darf er. Auch von einem Sieg gegen Deutschland.
Im Pfarrheim am Pfarrweg 9 in Mülldorf ist am Mittwoch Public Viewing angesagt. Ab 18 Uhr ist es geöffnet. Bis zum Anpfiff um 20.30 Uhr wird gegrillt und gespielt - auch Fußball.
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