Seelenlandschaften auf Stein

Das Museum Schloss Moyland zeigt Farblithografien aus der Zeit um 1900. Jugendstil und Symbolismus sind die Strömungen, die die junge Kunst beeinflussen

Bedburg. Es waren nicht einmal künstlerische Impulse, die um 1797/98 den Münchner Alois Senefelder zur Entwicklung des Steindrucks, der Lithografie, bewogen hatten. Es sollten vielmehr Theaterprogramme und schlichte Dokumente preiswert in hohen Auflagen gedruckt werden. Bald aber nutzen auch Maler - und unter ihnen die ganz großen wie Francisco de Goya, Dominique Ingres, Theódore Géricault, Honoré Daumier und Adolf von Menzel - die neue Flachdrucktechnik auf feinporigen Steinplatten.

Noch allerdings blieb der Druck auf Schwarzweiß begrenzt, bis Henri de Toulouse-Lautrec, angeregt durch den vielfarbigen japanischen Holzschnitt, auch die Farblithografie vorantrieb. Berühmt wurden seine großformatigen Varieté-Plakate; und über sein Blatt der "Mademoiselle Marcelle Lender" geriet das neue Verfahren rasch nach Deutschland.

Wenig beachtet wurde bisher in der kunsthistorischen Forschung, dass sich in Karlsruhe noch vor 1900 ein Zentrum für den lithografischen Mehrfarbendruck gebildet hatte. Initiator war hier vor allem der Maler Leopold Graf von Kalckreuth, Mitbegründer des Karlsruher Künstlerbundes, der an der Großherzoglichen Kunstschule bald eine Lithografieklasse einrichtete. Ihre Werke machten im Sinne des Wortes Schule; sehr bald blühte die Karlsruher Produktion, die durch zwei Leipziger Verlage weite Verbreitung erfuhr.

Mit sicherem Spürsinn haben die Brüder van der Grinten, die man sonst eher mit Joseph Beuys verbindet, seit 1946 Blätter der "Karlsruher Farblithografie um 1900" gesammelt, die jetzt im Museum Schloss Moyland zu sehen sind. Zweifellos beeindruckt die perfekte Beherrschung der Technik: Ein jeder Farbton muss von einem eigenen Stein gedruckt werden. Es bestechen aber auch die gewählten Motive, allen voran Landschaftsbilder, die ohnehin in bester Karlsruher Malertradition standen, sich allerdings auch schon an den neuen Idealen der Freilichtmalerei orientierten.

Impressionistische Punkt- oder Strichmanieren, wie sie der "Morgen im Hafen" von Carl Langhein vorträgt, sind freilich eine Ausnahme. Vielmehr dominiert die große, klare Linie, die sich aus dem Jugendstil ableitet. Jugendstil und Symbolismus wurden damals als innovative Stilströmungen in den jungen Sezessionen gepflegt - so auch in der Kunstdruckerei des Künstlerbundes Karlsruhe, der zu den ersten Sezessionen im Lande gehörte. Die Künstler schwelgten einerseits in lyrischen Stimmungslandschaften, andererseits in sublimem Kolorit.

Häufig wählten sie Tageszeiten- oder Wettermotive, Bilder wie "Abendfrieden", "Mondnacht" und "Herbstabend I" von Eduard Eulers, Carlos Grethes und Kampmann gerieten zu symbolistisch verklärten Seelenlandschaften. In der "Nixe im Goldfischteich" von Franz Hein kulminiert ein märchenhafter Symbolismus.

Eine dritte Stilvariante lässt sich in weit angelegten Landschaften mit perspektivischem Tiefensog erkennen, die in ihrer Schlichtheit an fernöstliche Naturbilder erinnern. Hans von Volkmann schuf so eindrucksvolle Lithografien wie "Einsamer Weiher" oder "Mairegen"; dass sich mit seiner "Gänsewiese" und dem "Taubenflug" auch ein wenig Betulichkeit, die man aus den Kinderbüchern der Zeit kennt, in die sehr schöne Ausstellung verirrt hat, bestätigt letztlich die Qualität der anderen Bilder.

Museum Schloss Moyland, 47548 Bedburg-Hau, bis 11. Februar 2007; Di bis So 11 bis 17 Uhr; Katalog 14,90 Euro.

Informationen im Internet: www.moyland.de