Wohnen im Alter

Neues Zuhause für einen neuen Lebensabschnitt

Bonn. Um altersgerechtes Wohnen dreht sich die 5. Bonner Immobilienmesse, die am Samstag, 27. August im Telekom Dome ihre Tore öffnet. Zum Programm gehört auch der Messetalk des General-Anzeigers. . Dabei wird Redakteur Holger Willcke mit Experten über das „Wohnen im Alter“ diskutieren. Der Eintritt zur Immobilienmesse ist frei.

Die Kinder sind aus dem Einfamilienhaus im Grünen längst ausgezogen, und die Eltern machen sich nun Gedanken, wie sie zukünftig noch wohnen wollen und können. Dabei dreht sich vieles um die Frage: Taugt die eigene Immobilien überhaupt als Altersruhesitz, sind beispielsweise Stufen, Treppen und andere Barrieren im Weg, die einem später das Leben mit 60 plus schwer machen könnten? Auch spielt eine Rolle: Wie ist es um die eigene Versorgung im Alter bestellt, wenn etwa der nächste Arzt zehn Kilometer entfernt seine Praxis hat? Mit solchen Fragen wenden sich mehr und mehr Immobilienbesitzer auch an Immobilienmakler wie Diplom-Immobilienwirt (DIA) Rolf Ludwig Becker, der sein Büro in der Bonner Südstadt hat.

Warum diese Kundengruppe den Rat des Fachmanns sucht, erklärt Becker so: „Wir beschäftigen uns seit langem mit dem Thema und raten unseren Kunden, sich früh genug damit zu befassen“, betont Becker. Schließlich gehe es darum, „sich selbstbestimmt ein neues Zuhause für das Alter zu schaffen“ Bei einem rechtzeitigen Umzug bestehe nämlich die Möglichkeit, sich in seinem neuen Zuhause einzuleben, Kontakte zu knüpfen und neue Wurzeln zu schlagen.

Doch Becker weiß auch: „Der Bedarf an Informationen über das Wohnen im Alter ist groß.“ Mit der Meinung steht er nicht allein da. Darum hat der General-Anzeiger das Thema „Wohnen im Alter – ein neues Zuhause für einen neuen Lebensabschnitt“ in den Blickpunkt der 5. Bonner Immobilienmesse 27. August im Telekom Dome auf dem Hardtberg gerückt.

Für viele Fachleute zeichnen sich mit dem Demografischen Wandel große Herausforderungen für den Wohnungsmarkt ab. Aus Sicht von Professor Harald Herrmann, Direktor des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) mit Sitz in Bonn, ist Wohnen im Alter bundesweit „ein zentrales wohnungspolitisches Handlungsfeld“. Zwar gebe es derzeit nur wenige Erkenntnisse und amtliche Daten zum Umfang altersgerechter Wohnungen zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen, so Herrmann. „Gleichwohl entspricht der Anteil des gegenwärtigen altersgerechten Wohnungsbestands mit etwa 700 000 Wohnungen im Jahr 2012 und somit unter zwei Prozent aller Wohnungen eindeutig nicht dem Bedarf, der künftig aufgrund des demografischen Wandels benötigt wird“, stellt der Bonner Wissenschaftler klar.

Auch für die Region gibt es Erkenntnisse. Bereits vor drei Jahren hatte das Regionaldaten-Institut Pestel im Auftrag des Verbändebündnisses „Wohnen 65plus“ eine Studie durchgeführt. Die ergab, dass dem Rhein-Sieg-Kreis in den kommenden Jahren rund 17 000 altersgerechte Wohnungen fehlen werden. Der Kreis müsste demnach 267,1 Millionen Euro in Seniorenwohnungen investieren.

