Russland: Die Landschaft zieht gemächlich vorbei | GA-Bonn

Russland: Die Landschaft zieht gemächlich vorbei

Von Moskau nach Sankt Petersburg auf einer elftägigen Flusskreuzfahrt

<b>Moskau </b>- Neues Jungfrauen-Kloster Foto: Hans-Dieter Weber

Der Rote Platz in der Hauptstadt und der weite Himmel über Karelien, ärmliche Holzhütten und das Gold der Zarenzeit, Luxusautos und Industrieruinen – die Eindrücke, die 55 GA-Leser bei einer elftägigen Flusskreuzfahrt von Moskau nach Sankt Petersburg sammelten, sind ebenso faszinierend wie widersprüchlich.

Fast 2.000 Kilometer haben sie mit der MS Nikolay Bauman zurückgelegt, auf Flüssen, Kanälen und großen Seen. Sie haben Metropolen gesehen und dünn besiedelte Landschaften – und dabei nur einen kleinen Teil des russischen Riesenreiches erkundet. Und doch genug, um viel über Land und Leute, Historie und Gegenwart zu erfahren.

Ausgangspunkt der Reise war Moskau. Wer die Stadt schon einmal vor 20 oder mehr Jahren besucht hat, wird sie kaum wiedererkennen. Sicher, es gibt sie noch, die sozialistische Protz-Architektur wie etwa die der Lomonossow- Universität. Und die tristen Wohnblöcke aus der Chruschtschow-Ära.

Aber es wird überall gebaut, renoviert und restauriert. In einem auf Neu-Russisch „City“ genannten Innenstadt-Areal schießen die Wolkenkratzer gleich im Dutzend in die Höhe. Und die Stadt droht im Autoverkehr zu ersticken.

So manche Metro-Station, geschmückt mit Marmor und Mosaiken, Kandelabern und "revolutionärer“ Kunst, gehört unbedingt zum Besichtigungsprogramm der in- und ausländischen Touristen. Wie natürlich auch der autofreie Rote Platz und der benachbarte Kreml mit seinen in der Sonne glänzenden goldenen Kuppeln der Kirchen, Kathedralen und Glockentürme.

Oder jenseits des Roten Platzes das Kaufhaus Gum, mittlerweile eine Kathedrale des gehobenen bis exklusiven Konsums. Eine Rentnerin mit gerade mal umgerechnet 60 Euro Monatsrente wird hier sicherlich nicht einkaufen wollen und können.

Dass es nicht nur in Moskau, sondern auch anderswo einen Kreml gibt, erfuhren die Russland-Reisenden, nachdem ihr Schiff schließlich den Anker gelichtet und Richtung Norden aufgebrochen war. Schließlich heißt Kreml nichts anderes als „Festung“, und solche Festungen, die meist auch Kirchen und Klöster umfassen, fanden sich, wenn auch weniger prunkvoll, in Städten wie Uglitsch oder Jaroslawl.

An Bord genossen die Passagiere die Vorzüge einer Flusskreuzfahrt in vollen Zügen. Ob unterwegs auf Flüssen wie Wolga, Swir oder Newa, ob auf Kanälen wie dem Wolga-Ostsee-Kanal oder Stauseen (Rybinsk) und natürlichen Seen (Weißer See).

Die Landschaft zieht gemächlich vorbei. Wälder, soweit das Auge blickt, Sumpflandschaften, ab und an ein Dorf mit bunten Holzhäusern und Kirchen mit ihren typischen Zwiebeltürmchen. Nur auf dem Onegasee und dem Ladogasee (Europas größter Süßwassersee, halb so groß wie die Schweiz) war zeitweise kein Land mehr in Sicht – wie auf einer Hochseekreuzfahrt.

Für weitere Abwechslung sorgten immer wieder Schleusen. Landausflüge führten nach Kirillow zu einer der ältesten russischen Klosteranlagen, die sich teilweise leider in einem erbärmlichen baulichen Zustand befindet. Oder auf die Kishi-Insel im nördlichen Teil des Onegasees mit ihrem Museumsdorf.

Der Schlusspunkt der Reise war sicherlich für die meisten auch der Höhepunkt: die Zaren-Hauptstadt Sankt Petersburg. Die Stadt präsentiert sich heute wieder fast im alten Glanz, nicht nur mit dem Winterpalais, das als „Eremitage“ eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt beherbergt.

Mit welcher Pracht und welchem Luxus sich Zaren und Zarinnen zu ihrer Zeit umgeben haben, zeigten auch bei schönstem Sommerwetter die Ausflüge in die Umgebung der Stadt, etwa zur Sommerresidenz Peterhof am Finnischen Meerbusen mit ihren zauberhaften Parks und Wasserspielen oder zum Katharinenpalast mit seinem weltberühmten Bernsteinzimmer.

Weitere Infos

Hier finden Sie Reise-Fotos. Infos zu Leserreisen des General-Anzeigers bekommen Sie in allen Zweigstellen sowie unter der Rufnummer (02 28) 66 88 669 und hier.

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