Mietwohnungen und Eigenheime Bonner Immobilienmesse startet im Telekom Dome

Bezahlbarer Wohnraum gesucht: Bonn allein kann das Problem nicht lösen, sagen Experten. Ländliche Kommunen sind jetzt gefragt.

BONN. Die 7. Bonner Immobilienmesse findet am 15. September von 11 bis 18 Uhr im Telekom Dome auf dem Hardtberg statt. Sie bringt Angebot und Nachfrage gezielt zusammen und schafft Kontakte. Der Eintritt ist frei.

Am 15. September öffnet die 7. Bonner Immobilienmesse im Telekom Dome auf dem Hardtberg ihre Pforten; Veranstalter ist erneut der General-Anzeiger. Ziel der Messe ist es, „Menschen, die in der Region eine Wohnung oder ein Haus suchen, und die Immobilienwirtschaft zusammenzuführen“, sagt Martin Busch, Leiter der Anzeigenabteilung des General-Anzeigers und zuständig für die Organisation der Messe.

Ein sinnvolles Konzept, findet Victoria Appelbe, Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung, Liegenschaften und Tourismus: „Die Bonner Immobilienmesse ist seit sieben Jahren eine nützliche Kommunikationsplattform zum lokalen Immobilienmarkt, damit Bürger sich über Angebote und Leistungen von Akteuren im Immobilienbereich informieren können.“

Angebot und Nachfrage gezielt zusammenzubringen ist aus Sicht von Martin Busch derzeit mehr denn je geboten, „weil Wohnraum im Ballungsgebiet Köln/Bonn zu einem immer knapperen Gut wird“. Wie sich die Situation konkret darstellt, und was sich zu einer Verbesserung tun lässt, wollte der General-Anzeiger vor allem von der Bonner Stadtverwaltung wissen.

Für Jürgen Schönfeldt, Experte des Mieterbundes Bonn/-Rhein-Sieg-Ahr, ist die Situation durchaus dramatisch: „Durch jahrelange Untätigkeit der Politik steigen durch ein viel zu knappes Angebot die Mieten.“ Besonders für Alleinerziehende sei es extrem schwierig, Wohnungen anzumieten, da viele Vermieter nur noch an „olympiareife“ Interessenten vermieten würden, also Mieter mit hohem Einkommen. „Hier kann man schon von Wohnungsnot sprechen“, sagt Schönfeldt: „Barrierefreie Wohnungen gibt es kaum, Familien können sich Wohnungen kaum noch leisten, Zuweisungsempfänger haben Probleme.“

Auch die Stadt gibt zu Protokoll: „Der Bonner Wohnungsmarkt ist insbesondere im preisgünstigen Segment von einem Mangel an geeignetem Wohnraum bei gleichzeitig steigender Nachfrage gekennzeichnet“, erklärt Markus Schmitz vom Presseamt: „Aufgrund der abzusehenden soziodemografischen Entwicklung im Vergleich zum derzeitigen Wohnungsbestand in Bonn muss insbesondere preisgünstiger, altengerechter beziehungsweise barrierefreier Wohn-raum für Alleinstehende im Fokus stehen.“ Zudem fehle es an einem entsprechenden Angebot bezahlbarer Mietwohnungen oder Kaufeigenheimen für Familien.

Es mangelt an Bauland in Bonn

Die Zahl der bei der Stadt als wohnungssuchend gemeldeten Haushalte liege laut Schmitz in den vergangenen Jahren konstant bei zwischen 1800 und 2000 Haushalten pro Jahr. Für 2018 werde ein leichter Anstieg erwartet. Die Zahlen können laut Presseamt aber höchstens einen Hinweis darauf geben, „wie viele Haushalte derzeit insgesamt auf dem Bonner Wohnungsmarkt dringend eine Wohnung suchen“. Auch in den Zahlen des Gutachterausschusses spiegelt sich die Misere wieder. Bonn gehört in NRW nach Köln, Düsseldorf und Münster zu den Städten „mit dem absolut gesehen höchsten Bodenwertniveau“, sagt Schmitz.

