Im tosenden Wind

Ein Winterbesuch auf der Insel Fehmarn

25.01.2018 Fehmarn. Hoch im Norden Deutschlands liegt die Insel Fehmarn - im Winter ist es dort recht einsam. Nur wenigen Touristen begegnet man. Trotzdem ist einiges los, vor allem im Hauptort Burg. Und auf dem Wasser.

Wenn Moritz Reitemeier sein Auto packt, dann hat er im Winter viel zu tun. Bretter, Kites, ein warmer Neoprenanzug - und das ist noch nicht alles. "Haube, Handschuhe, am besten auch Schuhe - bei kalten Temperaturen ist das alles etwas aufwendiger", sagt der 23-jährige Kitesurfer.

"Wir haben hier den riesigen Vorteil, dass der Wind aus allen Richtungen kommen kann - und wir immer aufs Wasser können", sagt der junge Mann aus Wuppertal, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat und bei einem der weltweit führenden Kite-Hersteller auf der Insel Fehmarn arbeitet. Am liebsten ist ihm ein strammer Wind aus Nordwesten, dann fährt er in den Norden der Insel, nach Altenteil. "Da kann man sich richtig austoben", sagt er. Insgesamt gibt es auf der Insel in der Ostsee 17 Spots, von Stellen, an denen man noch im Wasser stehen kann, bis hin zu Revieren für Fortgeschrittene.

Mathias Krause ist der Chef von Haff und Huk, einem Verein, der sich um das Naturschutzgebiet Nördliche Seeniederung kümmert - eines von vier auf Fehmarn. Einen Aussichtsturm haben die Vereinsmitglieder gebaut, von dem aus man auf die Vogelfluglinie schauen kann. Dort setzen auch im Winter die Fähren im Halbstundentakt von Puttgarden nach Rødby über.

Kormorane und Eiderenten, die riesigen Mantelmöwen und zahlreiche andere Vögel schwimmen hier im Winter in aller Ruhe in der Ostsee. "Auch die Zugvögel machen auf ihrem Weg in den Süden Halt", erzählt Krause, der hauptberuflich Schäfer auf der Insel ist und seine Herden mit rund 500 Muttertieren nun im Stall hat. Gibt es oft Ärger mit den Kitern? "Nein", sagt Krause, sie beachten überwiegend die Naturschutzgebiete.

Wer mit dem Brett und dem bunten Schirm klarkommt, kann jederzeit überall aufs Wasser. Nur eine Kiteschule zu finden, wird im Winterhalbjahr etwas schwierig - denn die meisten machen mindestens von November bis Februar zu. Und nicht nur die: Auch zahlreiche Restaurants, die Campingplätze und andere Ausflugsziele sind in den kalten Monaten geschlossen. So konzentriert sich im Winter fast alles auf den Hauptort Burg.

Dort allerdings können die Besucher genauso bummeln und einkehren wie im Sommer. Sogar die eine oder andere Eisdiele hat offen und macht täglich frisches Eis - wenn auch die Sorten wie Zimt oder Marzipan eher winterlich anmuten. Andernorts steht Grünkohl auf der Speisekarte, mit Kassler, Kohlwurst und Kartoffeln - norddeutscher wird's nicht bei kalten Temperaturen.

Am Südstrand, an der Steilküste im Südosten und in Orth hat man im Winter viel Platz, um spazieren zu gehen und sich den kalten Wind um die Ohren wehen zu lassen. Allerdings: Allzu viel Zeit bleibt nicht. Denn um halb vier ist es dunkel. Und die Sonne geht in der Früh nicht vor halb neun auf. Im Sommerhalbjahr ist es dann genau anders herum, da ist es auf der Insel besonders lang hell. "Fehmarn gehört zu den sonnenreichsten Regionen in Deutschland, die Sonne geht erst sehr spät unter", sagt Krause. (dpa)