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Von Norbert Raffelsiefen.
Schon der Name klingt magisch: "Krabat". Otfried Preußlers Erzählung von dem Burschen, der sich mit dunklen Mächten einlässt und durch die Liebe erlöst wird, fasziniert seit Jahrzehnten junge Leser.
Jedes Jahr ein Gesellenleben: Der Müller (Christian Redl) versucht, dem Tod zu entrinnen. Foto: Fox
Nun kommt "Krabat" ins Kino. Nachdem die Mitte Europas durch den Dreißigjährigen Krieg und die Pest in einen großen Friedhof verwandelt wurde, kämpfen die Davongekommenen ums nackte Überleben. Einer von ihnen ist der 14-jährige Waisenjunge Krabat, der sein Glück als Lehrling in einer Mühle versuchen will.
Schon bald bemerkt er, dass es sich bei dem Ort um keine gewöhnliche Mühle handelt, sondern um die Lehrstatt eines sinistren Magiers. Jedes Jahr muss einer der Gesellen sterben, um den Alterungsprozess des Meisters aufzuhalten. Ein Entkommen gibt es nicht, denn der Müller wacht mit Argusaugen über seine Schützlinge.
Krabat verliebt sich in ein Mädchen aus dem angrenzenden Dorf, wissend, dass der Meister einen solchen Bund mit dem Tode beider Liebenden bestraft. Aber er weiß auch, dass das Mädchen als einzige die Möglichkeit hat, die Freiheit ihres Liebsten am Jahresende vom Müller einzufordern.
Otfried Preußler hatte 1971 den Jugendroman als fantastisches Schauermärchen verfasst, und anders als bei seinem Räuber Hotzenplotz hatte sich lange kein Produzent an die Realverfilmung der düsteren Vorlage gewagt. Erst im Zuge des Fantasybooms von Harry Potter bis Narnia kommt die Vorlage nun unter der Regie von Marco Kreuzpaintner ("Sommersturm") in die Kinos.
Kreuzpaintner setzt bei seiner Adaption ganz auf die bedrohliche Atmosphäre der Vorlage. Die Härte des bäuerlichen Alltagsleben, die unheilvolle Präsenz des Müllers, dem Christian Redl eine diabolische Aura verleiht, das alles lässt die Gemeinschaft der Gesellen trotz aller Konkurrenz enger zusammenwachsen.
Hier findet der Film eine feine Balance zwischen der Angst und dem Misstrauen der Eingeschlossenen, das nächste Opfer zu sein, und die Sehnsucht nach Solidarität und Liebe, um den Teufelskreis zu brechen.
Weit weniger überzeugend gelingt es Kreuzpaintner, die Verführbarkeit der Zwölf aufzuzeigen. Die Faszination der schwarzen Künste bleibt ebenso behauptet wie die abenteuerlichen Seiten des Lebens auf der Mühle, auch wenn sie Otto Sanders als sonore Off-Stimme noch so sehr beschwört. Eine Actionszene, bei der die Jungs die Dörfler mit ihren magischen Stöcken gegen marodierende Landsknechte verteidigen, gerät gar zum wirren Ringelreigen.
Seine Leinwandtauglichkeit verdankt der Film, neben seinen atmosphärischen Bildern, vor allem dem überzeugenden Spiel der Akteure. Neben Christian Redl sind dies Daniel Brühl als rebellischer Tonka und David Kross in der Rolle des Krabat, die ihren Figuren Intensität verleihen.
(Film-Kritik aus dem General-Anzeiger)
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