Ähnliche Probleme stellen sich in Bonn. Neben dem bekannten Mangel an Wohnraum habe man dort laut des stellvertretenden Stadtsprechers Marc Hoffmann „ein qualitatives Problem in den Wohnungsbeständen“ ausgemacht: „Die vorhandenen Haushalte benötigen anderen Wohnraum, als er derzeit in der breiten Masse angeboten wird“, so Hoffmann. „Die Nachfragegruppe der kleinen Haushalte mit älteren Menschen, teils schwerbehindert oder pflegebedürftig und mit real sinkenden Alterseinkünften, wird stetig größer.“ Demgegenüber stehe aber ein vergleichsweise großes Angebot an großen Wohnungen, Einfamilienhäusern und gehobenen Standards. „Dieses Angebot kann die genannte Nachfragegruppe für sich nicht erschließen“, führt Hoffmann aus.

Auch landesweit ist die Realität ernüchternd: „Das Land NRW geht davon aus, dass derzeit nur drei bis maximal fünf Prozent des Wohnungsbestandes barrierefrei gebaut ist“, führt Marc Hoffmann aus. Daher würden seit 1997 im geförderten Wohnungsbau ausschließlich nach DIN gebaute barrierefreie Wohnungen gefördert. „Diese Maßnahme reichen jedoch nicht aus, um gegenzusteuern“, betont Hoffmann. „Rund 23 Prozent der Bonner Bevölkerung sind über 60 Jahre alt. Hinzu kommt eine nennenswerte Zahl von jüngeren Schwerbehinderten und Pflegebedürftigen.“

Um auch in Zukunft den Personenkreis in den eigenen vier Wänden versorgen zu können, gehe das Amt für Soziales und Wohnen davon aus, dass mittelfristig ein barrierefreier Wohnungsbestand zu schaffen ist, so Hoffmann weiter: Der liege bei etwa bei 20 Prozent des Bestands. Da aber die Barrierefreiheit nicht allein ein „Seniorengerechtes Wohnen“ ausmache, müsse zusätzlich den Erfordernissen der wohnungsnahen Pflege- und Versorgungsinfrastruktur Rechnung getragen werden.

Ob barrierefrei oder seniorengerecht – es wollen viele Fragen bedacht sein, wenn ein Immobilienbesitzer einen Umzug überlegt, gibt Immobilienmakler Becker zu bedenken. Entscheidend dafür sei die Frage die der Eigentümer an sich selbst richten müssen: „Bin ich in meiner jetzigen Immobilie in der Lage, mich im Alter selber zu versorgen, das heißt ist es mir möglich, eine Barrierefreiheit zu schaffen, sind Einkaufsmöglichkeiten für mich gut zu erreichen, habe ich die Möglichkeit, mich mit Menschen meiner Altersgruppe zu treffen?“

Um bei den Beantwortung möglichst vieler Fragen zu helfen, will die 5. Bonner Immobilienmesse am 27. August „Interessenten und Fachleuten ganz gezielt eine Plattform zum Erfahrungsaustausch bieten“, sagt Martin Busch, Leiter der Anzeigenabteilung des General-Anzeigers und Organisator der Immobilienmesse. Auf das Thema würden sich nicht nur die Aussteller einstellen. „Vor allem werden sich auch einige der Fachvorträge, von den wieder eine ganze Reihe auf dem Programm stehen, auf den Aspekt des altersgerechten Wohnens konzentrieren“, führt Busch aus.

Erneut ein fester Programmpunkt ist um 13 Uhr auch der GA-Messetalk. GA-Redakteur Holger Willcke wird mit Experten über das „Wohnen im Alter – ein neues Zuhause für einen neuen Lebensabschnitt“ diskutieren.

Info: Der General-Anzeiger Bonn lädt für Samstag, 27. August, zur 5. Immobilienmesse ein. Sie findet von 11 bis 18 Uhr im Telekom Dome, Basketsring 1, auf dem Hardtberg statt. Der Eintritt ist frei, kostenlose Parkplätze stehen in ausreichender Zahl am Dome zur Verfügung. www.bonner-immobilienmesse.de.