40. GA-Wandertag

Zum Wandern läuft Konstanze Klosterhalfen zu schnell

Kleine Meerjungfrau: Konstanze Klosterhalfen am Weiher neben Haus Schlesien in Heisterbacherrott.

Kleine Meerjungfrau: Konstanze Klosterhalfen am Weiher neben Haus Schlesien in Heisterbacherrott.

Siebengebirge. Konstanze Klosterhalfen ist die aktuelle deutsche Meisterin über 1500 Meter, doch wie sieht es bei der Läuferin aus Bockeroth mit dem Wandern aus? Wir haben sie am Start der 20-Kilometer-Strecke des 40. GA-Wandertags getroffen.

Zum Wandern ist die junge Frau einfach zu schnell. Konstanze Klosterhalfen, von vielen Experten als Jahrhunderttalent in der Leichtathletik bezeichnet, kann zum vereinbarten Termin nicht in Wanderschuhen kommen. Sie besitzt schlicht und einfach keine. Stattdessen kleidet sich die 20-jährige Bockerotherin, die inzwischen in einer WG in Köln-Junkersdorf in unmittelbarer Nähe ihres Studienortes an der Sporthochschule wohnt, für das Foto am Haus Schlesien so, wie sie sich am wohlsten fühlt – in Laufschuhen und Laufhose.

Am Haus Schlesien in Heisterbacherrott startet am 10. September der GA-Wandertag. Konstanze Klosterhalfen kennt sich dort ganz gut aus. Schließlich wohnt hier Anna, eine ihrer besten Freundinnen, mit der sie in einigen Wochen auch eine Woche Urlaub in Rimini machen wird.

Aber wandern? Die Läuferin erinnert sich an eine Wanderung mit einer Freundin in der Nähe von Linz. „Das ist echt lange her. Da war ich noch in der Grundschule“, sagt sie. Das Wandern habe ihr damals gut gefallen, aber ihre Eltern hätten ihr diese Fortbewegungsform nicht gerade in die Wiege gelegt. Stattdessen Sport in jedweder Form.

Keine Zeit für die Sonntagswanderung

Als sie vier Jahre alt war, ging sie zum Ballett, mit fünf Jahren zur Leichtathletik, mit sechs auf den Tennisplatz, mit sieben zum Turnen, mit zwölf zum Handball. „Ich habe immer zwei Sportarten am Tag gemacht“, sagt sie.

Bis ihr Leichtathletiktrainer in Leverkusen der Meinung war, sie müsse sich jetzt für eine Sportart entscheiden. Nacheinander mussten so Tennis, Turnen, Ballett und Handball dran glauben. „Das ist mir immer schwer gefallen“, sagt sie. Aber klar war auch: „Um am Sonntag wandern zu gehen, hatten wir einfach keine Zeit.“ Wenn andere Eltern mit ihren Kindern, ob freiwillig oder unfreiwillig, spazieren gingen, war Familie Klosterhalfen bei einem Wettkampf oder auf dem Weg dorthin auf der Autobahn. Zumal auch die beiden Brüder Nico und Leo gute Sportler waren.

Klosterhalfen lief vorne weg - und verlief sich

Ein wenig Wandererfahrung könnte „Koko“ dabei durchaus gebrauchen. Beim Trainingslager im vergangenen Herbst in Flagstaff in Arizona sollten die Leichtathleten drei Stunden auf einem Trail wandern, um sich an die Höhe von 2000 Metern über dem Meeresspiegel zu gewöhnen. „Da die anderen mir zu langsam waren, bin ich vorneweg gelaufen und habe mich dann total verlaufen. Auf einmal war ich an einer Stelle, wo ich zwei Stunden vorher schon gewesen war.“

Gegenüber unserem letzten Treffen vor zwei Jahren und vier Monaten, als kaum jemand in Deutschland das „Mädchen mit den schnellen Beinen“ – so lautete damals die GA-Schlagzeile – kannte, hat Konstanze Klosterhalfen sich im Wesen kein bisschen verändert. Sie ist eine der besten Läuferinnen der Welt und trotzdem ungemein höflich. Sie lacht viel und interessiert sich für gemeinsame Bekannte. Obwohl sie jetzt in Köln wohnt, versucht sie, in den Semesterferien und zwischen den Wettkämpfen möglichst häufig bei ihren Eltern in Bockeroth zu sein. „Es tut gut, wieder nach Hause zu kommen“, sagt sie.

Dann geht sie auf einer Strecke an der Autobahn Richtung Oberpleis laufen. Auch da gilt: „Ich laufe lieber schnell als langsam.“ Immer mehr Spaziergänger, Radfahrer und Autofahrer erkennen sie inzwischen und winken oder hupen ihr freundlich zu. Wenn sie im Siebengebirge ist, versucht sie stets auch alte Freunde zu treffen. „Es ist schön, sie zu haben. Sie unterstützen mich.“

Froh, nach Hause zu kommen

Zu den Gewohnheiten, die sie ebenfalls beibehalten will, gehört die Aufgabe als Messdienerin in Thomasberg. „Gerade wenn ich viel unterwegs bin, gehe ich gerne mit meiner Mutter in die Kirche.“ An Heiligabend gehört Konstanze Klosterhalfen in Sankt Joseph längst zum Stammpersonal.

Besonders nach der Weltmeisterschaft in London, wo sie im Halbfinale über 1500 Meter ausschied, war die Deutsche Meisterin froh, wieder zu Hause zu sein. Wegen der WM war sie mit der Vorbereitung in Kienbaum zweieinhalb Wochen unterwegs; auch wenn ihr Vater immer und ihre Mutter fast immer bei den großen Reisen dabei sind. „Das war alles ein bisschen viel. Die ganzen neuen Eindrücke“, sagt sie.

Nach ihren überragenden Leistungen in dieser Saison wurden große Erwartungen in sie gesetzt. Vor allem waren da aber ihre eigenen Hoffnungen. „Vielleicht war es nicht ganz richtig, wie ich gelaufen bin. Ich war nachher jedenfalls ziemlich enttäuscht. Deshalb wollte ich nach der WM auch unbedingt noch mal laufen. Ich war noch nicht fertig“, erzählt sie.

Keine Geduld für 20 Kilometer wandern

Das Ergebnis war der deutsche Rekord über 3000 Meter am vergangenen Sonntag in Birmingham, wo sie sogar die Weltmeisterin Hellen Obiri aus Kenia schlug. Am kommenden Sonntag startet sie noch in Berlin über 1500 Meter.

Da sie theoretisch in der Lage wäre, die 20 Kilometer beim GA-Wandertag, die über Oberkassel, Hoholz und Vinxel führen, in etwas mehr als einer Stunde laufend zu absolvieren, kann sich Konstanze Klosterhalfen jetzt noch nicht so recht vorstellen, die gleiche Strecke zu wandern. „Da hätte ich keine Geduld“, meint sie. Auch beim bevorstehenden Urlaub an der Adria wird sie ein wenig Bewegung brauchen. „Ich liege auch mal gerne in der Sonne. Aber ohne sportlichen Ausgleich geht das nicht.“