Maya-Kodex beschert Dresden Besucheransturm

Dresden.  Er ist aus Feigenbaumrinde und acht Jahrhunderte alt: Der Dresdner Kodex ist eine von drei originalen Maya-Schriften, die den Kalender des Indianervolks enthält. Aus aktuellem Anlass drängen sich nun Tausende durch die Schatzkammer der Bibliothek.
Glück gehabt: Sollte die Welt am 22. Dezember noch stehen, können Besucher auch weiterhin den Maya-Kodex von Dresden besichtigen. Foto: Matthias Hiekel
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Glück gehabt: Sollte die Welt am 22. Dezember noch stehen, können Besucher auch weiterhin den Maya-Kodex von Dresden besichtigen. Foto: Matthias Hiekel Foto: DPA

Ihr Maya-Kodex hat der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) wegen der Weltuntergangs-Prophezeiungen einen einzigartigen Besucheransturm beschert. "So etwas haben wir noch nicht erlebt und werden es wohl auch nicht wieder erleben", sagte Bibliothekssprecherin Katrin Matteschk. Da der Maya-Kalender am 21. Dezember 2012 endet, gibt es die Theorie, dass an jenem Tag die Welt untergeht.

Das weltweite Interesse an der etwa 800 Jahre alten Handschrift sei ungebrochen - und nehme wenige Tage vor dem vermeintlichen Weltuntergangstermin am 21. Dezember 2012 noch zu. "Jetzt kommen all die Besucher, die Angst haben, dass der Kodex dann nicht mehr zu sehen ist", sagte Matteschk. Allerdings will die Bibliothek in Dresden ihr nach eigenen Angaben wertvollstes Stück auch danach noch in der Schatzkammer zeigen.

In den Augen der Maya endet am 21. Dezember allerdings nur ein 400-jähriger Zyklus der Maya-Zeitrechnung, worauf ein nächster folgt - betonte der Professor für Altamerikanistik an der Universität Bonn, Nikolai Grube. Eine konkrete Prophezeiung für ein angekündigtes Weltende, wie es von Esoterikern vorhergesagt wird, gebe es nicht.

Zur Ausstellung "Weltuntergang 2012?" kamen rund 7000 Besucher, rund 800 Führungen durch die Schatzkammer und das Buchmuseum mussten die Mitarbeiter stemmen - und damit doppelt so viele wie normalerweise. Unter den Besuchern waren auch viele Nachfahren der Maya aus Guatemala oder Mexiko. "Die Einträge in das Gästebuch zeigen, dass viele sehr berührt waren", sagte Katrin Matteschk.

Der "Codex Dresdensis" lagert in der Schatzkammer der Dresdner Bibliothek und besteht aus 39 ursprünglich als Leporello gefalteten Blättern aus Feigenbaumrinde, die zusammen rund 3,50 Meter lang sind. Der Kodex ist nach Bibliotheksangaben eines der bedeutendsten schriftlichen Zeugnisse der vorspanischen Zeit in Amerika. Die im 13. Jahrhundert entstandene Dresdner Maya-Handschrift gilt als älteste der drei weltweit erhaltenen Maya-Kodices - und dazu als weltweit einzige Handschrift der Maya, die noch im Original zu sehen ist.

Mit Theateraufführungen, Diskussionsrunden und Konzerten feiert Dresden am 21. Dezember in den vermeintlichen Weltuntergang. So diskutiert in der SLUB unter anderem der Philosoph Peter Sloterdijk über das Thema "Apokalypse". Im Anschluss begrüßen die Dresdner Sinfoniker das neue Zeitalter der Maya mit einem "Konzert zum Ende der Zeit", Maya-Sängerin Sara Curuchich wird live aus Mexiko zugeschaltet. Eine Überlebensparty beendet das Spektakel. Auch das Tanztheater Derevo widmet sich in seinem neuen Stück "Die Fünfte Sonne" dem Weltuntergang - Uraufführung ist am 20. Dezember.

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