Ein Käufer für Solarworld

Solarworld: Bonner unter Schock

Der Solarworld-Standort in Freiberg: Die deutschen Werke des insolventen Konzerns arbeiten weiter.

Der Solarworld-Standort in Freiberg: Die deutschen Werke des insolventen Konzerns arbeiten weiter.

Bonn. Während die Zentrale am Rhein vor dem Aus steht, hoffen die Mitarbeiter in Ostdeutschland auf einen Investor.

Auf diesen Moment bibbern die verbliebenen Beschäftigten der Solarworld AG in Bonn an diesem Donnerstag hin: Für 13.30 Uhr hat sie der vorläufige Insolvenzverwalter zu einer Mitarbeiterversammlung geladen, auf der sie sich endlich Gewissheit erhoffen über die Zukunft des Standortes Bonn.

„Es herrscht eine ganz gedrückte Stimmung“, berichtete der Betriebsratsvorsitzende Peter Finger am Mittwoch. Die Bonner Beschäftigten hatten am Morgen über die sozialen Medien von einem möglichen Investor für die beiden Produktionsstandorte von Solarworld in Sachsen und Thüringen erfahren. Ein Arbeitsrechtler aus dem Team um Horst Piepenburg, den Insolvenzverwalter, hatte erst die Belegschaft in Freiberg und später in Arnstadt über den Stand der Verkaufsverhandlungen informiert.

„Das ist ein Schock für uns“, erklärte Finger, denn in der Pressemitteilung, die Piepenburg verschickte, spielt Bonn keine Rolle mehr. „Bis auf eine kleine Abwicklungsmannschaft“ würden die Mitarbeiter in der Bundesstadt „unwiderruflich freigestellt werden müssen“, heißt es darin.

Eine Transfergesellschaft auch für Bonn?

„Wenn es ein Fünkchen Möglichkeit für eine Transfergesellschaft gäbe, sollte man das auch in Bonn machen“, sagte Finger. Bisher ist in den Eckpunkten, die Piepenburg mit dem namentlich nicht genannten Investor verhandelt, nur von einer Transfergesellschaft für die Beschäftigten in Ostdeutschland die Rede. Rund 1200 Mitarbeiter sollen dorthin wechseln können, weil die Weiterbeschäftigung bisher nur für 450 Beschäftigte gesichert ist.

Piepenburg betonte, er schätze die Chancen auf eine kurzfristige Einigung mit den Interessenten höher ein als die Möglichkeit eines Scheiterns. „Mit dieser Lösung würden wir die Möglichkeiten in einem vorläufigen Insolvenzverfahren weitgehend ausschöpfen, um den Interessen der beteiligten Gläubiger gerecht zu werden und eine dann doch signifikante Zahl von Arbeitsplätzen zu erhalten“, erklärte er. Die Solarworld AG hatte am 11. Mai Insolvenz angemeldet.

Beifall in Sachsen für den neuen Investor

Im sächsischen Freiberg wurde die Nachricht eines möglichen Investors mit Beifall aufgenommen, wie Betriebsrätin Anke Martin-Heede am Telefon berichtete, auch wenn der Großteil der Belegschaft in die Transfergesellschaft komme. „Wir vom Betriebsrat haben eine solche Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft immer gefordert“, sagte Martin-Heede. So müssten sie nicht sofort zur Arbeitsagentur, könnten in diversen Unternehmen zur Probe arbeiten und sich weiter qualifizieren.

Dass sich ein Käufer für Solarworld abzeichnet, sei ein „sehr, sehr positives Signal“, erklärte Milan Nitzschke, Präsident der europäischen Solarherstellervereinigung EU ProSun. „Die Wertschöpfungskette der Photovoltaik in Deutschland – von den Rohstoffen über die Forschung bis zum Maschinenbau – darf nicht kaputt gehen.“ Nitzschke, der derzeit noch Pressesprecher von Solarworld ist, sieht die Photovoltaik als eine „strategische Industrie“. Über 80 Prozent der Patente, die in der Kernphotovoltaik weltweit zum Einsatz kommen, stammen nach seinen Worten aus Deutschland und Europa.

Risiko, dass die Photovoltaiktechnologie aus Deutschland verschwindet

„Wir riskieren, diese Photovoltaiktechnologie zu verlieren, wenn die Chinesen mit ihren Dumpingpreisen nicht gestoppt werden.“ Mit dem Staatsgeld, das sie im Rücken hätten, böten sie ihre Produkte zu Niedrigstpreisen an, die teilweise unter den Materialkosten lägen. China habe dermaßen Überkapazitäten im Photovoltaikbereich geschaffen, dass es 130 Prozent der weltweiten Nachfrage bedienen könne, so Nitzschke.

Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, forderte Bund und Länder mit Blick auf die Klimaschutzziele auf, sich engagiert für den Erhalt der Photovoltaik-Wertschöpfungskette einzusetzen. Dafür müsste die nächste Bundesregierung die Ausbauziele für die Solarenergie deutlich anheben. Mit den gesunkenen Einspeisevergütungen für Solarstrom sind die Investitionen in dem Sektor drastisch zurückgegangen.

Grüne: Bittere Pille für Bonn

Die Bonner Bundestagsabgeordnete Katja Dörner (Grüne) sagte, die Schließung des Bonner Standortes sei eine „bittere Pille für den Klimastandort Bonn“. Damit verliere Bonn Arbeitsplätze in einer „wichtigen Zukunftsindustrie“. Unklar ist, was aus der Solarworldtochter Solarparc in Bonn wird, die etwa 20 Mitarbeiter hat. Sie betreibt Wind- und Solarparks und ist solvent.