Integration beim Torfieber

Ein Junge wie jeder andere

Salah Aldeen-Shikho liebt den Fußball

Salah Aldeen-Shikho liebt den Fußball

Bonn. Als der neunjährige Salah Aldeen-Shikho aus Syrien
endlich seine Spielberechtigung hatte, war er überglücklich. Jetzt geht der Neunjährige für den Godesberger FV auf Torejagd.

Für Punkt 9.45 Uhr am Samstagmorgen hatten sich Trainer, Eltern und natürlich die Spieler des Godesberger FV am Stadion Pennenfeld verabredet. Gut eine halbe Stunde früher war Stephan Eberling vor Ort. Eberling ist Jugendvorstand des Godesberger FV. Eberling, Familienrichter am Amtsgericht Düren, wollte die notwendigen organisatorischen Dinge rechtzeitig klären, um sich dann ganz den sicherlich aufgeregten Kindern widmen zu können.

Bereits um 9.25 Uhr erschien der erste Spieler. Es ist Salah Aldeen-Shikho, der es kaum noch erwarten kann. Torfieber 2016 ist sein erster Einsatz im blauen Trikot mit gelbem Kragen, den Farben des Godesberger FV. Salah ist neun Jahre jung und stammt aus Aleppo, der vom Bürgerkrieg zerstörten einstigen Millionenstadt im Norden Syriens.

Salah hatte ein Quäntchen Glück im Unglück. Da eine Schwester von Salahs Mutter bereits in Deutschland lebte, konnte die Familie nach Flucht und monatelanger Wartezeit in einem türkischen Auffanglager mit dem Flugzeug nach Deutschland ausfliegen. Seit August 2015 lebt Salah mit seinen Eltern und Geschwistern in Bad Godesberg, geht in die zweite Klasse der Bodelschwing-Schule.

Weniger Glück hatte Salah, der perfekt Deutsch spricht und für seine Eltern als Dolmetscher fungiert, mit seinem Spielerpass, ohne den im Vereinsfußball hierzulande nun einmal kein Ball rollt. „Während ein deutsches Kind in der Regel nach der Anmeldung übers Internet nach einem Tag die Spielberechtigung in Händen hält, ist die Angelegenheit bei Flüchtlingskindern deutlich komplizierter“, berichtet Eberling aus seiner Erfahrung.

Nach mehr als 30 Tagen ohne Zwischenbescheid wurde der Antrag von Salah von Seiten des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes schließlich abgelehnt. „Die notwendigen Urkunden seien, wie das leider bei vielen Flüchtlingen der Fall ist, unvollständig gewesen“, erzählt Eberling. Salah konnte das nicht verstehen. Zu sehr hatte er sich auf das Torfieber-Turnier vor seiner Haustür gefreut. Ein Junge wie jeder andere eben.

"Salah liebt den Fußball"

Der Jugendvorstand des GFV äußerte sein Unverständnis. „Wenn es sich um Erwachsene oder A-Jugendspieler handelt, kann ich die Akribie des Verbandes verstehen. Aber bei einem Neunjährigen? Die Stadt Bonn reagiert jedenfalls unbürokratischer, meint Eberling, der beim GFV eine Mannschaft für ältere Flüchtlingskinder betreut und sich darüber hinaus in der Flüchtlingsunterkunft in der Godesberger Michaelschule für eine Gruppe Freizeit und Sport engagiert.

„Salah ist vielleicht nicht der stärkste Spieler, aber er liebt den Fußball und möchte ganz einfach dabeisein“, erzählt Eberling. Er wandte sich per E-Mail an den Torfieber-Organisationschef Klaus Gering und an Franz Faßbender, Vorstand des Kreisjugendausschusses im Fußballkreis Bonn. Eberlings Bitte: Ob Salah vielleicht ausnahmsweise auch ohne Spielerpass auflaufen dürfte.

Gering und Faßbender nahmen sich des Falls an – und einen Tag vor dem F-Jugendturnier am Samstag lag schließlich die provisorische Spielberechtigung vor. Salah war überglücklich und wäre am liebsten schon 24 Stunden vor Turnierbeginn im Pennenfeld gewesen. Auch so war der Neunjährige, dessen sechsjähriger Bruder Jalal ebenfalls für den GFV spielt und der Salah bei dessen Einsatz leidenschaftlich anfeuerte, der Erste auf der Sportanlage.

Im Turnier hielten sich Salah und sein GFV in der Gruppe D wacker. In den ersten beiden Partien gegen den 1. FC Hardtberg und im Derby gegen den 1. FC Ringsdorf Godesberg hieß es nach jeweils 13 Minuten 0:0. Gegen den 1. FC Spich verlor der GFV mit 0:2. Dann aber gewann die Mannschaft mit Salah gegen Ippendorf 1:0, der Jubel war riesig. Der GFV schied trotzdem als Gruppendritter aus. „Völlig egal“, meinte Eberling: „Viel wichtiger ist, dass alle Spieler mit Salah hier dabei sein durften.“