Kommentar

Bezahlung - Unredliche Debatte

Berlin. Die berühmte angebliche Lohnlücke von 22 Prozent in der Bezahlung von Männern und Frauen ist eine politisch-rhetorische Allzweckwaffe.

Man sagt Lohnlücke, suggeriert Diskriminierung - und schon liegt die Notwendigkeit eines Gesetzes gegen die Benachteiligung von Frauen auf der Hand. So einfach ist die Sache - und so falsch.

Ja, Frauen verdienen im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer. Das ist nicht schön, hat aber wenig mit Diskriminierung zu tun. Frauen wählen überdurchschnittlich oft Berufe in schlechter bezahlten Branchen und unterbrechen ihr Berufsleben öfter. Das sind die Hauptgründe für die Lohnlücke. Über beides muss man reden. Aber das alles hat nichts mit der unterstellten Diskriminierung durch Arbeitgeber zu tun, die Frauen wegen ihres Geschlechtes unfair behandelten. Das weiß auch Ministerin Schwesig. Deshalb ist es unredlich, wenn sie bei ihrem Kampf um ein Entgeltgleichheitsgesetz gegen besseres Wissen die Diskriminierungskeule schwingt.

Das Gesetz würde ins Leere laufen. Für gleiche Arbeit wird weitgehend das gleiche Gehalt gezahlt. Es mag sein, dass in sehr gut bezahlten Segmenten Männer besser abschneiden, weil sie härter um Lohnerhöhungen verhandeln. Wer die Lohnlücke wirklich bekämpfen will, muss dagegen an strukturellen Schwierigkeiten ansetzen. Dazu gehört das Herstellen von Bedingungen, die Beruf und Familie vereinbar machen. Denn die Babypausen sind für Frauen die eigentlichen Karrierebremsen, und ihre Rückkehr in den Beruf endet oft in Teilzeitjobs. Also weg mit der Kampfrhetorik.