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Wie einst bei Käthe Kruse

Von Roswitha Oschmann

Heisterbacherrott. Zuallererst gab's Streicheleinheiten. Für die Puppen. Denn Museumspädagogin Alexandra Offermann legte ihren kleinen Besuchern zunächst einige hübsche Exemplare aus der Käthe-Kruse-Ausstellung im Haus Schlesien vorsichtig in den Arm.

Kleine Puppendoktoren: Die Kinder nehmen im Haus Schlesien Anschauungsunterricht.   Foto: Frank Homann

Kleine Puppendoktoren: Die Kinder nehmen im Haus Schlesien Anschauungsunterricht. Foto: Frank Homann

Der vierjährige Valentin aus Vinxel hatte dann auch ganz schnell sein Herz verloren, an "Seppel", den Puppenjungen mit Lederhose, Strickjacke und kleinen Blümchen auf dem Bund. Dabei bewies der Steppke Phantasie. Denn seiner Lieblingspuppe hatte die Schöpferin eigentlich den Namen "Karlchen" gegeben.

Aber "Seppel" und Lederhose, das passt doch perfekt. Und "Seppel", so sollte auch die Puppe heißen, die Valentin selbst anfertigen wollte. Denn parallel zur Puppenschau veranstaltete das Haus Schlesien ein Bastelprogramm.

Öffnungszeiten Die Sonderausstellung "Käthe Kruse - ihr Leben und ihre Puppen" wird bis zum 9. Mai im Haus Schlesien gezeigt. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10 bis 12 und 13 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 18 Uhr. Am Mittwoch, 14. April, 18.30 Uhr, findet eine öffentliche Führung statt und am Sonntag, 25. April, 11 bis 18 Uhr, ein Sammlertreffen.

"Wir machen das ein bisschen anders als Käthe Kruse", klärte Alexandra Offermann in der "Puppenwerkstatt" die Kinder auf. Sie hatte für jeden Teilnehmer einen Holzkörper vorbereitet, in den die jungen Puppenmacher winzige Gelenke für Arme und Beine eindrehen und eine weiße Kugel als Kopf aufsetzen sollten. "Mit Farbstiften könnt Ihr Augen, Mund und Nase aufmalen", erteilte sie die erste Arbeitsanleitung.

Katharina-Christina (6) verhalf ihrer Puppe zu einem roten Herzmund. "Male ich grüne oder schwarze Augen?" überlegte Rebecca (6). Aber es dauerte nicht lange - und alle Köpfe hatten ihr Gesicht. Noch waren sie jedoch kahl. Mit Wolle konnte Abhilfe geschaffen werden. Die Museumspädagogin zeigte die Kniffe, wie aus einigen Fäden eine kunstvolle Perücke geformt werden kann.

Käthe Kruse hatte in den ersten Jahren Haare aufgemalt, ab 1929 zog sie ihren Puppenkindern Echthaarperücken über. Offermann: "Käthe Kruses Puppen hatten nur braunes oder blondes Haar, nie schwarzes, selten rotes." Und: "Ihr müsst viel Kleber nehmen, sonst fällt die Frisur ab", warnte sie ihre Handwerkerschaft. Aber Übung macht den Meister. Die erste Version Käthe Kruses war schließlich auch nicht auf Anhieb perfekt.

Die junge Mutter, die ab 1905 Spielzeug für ihre Töchter fabrizierte, knotete ein Handtuch als Körper zusammen, füllte es mit warmem Sand und band eine Kartoffel als Kopf in die Längsseite. Die Knolle schrumpfte und der Sand rieselte. Die zweite Variante war Oscar, der aus Nesselstoff genäht und mit Sägespänen gefüllt war.

Später kamen Materialien wie Wachs, Jute, Gaze, Rentier-, Reh- oder Rosshaar ins Spiel. Weich, warm und so menschlich wie möglich sollten Kruses Puppen sein und sich gut zum Spielen eignen.

1910 wurde die gebürtige Breslauerin vom berühmten Warenhaus Tietz zur Ausstellung eingeladen. 1911 erhielt sie den Auftrag, 150 Puppen in kurzer Zeit für Amerika zu liefern. Die Berliner Wohnung wurde zur Werkstatt. Und es muss ähnlich geschäftig zugegangen sein wie im Haus Schlesien, wo nun Alexandra Offermann den mit weißem und schwarzem Stoff umhüllten Draht auspackte für Arme und Beine.

Auch Käthe Kruse hatte 1914 ein Drahtskelett erfunden. Das war auch Vorbild für das Schlenkerchen, den Puppentyp von 1922. Valentin zog seiner Puppe weiße Strümpfchen an, und aus dem schwarzen Draht bastelte er noch Schuhe. Seine Zwillingsschwester Helena entschied sich ebenfalls für diese Kombination. Rebecca ließ ihre neue, gelenkige Puppe einen Spagat machen.

Aber dann musste sie endlich ein Kleid bekommen. Alexandra Offermann hatte bereits Schnittmuster vorbereitet. Es gab grünen Stoff, blauen, einen mit Blümchenmuster. Und wer wollte, konnte auch noch eine zweite Garnitur zum Umziehen schneidern. Helena legte ihrer Puppe über das grüne Gewand noch ein buntes wie eine Tunika über.

"Sehr schick", lobte Alexandra Offermann. "Normalerweise wird zum Nähen eine Maschine eingesetzt", erklärte sie. Aber in der Werkstatt in Heisterbacherrott wurde der Stoff einfach mit einem Tacker geheftet. Rebecca zurrte ihrer Puppe noch einen Gürtel um die Taille. Fertig war das neue Spielzeug. Wie einst bei Käthe Kruse. Einfach zum Liebhaben.

Artikel vom 06.04.2010
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