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Der Bacchus rollt im Festwagen durch die Stadt

Großer Umzug zum Weinfest nach Königswinter, das auch in diesem Jahr wieder auf große Resonanz stößt - Viele Besucher kommen von auswärts und erfreuen sich an der tollen Stimmung

Von Roswitha Oschmann

Königswinter. Der Bacchus strahlt. Bei solchen Untertanen hat er auch allen Grund. Bis tief in die Nächte feiert sein Volk rund um den Weinbrunnen auf dem Marktplatz, nachdem am Freitagabend der Startschuss für das traditionelle Winzerfest Königswinter gefallen war. Brechend voll das Weindorf, wo die MSB-Show-Band die Besucher am Freitag- und Samstagabend aus der Reserve lockte, sie mitsingen, mitschunkeln und tanzen ließ.

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Zünftiger Umzug: Beim traditionellen Festumzug, der von zahlreichen Gruppen bestückt wird, säumen viele Besucher die Straßen in der Altstadt. Mit dabei: ein Planwagen und viele historisch kostümierte Aktive. Foto: Homann

Zünftiger Umzug: Beim traditionellen Festumzug, der von zahlreichen Gruppen bestückt wird, säumen viele Besucher die Straßen in der Altstadt. Mit dabei: ein Planwagen und viele historisch kostümierte Aktive. Foto: Homann

Ein leichter Pullover reichte bei angenehmsten Temperaturen. Auch letzte Nacht waren die Winzerfestler "jot drop", so wie die gleichnamige Kapelle. Und der Gott des Weins immer mittendrin. "Ich hab ihn auch schon gesehen", zeigt sich der sechsjährige Oliver aus der Altstadt beeindruckt von dem Mann mit dem langen Bart und dem weinroten Umhang, der mit seinem Pokal rundum geht, stets zu einem Schwätzchen aufgelegt. "In Königswinter haben wir kaum noch ein Bett frei. Wir sind gut gebucht", so Beate Bouvelet von der Tourismus Siebengebirge GmbH.

Annette Domann und ihrem Mann Stephan stellte sich das Problem der Quartiersuche nicht. Sie kamen für einen Winzerfesttag aus Aegidienberg. "Wir sind vor vier Jahren hierher gezogen und wollten nun auch mal dieses Ereignis kennenlernen." Mitgebracht hatten sie ihren Verwandten Jürgen Langer aus ihrer Heimat, dem Weserbergland: "Der Riesling schmeckt. Aber wir werden auch noch die anderen Weine aus dem Siebengebirge durchprobieren."

Das Trio wollte jedoch nicht nur einfach trinken, sondern auch ein bisschen Wissen rund um den Rebensaft tanken. Erstmals gibt es bei diesem Winzerfest Führungen zu dem Thema. Claudia Kornagel berichtet dabei über Stadtgeschichte und Weinanbau. "Mit den Römern hat es angefangen. Die brauchten für jeden Legionär die ihm zustehende Tagesration.

"Wie hoch ist nun eine Tagesration für einen Winzerfestbesucher? Ach, die Frage lautet besser: Was trinkt der Gast in diesem Jahr? "Grauburgunder und Classic sind die Favoriten. Und Federweißer, weiß oder rot, wird gern genommen", zieht Helga Bartonicek am Tag zwei Zwischenbilanz.

Sie muss es wissen. An allen fünf Festtagen steht sie an einem der drei hübsch dekorierten Stände der Großen Königswinterer Karnevalsgesellschaft und schenkt Wein aus. Seit nahezu 20 Jahren ist sie regelmäßig dabei. GKKG-Vorsitzender Mike Weiser hat 50 Mitglieder seines Karnevalsvereins motivieren können, hier Dienst zu schieben. Der Erlös fließt in die Vereinsarbeit.

Vorwiegend die Tanzgarde profitiert vom Durst der Weinfestbesucher, die in einladender Atmosphäre ihren Rebensaft genießen können. Der Boden ist mit Stroh bedeckt. Die GKKG hat weißgedeckte und hübsch dekorierte Tische aufgebaut, an denen die Gäste gern Platz nehmen, um gemütlich ihren Wein zu trinken oder auch ihren Zwiebelkuchen und andere Häppchen zu schnabulieren.

"Es macht unheimlichen Spaß", sagt auch Friedhelm Esser. Der erste Bass des Männergesangvereins Gemüthlichkeit hat mehrere Schichten am Stand seines Chores übernommen. Der Chef von der befreundeten Chorgemeinschaft Bad Honnef, Claus Scheel, tauchte auch bereits auf, "um eine Kelterprobe zu machen". Statt Rheinwasser Wein: Der Kanu-Klub unterhält ebenfalls einen Stand, auch der Turnverein, die Winzerfest AG, das Weingut Pieper und die St. Sebastianus-Männerschützenbruderschaft sowie die St. Sebastianus-Junggesellenschützenbruderschaft.

Die Junggesellen warten mit einem Novum auf. Kerstin Schlösser und Phyllis Erdmann: "Wir haben in diesem Jahr eine Spieleecke für Kinder auf dem Platz." Und die Junggesellenschützenbruderschaft hatte dann am Sonntag den traditionellen Festzug anlässlich ihres 402. Stiftungsfestes. Zahlreiche Zuschauer säumten die Straßen. Vier Kapellen sorgten für Stimmung. 19 Gruppen aus dem gesamten Stadtgebiet reihten sich ein und boten ein zauberhaftes, buntes Bild.

Die Junggesellen im schwarzen Anzug, ihre Damen in Kleidern im Stil der Gründungszeit der Bruderschaft und natürlich das Königspaar Sebastian Zinke und Barbara Mäckel sorgten für Hingucker, ebenso die Fähnriche, die geschickt die Fahnen schwenkten.

Gemeinsam mit der Männerschützenbruderschaft führten sie einen von Pferden gezogenen Planwagen mit sich: die "Rollende Weinprobe". Noch mehr rollte: der umjubelte Bacchus (Guido Hoffmann) sowie seine vier hübschen Bacchantinnen in einer Kutsche und das Lokomobil. Dahinter ging die Gruppe der Träger vom "Orden wider den quälenden Durst".

Gegen quälenden Durst kann bis Dienstagabend im Weindorf noch viel getan werden. Am Montagabend blinkert außerdem nicht nur der Wein in den Gläsern, ab 21.45 Uhr lassen Feuerwerker es auch am Himmel blitzen.

Artikel vom 02.10.2006
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