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Von Corinna Keim
Rheinbach. Ihr Mann Hans und sie waren eigens aus den Niederlanden angereist. Unter den während der NS-Zeit ermordeten 34 jüdischen Rheinbachern, deren Namen auf den neuen Gedenktafeln graviert sind, sind zwölf Verwandte von Henny Houweling-Zwart. Mit rund 100 anderen Gästen nahm sie an der Vorstellung der Mahntafel zur Erinnerung an die deportierten Rheinbacher jüdischen Glaubens teil. Die große Tafel umgeben von kleineren Namens- und mehreren leeren Tafeln als Symbol für nicht namentlich bekannte Ermordete hängen im Herzen des belebten Rathauses - im Lichthof zwischen Alt- und Neubau.
Zum Gedenken an die ermordeten jüdischen Rheinbacher: Dietmar Pertz (von links), Peter Mohr und Stefan Raetz vor der Mahntafel im Lichthof. Foto: Henry
"Erinnern für die Zukunft", lautet der Titel der Inschrift. "Es ist sehr schön und passend", sagte Houweling-Zwart über das Gedenk-Kunstwerk. In einer angemessenen, würdigen Veranstaltung wurde es präsentiert. Nach Rheinbach waren unter anderen auch Margret Traub von der jüdischen Gemeinde Bonn, Heinrich Bartels von der deutsch-isrealischen Gemeinschaft und das Ehepaar Lammel aus Bad Münstereifel gekommen.
"Vor nunmehr 60 Jahren - fast auf den Tag genau - wurden die letzten Rheinbacher Juden in das Sammellager Endenich gebracht", sagte Raetz. Und weiter: "Die Stadt Rheinbach möchte die Erinnerung an die ermordeten Rheinbacher Juden, die zuvor entrechtet und gedemütigt worden sind, wach halten."
Ganz bewusst sei das Rathaus als Standort ausgewählt worden. "Hier gehen Menschen mit ihren täglichen Anliegen ein und aus. Mit der Anbringung der Tafeln im Lichthof des Rathauses bringen wir die Opfer in unsere Gegenwart und in unsere Mitte zurück."
So sah es auch Dieter Peters vom Landesverband der jüdischen Gemeinden von Nordrhein, der unter anderem im Namen von Paul Spiegel den Dank "allen an der Realisierung Beteiligten seine Anerkennung ihrer sichtbaren Menschlichkeit aus": "Die toten jüdischen Rheinbacher werden durch dieses Gedenken wieder in ihre Heimat zurückgeholt." Die Ermordeten "waren Bürger der Stadt Rheinbach und glaubten, sie seien als angestammte Bürger dieser Stadt vor den unfassbaren Gräueltaten der Obrigkeit geschützt".
Zwischen den Reden und der beeindruckenden Lesung aus Horst Mies' Buch "Sie waren Nachbarn" spielten Jeannine Kunz (Querflöte) und Leonie Christian (Gitarre) von der Musikschule Meckenheim-Rheinbach-Swisttal jiddische Klezmer-Musik. Folke Deters und Miriam Weiß vom Städtischen Gymnasium trugen Passagen aus Mies' Buch vor.
Mies, Vorsitzender der Freunde des Archivs der Stadt Rheinbach, beschäftigt sich schon lange Zeit intensiv mit der Erforschung der Geschichte Rheinbachs in der NS-Zeit. In dem im April erscheinenden Werk schildert er eindrucksvoll das Leben der Rheinbacher Juden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
"Außerdem findet sich in dem Buch ein sehr wertvoller Beitrag von Peter Mohr, der tabellarisch das Schicksal der Rheinbacher Juden erfasst", sagte Raetz. In ihrer Lesung beschrieben die beiden Gymnasiasten unter anderem beispielhaft das Schicksal des Rheinbachers (Hermann-Josef) Jupp Geisel, der Mitbegründer des Rheinbacher Turnvereins, Mitglied der Feuerwehr, des Krieger-, des Junggesellen- und des Schützenvereins sowie des Männerchores war.
Deters und Weiß riefen dann auch später die Namen der 34 Opfer aus der Stadt Rheinbach auf, bevor Armin Eichhorn zum Abschluss einen Psalm in Hebräisch und Deutsch vortrug.
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