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Von Marion Monreal
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Björn Glasner aus Dernau ist seit 1996 Radsportprofi. In dieser Saison geht er für das Team Lamonta an den Start. Für die GA-Serie "Fit in den Frühling" gibt der 29-Jährige den Lesern Tipps, wie sie sich richtig verhalten, wenn sie nach dem langen Winter wieder aufs Fahrrad steigen. Mit ihm sprach Marion Monreal.
Helm vergessen: Auch wenn Björn Glasner hier ohne Kopfschutz zu sehen ist, sollte dieses Teil bei Ausfahrten nicht fehlen. Foto: Vollrath
GA: Was muss ich im Frühjahr für die ersten Touren mit dem Rad beachten?
Björn Glasner: Lieber zu langsam, als zu schnell beginnen. Eine echte Hilfe, ohne die ich nie fahre, ist die Pulsuhr. Optimal ist der Bereich zwischen 120 und 140 Puls, wenn man sich noch unterhalten kann, ohne aus der Puste zu sein. Dann fährt man so, dass Fett verbrannt wird. Die Strecken sollten zur Eingewöhnung eher flach sein. Wenn der erste Hunger eintritt, ist das ein Zeichen zum Aufhören.
GA: Wie wärme ich mich auf, wie sollte ich wieder abkühlen?
Glasner: Optimal wäre natürlich Gymnastik oder Stretching vorweg, um Muskelkater vorzubeugen. Nach der Radtour wäre es perfekt, zu duschen und ebenfalls Stretchübungen zu machen. Und nicht direkt fettige Pommes mit Currywurst essen. Was oft falsch gemacht wird, ist, sich nassgeschwitzt draußen hinzusetzen, um zu trinken. Apropos trinken: Es ist ungemein wichtig, während des Fahrens viel zu trinken. Pro Stunde etwa einen halben Liter, am besten Wasser oder Apfelschorle.
GA: Wie lang sollten die ersten Fahrten sein?
Glasner: Je nach Befinden. Der Laie sollte sich nicht zu viel zumuten und auf seine persönliche Steigerung achten. Und das gilt für alle Radtypen: ob Tourenrad, Mountain-Bike, Trekking- oder Rennrad. Auch wenn ans Mountain-Biking von Haus aus höhere Anforderungen durch Steigungen gestellt werden.
GA: Wie sieht die optimale Kleidung auf dem Fahrrad aus?
Glasner: Meine Devise lautet: lieber zu warm anziehen, lieber mehr mitnehmen. Die Muskeln müssen warm gehalten werden. Die Auskühlung durch den Fahrtwind, gerade im Frühjahr oder Herbst, ist nicht zu unterschätzen. Bei den ersten Sonnenstrahlen sehe ich Radfahrer mit kurzen Hosen. Das ist falsch. Die Tage, die ich als Profi mit kurzer Hose fahre, kann man an zwei Händen abzählen. Bei hohen Ozonwerten und bei Minusgraden sollten Freizeitfahrer eher ganz auf ihren Sport verzichten. Und nicht zuletzt: den Helm nicht vergessen.
GA: Wie ist beim Fahrradfahren die Belastung für den Körper, speziell für die Gelenke?
Glasner: Für Leute mit Gelenkproblemen ist Fahrradfahren natürlich besser als zum Beispiel Joggen; auch wenn man mit einer Stunde Laufen mehr für sich getan hat, als mit einer Stunde Radfahren. Sie müssen beim Radfahren nicht ständig ihr eigenes Gewicht tragen. Wichtig ist eine bequeme, nicht zu gestreckte Sitzposition. Wer drei Mal die Woche fährt, der wird fit.
GA: Was sollte ich nach dem "Winterschlaf" beim Rad-Check beachten?
Glasner: Ein Frühjahrs-Check ist unbedingt angebracht. Ist die Bereifung porös? Was ist mit dem Luftdruck? Funktionieren die Bremsen? Da sollte man sich auch nicht scheuen, zum Beispiel bei Rädern mit Schnellspannsystemen, einen Fachmann ran zu lassen.
GA: Was ist Ihre Lieblings-Trainingsstrecke im AW-Kreis?
Glasner: Ahr hoch, Kesselinger Tal, Jammelshofen, Nürburgring, Kelberg, Nohn, Blankenheim und dann die Ahr runter. Zwischendurch baue ich noch zwei bis drei Nettigkeiten ein, wie ein Bergstück bei Aremberg. Dann bin ich fünf Stunden unterwegs, habe 150 Kilometer gestrampelt.
GA: Empfehlen Sie doch mal Touren für Anfänger sowie eine mittelschwere und eine schwere Strecke.
Glasner: Für Anfänger ist zum Beispiel das flache Stück zum Rhein runter beziehungsweise die Ahr hoch richtig. Es gibt keinen starken Wind und nach eineinhalb Stunden ist man wieder in der Kreisstadt. Eine mittlere Strecke fürs Rennrad führt über Kreuzberg, Sahrbachtal, Houverath, Berg, Freisheim, Hilberath, Grafschaft und zurück in rund 2,5 Stunden. Rund vier Stunden ist der geübte Rennradfahrer unterwegs, wenn er die Runde Schuld, Wasserscheide, Euskirchen und Rheinbach fährt.
GA: Sie können Trainingsmöglichkeiten weltweit vergleichen, waren gerade auf Rhodos und in Südafrika. Was zeichnet die Gesundheits- und Fitnessregion in Sachen Fahrradfahren aus?
Glasner: Es ist ein perfektes Trainingsgebiet, ich werde oft von Profikollegen darum beneidet. Es sind auch immer mehr von ihnen, die hierher kommen. Es gibt kaum Ampeln, wenig Verkehr, den Nürburgring würde ich natürlich jederzeit bei Rennveranstaltungen meiden. Autoabgase sind in der ländlichen Region kein Thema.
GA: Welchen Stellenwert nimmt der Radsport im AW-Kreis ein?
Glasner: Der Boom hält an, das Interesse am Profiradsport nimmt sogar zu. In diesem Jahr fahren drei große deutsche Teams bei der Tour mit. Die Menschen werden gesundheitsbewusster und können ihrer Passion in frischer Luft nachgehen. Das Radwegenetz ist, auch wenn ich es nie nutze, gut ausgebaut.
Nächsten Donnerstag: Bei Tango, Walzer oder Folkloretanz wird man auch fit - mit hohem Spaßfaktor. Und am Freitag lesen Sie ein neues Rezept von Sternekoch Hans-Stefan Steinheuer.
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