Deniz Bakir tritt ein schweres Erbe an

SC 07 Bad Neuenahr: Nach Abschied von Sandra Minnert will neuer Trainer Position des Vereins in Frauenfußball-Bundesliga festigen und ausbauen - Keine teuren Neuverpflichtungen

Bad Neuenahr. Der Frauenfußball-Bundesligist SC 07 Bad Neuenahr steht vor einer spannenden, wenn nicht gar richtungweisenden Saison.

Denn mit dem Weggang von Sandra Minnert verliert das Flaggschiff des Frauenfußballs in Rheinland-Pfalz nicht nur eine zweifache Weltmeisterin und damit sein Aushängeschild von internationaler Strahlkraft.

Vielmehr muss der Klub künftig auch ohne seine Erfolgsgarantin auskommen. Ein Status, den sich die 35-Jährige zunächst als kompromisslose Abwehrchefin, später als verlängerter Arm von Trainer Dietmar Schacht und schließlich als Alleinverantwortliche an der Seitenlinie in den vergangenen vier Jahren auf ihre stets hemdsärmelige Art erarbeitet hat.

Minnert war es auch, die den Bundesligisten zuletzt nach einer scheinbar verkorksten, in jedem Fall aber turbulenten Saison, die ihren negativen Höhepunkt in dem überraschenden Rauswurf von Schacht hatte, in ruhiges Fahrwasser und damit in die Erfolgsspur zurückgeführt hat.

Dass es der vom DFB zur WM-Botschafterin berufenen 147-maligen Nationalspielerin gelungen ist, die Saison mit dem SC 07 Bad Neuenahr wie im Vorjahr auf dem fünften Tabellenplatz zu beenden, kann man fürwahr als gelungenes Trainerdebüt bezeichnen. Und so war es sicher nicht nur purer Zufall, dass die Kurstädterinnen unter Minnert gegen die Übermannschaft 1. FFC Frankfurt den ersten Sieg überhaupt einfuhren.

Die große Frage zu Saisonbeginn wird also sein, inwieweit es dem Verein gelingen wird, den Verlust seiner Ausnahmespielerin zu kompensieren. Keine leichte Aufgabe, die da auf Deniz Bakir wartet, sollte man meinen. Doch obgleich Bad Neuenahr für den 42-Jährigen die erste Station im Frauenfußball darstellt, hat sich der Klub mit Bakir einen ausgewiesenen Fachmann geangelt, der als ebenso akribischer wie erfolgsorientierter Arbeiter gilt.

So hat der Meckenheimer die U 19 des Bonner SC in die Junioren-Bundesliga geführt und mit dem stets begrenzten Kader des krassen Außenseiters mehrfach dem Abstieg aus der Nachwuchs-Eliteliga getrotzt. Auch für seine neue Aufgabe formuliert Bakir eine klare Zielsetzung: "Der SC 07 Bad Neuenahr ist im Frauenfußball eine feste Größe.

Diese Position möchten wir festigen und in der nahen Zukunft noch weiter ausbauen." Im Klartext: Auch in der am 7. September beginnenden Saison soll sich der Klub "im oberen Tabellendrittel" festsetzen und sich am Ende auf den Plätzen drei bis fünf wiederfinden.

Dafür steht dem neuen Coach im Wesentlichen der Kader zur Verfügung, der in der abgelaufenen Spielzeit um einen Punkt am vierten Tabellenplatz vorbeigeschrammt ist. Auf spektakuläre Neuverpflichtungen hat der SC 07 in diesem Jahr verzichtet. Vielmehr setzt der Verein - neben den bewährten Kräften - auf viel versprechende Nachwuchstalente.

So sollen etwa die beiden 16-jährigen U-17-Nationalspielerinnen Yasmin Pietsch und Laura Störzel sowie die 18-jährige vom Magdeburger FFC an die Ahr gewechselte Anne Bartke behutsam an das Bundesligateam herangeführt werden. Pietsch kommt von der Bundesliga-Reserve des 1. FFC Frankfurt und soll mittelfristig das Mittelfeld verstärken.

Anne Bartke war Topscorerin des Regionalligisten Magdeburg, und als Abwehrspielerin des TuS Bonbaden hat sich Laura Störzel für die U-17-Auswahl des DFB empfohlen. Aus dem Regionalligateam aufgerückt ist die ebenfalls erst 16-jährige Verteidigerin Julia Thinius, die allerdings noch an den Folgen eines im Januar erlittenen Kreuzbandrisses laboriert.

Ebenfalls aus der zweiten Mannschaft wird Bakir die Torhüterin Nathalie Altmann sowie Natascha Schneider, Eva Langenfeld und Jana Sebastian zur Saison-Vorbereitung nach Waldbreitbach mitnehmen. "Bis auf Sandra Minnert und Viola Odebrecht haben wir alle Leistungsträgerinnen halten können, so dass der Kader eine sehr gute Mischung aus erfahrenen und talentierten Spielerinnen aufweist", zeigt sich Bakir zufrieden.

Mit Melanie Schmacher muss der Coach, der unter Erich Rutemöller seine A-Lizenz erworben hat, allerdings auf eine weitere erfahrene Defensivkraft verzichten. Die 30-Jährige hat ein verbessertes Angebot ihres Arbeitgebers angenommen und steht dem SC 07 nicht mehr zur Verfügung.

Vor diesem Hintergrund könnte sich der Abgang von Viola Odebrecht als schwerwiegender erweisen als zunächst angenommen. Die 25-jährige Weltmeisterin von 2003 hatte in Bad Neuenahr nach durchwachsenen Jahren zu alter Stärke zurückgefunden, sich aber frühzeitig für eine Rückkehr zu ihrem Heimatverein 1. FFC Turbine Potsdam entschieden.

Derweil hoffen die Verantwortlichen beim SC 07, bis zum Transferschluss am 31. August einen adäquaten Ersatz für Melanie Schmacher zu finden. Bauen kann der Verein derweil auf seine Nationalspielerinnen. Torhüterin Uschi Holl und Ausnahmekönnerin Célia Okoyino da Mbabi, die nach ihrem Schienbeinbruch immer besser in Tritt kommt, werden erst nach den Olympischen Spielen zur Mannschaft stoßen.

Dagegen werden die von Bundestrainerin Sylvia Neid ausgemusterten Lena Goeßling und Isabell Bachor die komplette Vorbereitung mitmachen. Und schließlich gelten die beiden U-23-Nationalspielerinnen Lydia Neumann und Sarah Schmitz auch in der kommenden Saison als unverzichtbare Stützen der Mannschaft.

Zugänge: Anne Bartke (Magdeburger FFC), Yasmin Pietsch (1. FFC Frankfurt), Laura Störzel (TuS 1907 Gräveneck), Julia Thinius (eigene Jugend).

Abgänge: Vanessa Baudzus (Ziel unbekannt), Viola Odebrecht (1. FFC Turbine Potsdam), Sandra Minnert, Melanie Schmacher (beide Karriereende), Jasmin Stümper (2. Mannschaft).

Der Kader: Tor: Ursula Holl, Jasmin Paganetti; Abwehr: Eva Augustin, Christina Graf, Sarah Schmitz, Laura Störzel, Julia Thinius, Anne-Kathrin Westphal; Mittelfeld und Angriff: Lena Goeßling, Nadine Hagmann, Vanessa Mehlem, Celia Okoyino da Mbabi, Yasmin Pietsch, Isabell Bachor, Anne Bartke, Nadine Fols, Lydia Neumann.

Trainer: Deniz Bakir.

Saisonziel: Platz 3 bis 5.