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Von Uta Effern-Salhoub
Königswinter. In eine Ofenkaule gegenüber vom Petersberg stürzte am Freitagnachmittag ein 30-jähriger Mann. Er erlitt schwere Verletzungen und löste eine aufwändige Rettungsaktion von Feuerwehr, Notarzt und Polizeikräften aus.
Großeinsatz für Feuerwehr und Notarzt: Der 30-Jährige hatte sich in den schmalen Lüftungsschacht - zu sehen in der Wand rechts - gezwängt und war dann abgestürzt. Fotos: Homann
Zwei nicht aus der näheren Umgebung stammende Familien, die mit ihren Kindern durch das Naturschutzgebiet gegenüber vom Petersberg streiften, waren auf einem Trampelpfad an der Kaule mit ihrer schmalen Öffnung vorbeigekommen. Die beiden Väter kletterten aus Neugier und Abenteuerlust hinab. Der 30-Jährige stieg als erster in die Tiefe. Als sein 33-jähriger Begleiter ihm folgen wollte, hörte dieser nur noch einen Schrei: Der 30-Jährige war abgerutscht und fünf Meter tief auf den Boden der düsteren Kaule gestürzt.
Per Handy alarmierten der 33-Jährige und die übrigen Familienmitglieder die Feuerwehr. Die 20 Männer der Löschgruppen Niederdollendorf und Altstadt unter Leitung von Stadtbrandmeister Michael Bungarz und der Notarzt legten die mehrere hundert Meter lange Strecke zum Einsatzort zu Fuß zurück, weil das unwegsame Gelände nicht befahren werden konnte. Nur ein Unimog mit Stromaggregat bahnte sich den Weg bis zur Unfallstelle. Über eine mitgebrachte Steckleiter stiegen vier Wehrmänner und der Arzt durch die schmale Öffnung zu dem Verletzten in die Tiefe, während die übrigen Helfer versuchten, mit Scheinwerfern Licht in den Schacht zu bringen.
Die Retter legten den Verletzten in eine Schleifkorbtrage. Dann beförderten sie ihn nicht über die Steckleiter, sondern über die engen unterirdischen, etagenartig angelegten Gänge der Kaule ins Freie. Der 30-Jährige hat sich bei dem Sturz eine Unterschenkelfraktur zugezogen. Darüber hinaus hat er möglicherweise eine Wirbelsäulenfraktur erlitten. Die Wehrleute trugen den Mann mehrere Minuten durch den Wald zurück bis zum Rettungswagen. Dessen Besatzung brachte den Verletzten ins Bad Honnefer Krankenhaus. 45 Minuten dauerte die auch für die Rettungskräfte nicht ungefährliche Bergung.
Die Feuerwehr warnt Spaziergänger ausdrücklich, die unterirdischen Backofenkaulen zu betreten. Vor rund zehn Jahren gab es einen ähnlichen Unfall, bei dem ein Mann abgestürzt war. Damals musste der Schwerverletzte mit Leinen den Schacht hinaufgezogen werden. In den Ofenkaulen gewann man früher Steinplatten für den Ofenbau. Seit 1600 ist der Abbau in unteririschen Stollen nachgewiesen. Bis 1930 war Königswinter als Zentrum des Backofenbaus berühmt.
Und 300 Jahre unterirdischer Stollenbau haben ihre Spuren hinterlassen: Der Berg ist durchhöhlt. Im Zweiten Weltkrieg wurden die bis zu zehn Meter tiefen Stollen als Fluchträume genutzt. Nach dem Krieg wurden die Eingänge verschlossen - nur sehr schmale Spalten für die Fledermäuse sind geöffnet und zumeist mit Gittern verschlossen, die aber häufig herausgerissen werden. Das Betreten der Kaulen ist streng verboten. Sie sind als Bodendenkmal geschützt.
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