Unleugbar hat sich für Carolin Krause, Sozialdezernentin der Stadt, die Situation auf dem Bonner Wohnungsmarkt zugespitzt: „Steigende Preise und Mieten betreffen nicht mehr nur einkommensschwache Haushalte, sondern zunehmend auch Haushalte mit mittleren Einkommen.“

Bei der Frage, was sich gegen die Wohnraummisere tun lässt, bleibt nach Aussage des Presseamtes der geförderte Wohnungsbau ein „unverzichtbares Instrument“. Um den Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt begegnen zu können, verfolgt die Stadt vor allem drei Wege: Neben einer verstärkten Zusammenarbeit mit dem kommunalen Wohnungsbauunternehmen Vebowag setzt man auf das Baulandmodell: „Der Rat der Stadt Bonn hat eine Mindestquote für geförderten Wohnungsbau beschlossen“, erklärt Presseamtsmitarbeiter Schmitz: „Bei der Schaffung neuen Planungsrechtes oder sonstigem Planungserfordernis ist jeder Investor verpflichtet, einen bestimmten Anteil geförderter Wohneinheiten zu errichten.“ Auch die Ausweisung von Bauland stehe drittens auf der Agenda.

Da es aber gerade an Bauland in Bonn mangelt, will sich die Verwaltung Möglichkeiten eröffnen, zusammen mit Kommunen aus der Region Bauflächen zu erschließen. Bei Gewerbegebieten wird das Verfahren bereits praktiziert. „Die interkommunale Zusammenarbeit zur Entwicklung von Wohnbauland hat in der Region durch den Regionalen Arbeitskreis Entwicklung, Planung und Verkehr (:rak) eine lange Tradition“, so Schmitz.

Der 1991 gegründete :rak des Rhein-Sieg-Kreises, der Bundesstadt Bonn und des Kreises Ahrweiler sei eine freiwillige Kooperationsform, in der sich die beiden Kreise und alle 28 Städte, Gemeinden und Verbandsgemeinden der Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler in Aufgabenfeldern der räumlichen Planung einbringen würden: „Ziel ist es, mit dem Instrument der freiwilligen Kooperation die nachhaltige Raumentwicklung in der Region zu fördern und auf die sich immer rascher ändernden gesellschaftlichen Anforderungen reagieren zu können“. In diesem Rahmen sei auch ein regionales Handlungskonzept Wohnen 2020 erstellt worden.

Bauvorhaben sind komplexer geworden

Zudem verweist das Presseamt auf das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt „Nachhaltige Entwicklung durch interkommunales Landmanagement (NEILA)“, dass im Herbst starten soll: „Mit Hilfe des Projektes NEILA soll ein interkommunales Siedlungsentwicklungskonzept und ein interkommunales Lasten-Nutzen-Ausgleichssystem entwickelt werden“, erklärt Markus Schmitz. Auch für Mieterbund-Experte Schönfeldt kann es keine Frage geben: „Die Zukunft der Stadt liegt auf dem Land.“

Ein weiteres Mittel, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, unterstreicht Stadtbaurat Helmut Wiesner: „Wir wollen die bauliche Nachverdichtung in Bonn aktiv gestalten und schaffen hierfür die notwendigen Voraussetzungen. Dabei wird es wichtig sein, eine angemessene Verdichtung vorzunehmen, die auch unter Berücksichtigung stadtökologischer Aspekte die hohe Wohnqualität Bonns sichert.“

Lässt sich die Situation zudem durch eine beschleunigte Bearbeitung von Bauanträgen verbessern, die aus Sicht von Investoren zu lange dauert? Dazu sagt das Presseamt: „Die Bearbeitungszeiten von Bauanträgen sind generell länger geworden“, so Markus Schmitz. Dies sei jedoch kein Bonner Problem, sondern liege vor allem daran, „dass sowohl die Bauvorhaben und auch die Verfahren deutlich komplexer geworden sind“.

Helmut Hergarten, Hauptgeschäftsführer von Haus und Grund Bonn/Rhein-Sieg, sieht keinen Grund, das Bauamt zu kritisieren: „Die viel zu wenigen Mitarbeiter tun das, was sie können. Sie werden durch Bebauungspläne, die nicht mehr in die Zeit passen, ebenso behindert wie durch Politiker als auch den Bürgerbund, die in Bonn nichts verändern wollen.“ Allerdings kritisiert Hergarten, dass es in Bonn Tradition sei, nicht hoch zu bauen: „Von dieser Tradition müssen wir uns jetzt verabschieden.“ Auch scheue er sich nicht vor der Hochhausdiskussion. Hergarten betont auch: „ Bonn kann bei allergrößter Mühe das Wohnungsproblem nicht selbst lösen. Der Kreis, konkret aber die Kommunen, müssen helfen.“

Weitere Infos: www.bonner-immobilienmesse.de

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