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Von Annette Claus
Königswinter-Heisterbacherrott. Wenn der Begriff "Abgeliebt" auf etwas zutrifft, dann auf die Puppe, die im Haus Schlesien etwas abseits in einem Eisenbettchen liegt, sozusagen auf dem Altenteil:
Szenische Darstellungen sind typisch für die Präsentation von Käthe-Kruse-Puppen: Von der Hochzeitsszene bis zum ärztlichen Besuch am Krankenbett ist alles möglich. Puppe Klärchen hat schon einiges hinter sich. Fotos: Frank Homann
Die Nase ist vom häufigen Hinfallen eingedrückt, die Gesichtszüge sind vom vielen Abwaschen verwischt, die Knie aufgeschürft - Rentierhaar quillt zwischen dem zerschlissenen Stoff hervor.
Klärchen ist immerhin 92 Jahre alt. Sie war mehr als 80 Jahre lang die Freundin von Gisela, und sie ist eine von 40 Käthe-Kruse-Puppen, die derzeit im Haus Schlesien zu sehen sind.
Zwei Fotos sind neben Klärchen ausgestellt. Das eine zeigt Gisela heute: eine alte, distinguierte Dame.
Das andere zeigt Gisela früher: ein kleines Mädchen in einer weißen Schürze mit einem Kinderwagen, den sie kaum schieben kann, so groß ist er. Darin natürlich: Klärchen.
Alexandra Offermann vom Haus Schlesien erklärt, dass selbst Klärchen eine Chance hätte, wenn die Puppenmutter ihren Alterungsprozess aufhalten wollte:
Sozusagen ein Puppenleben lang können Besitzer ihre Lieblinge einschicken, die Käthe-Kruse-Werke in Donauwörth reparieren und restaurieren sie, gratis.
Das ist eine der Besonderheiten der Käthe-Kruse-Puppen, die eine Neuheit waren, als ihre Schöpferin sie Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte: keine steifen, kalten Porzellanpuppen, die zu zerbrechen drohen, sondern warme, weiche Puppen, mit denen die Kinder schmusen können.
Ernst schauen sie drein, die Puppen im Haus Schlesien, ihre kleinen Münder scheinen zu schmollen. Helga Nicodemus aus Brühl und Katrin Schneider aus Leverkusen haben die Sammlung für die Schau zur Verfügung gestellt.
"Diese Ausstellung", hat Ingeborg Bach aus Bonn ins Gästebuch geschrieben, "bringt die Kindheit für kurze Zeit zurück."
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