Tango beim GA-Sommergarten

Cuarteto Argentino auf dem Dach der Bundeskunsthalle

Das Cuarteto Argentino mit Sänger Fernando Rios Palacio sorgte schon vor zwei Jahren beim GA-Sommergarten für Furore.

BONN. Tango ist Wein und Fleisch, ist Lust am Genuss - so charakterisieren die Mitglieder des Cuarteto Argentino die Musik ihrer Heimat, die sie seit gut 60 Jahren leidenschaftlich pflegen.

"Es ist eine Art Philosophie", sagt Sänger Fernando Rios Palacio, der mit seinen Bandkollegen diesen Sonntag einmal mehr zum GA-Sommergarten kommt und auf dem Dach der Bundeskunsthalle dem Sommer eine Stimme geben wird. Eine Aufgabe, der der Tangero so selbstverständlich nachkommen wird wie dem Atmen. Und so urtümlich, wie es bei dem sich ständig verändernden Genre noch möglich ist.

Mit dem Tango Nuevo Astor Piazollas haben Rios Palacio, Gitarrist Juan Ramon "El Negro" Roldan, Pianist Pedro Valero Abril, der sich bei klassischen Komponisten wie Frédéric Chopin genauso wohl fühlt ist wie bei dem "Senor del Tango" Carlos di Sarli, sowie der seit 58 Jahren musizierende Bandoneon-Spieler Roberto di Rosa nicht viel am Hut. "Der Tango unterliegt einer konstanten Evolution und Erneuerung", erklärt Palacio, "aber in unseren Augen hat der Tango Nuevo etwas von dem sozialen Charakter verloren, der die Musik früher ausgemacht hat".

Ursprünglich wurde er in Kneipen und Bordellen getanzt und war Ausdruck von Freiheit und Leidenschaft im Angesicht von Existenzängsten. "Er hat etwas bedeutet. Der Tango Nuevo ist mehr eine Art Coca-Cola-Tango, künstlich und amerikanisiert. Das ist nicht das, was wir spielen wollen." Zumal sie alle von den Besten gelernt haben. "Ich hatte zum Beispiel die Ehre, für 'Pichuco' zu singen", erinnert sich Palacio an seine Zeit mit dem großen Aníbal Troilo, der auch Astor Piazolla beeinflusst hat.

Weitere Namen fallen: Tito Reyes, Enrique Guzman, Osvaldo Pugliese. Die Helden einer Generation, die bereits im Spannungsfeld zwischen dem traditionellen Tango und dem zunehmend populärer werdenden Rock'n'Roll aufwuchs. "Für uns war das ein ewiger Kampf gegen die US-Sheriffs", vergleicht es Palacio. "Die amerikanischen Einflüsse waren überall und wir mussten uns unsere Nischen suchen. Letztlich konnten wir nur dann spielen, wenn die Sheriffs geschlafen haben."

Auf dem Dach der Bundeskunsthalle sollten diese Beschränkungen nicht herrschen. Und so verspricht das Quartett traditionellen Tango in Reinform, meisterhaft gespielt von einigen der besten Instrumentalisten ihres Fachs. So wird der GA-Sommergarten zur Milonga - vor zwei Jahren, beim letzten Besuch des Cuarteto Argentino in Bonn, hat dies auf jeden Fall hervorragend geklappt. Zahlreiche Paare wiegten sich auf der Tanzfläche. An diesem Sonntag dürfte das nicht anders werden.

Das Cuarteto Argentino spielt bei freiem Eintritt von 11.30 Uhr bis 14.30 Uhr beim GA-Sommergarten. Bitburger und das Cafe-Restaurant Speisesaal sorgen als Partner für die kulinarischen Angebote. Für gehbehinderte Besucher gibt es im Inneren der Bundeskunsthalle einen Aufzug.