"Ich kann dat Minsch nit finge"

Wie der Bürgermeister vergeblich auf die Wasseranalyse wartete

Bürgermeister Carl August von Groote, der den Badeort Godesberg von 1857 bis 1897 milde und freundlich regierte, war es besonders an der Qualität des Brunnenwassers gelegen. Daher ließ er regelmäßig Wasseranalysen vornehmen.

Als er wieder einmal eine Untersuchung in Auftrag gegeben hatte, ließ sich die Brunnenverwaltung ungebührlich viel Zeit damit, dem Bürgermeister das Schriftstück vorzulegen. Da man damals noch nicht zum Telefon greifen konnte, zitierte von Groote den Amtsboten Anton zu sich und schickte ihn zur Brunnenverwaltung, um die Analyse abzuholen. Anton nahm die Hacken zusammen, sagte "Jawoll, Herr Bürgermeister" und steuerte den Brunnen an.

Von Groote wartete ungeduldig, runzelte zunehmend die Stirn, trommelte einen Armeemarsch mit den Fingerspitzen auf seinem Schreibtisch und sah endlich Anton eintreten, schwitzend und hochrot vor Eifer und Eile. Aber ohne irgendein Schriftstück. "Und wo ist die Analyse", grollte von Groote. Anton legte die Hand an den Mützenrand und berichtete außer Atem: "Ich han jesuch un jesuch, Herr Bürgermeister, aber ich kann dat Minsch nit finge. Die han keen Anneliese beim Brunnen." (wf)