Weltkulturerbe im Dornröschenschlaf - Cáceres erwacht

Cáceres.  Cáceres gehört bei deutschen Touristen nicht zu den Lieblingszielen in Spanien. Zu Unrecht: Die verträumte Provinzhauptstadt der Extremadura ist Weltkulturerbe und überrascht seit neustem auch mit interessanten Initiativen.
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Die Altstadt von Cáceres gilt als ausgesprochen schön - an Kulturdenkmälern herrscht hier kein Mangel. Foto: Manuel Meyer
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Die Altstadt von Cáceres gilt als ausgesprochen schön - an Kulturdenkmälern herrscht hier kein Mangel. Foto: Manuel Meyer Foto: DPA

Die Römer hinterließen die Fundamente, die Araber Stadtmauern und Zisternen, spanische Adelsfamilien unzählige Paläste. Die Altstadt von Cáceres ist eines der schönsten und besterhaltenen Kulturdenkmäler Spaniens. Doch bisher wissen das die wenigsten. Jahrzehntelang war in dem Städtchen im Herzen Spaniens touristisch wenig los. Selbst die Ernennung zum Unesco-Weltkulturerbe 1986 änderte wenig daran. Seitdem wurden Straßen, Plätze und Paläste restauriert - die Urlaubermassen blieben dennoch aus. Nun wecken Kultur- und Tourismusinitiativen die Stadt aus ihrem Dornröschenschlaf.

Die in Madrid lebende deutsche Galeristin Helga de Alvear ist daran beteiligt, dass die Provinzhauptstadt der Extremadura bekannter wird. 2010 eröffnete sie in Cáceres mit einem Teil ihrer Kunstsammlung das Kunstzentrum Centro de Artes Visuales - Fundación Helga de Alvear. Bestanden die kulturellen Schätze der Stadt bisher vor allem aus alten Steinen, gesellen sich dank der Galeristin nun auch Werke bekannter Künstler wie Pablo Picasso oder Ai Weiwei dazu.

Die Kunstsammlerin ist nicht die erste, die mit hochkarätiger Kunst den Tourismus in Cáceres ankurbelt. Bereits 1994 renovierte die Regionalregierung das Museo Vostell in Malpartida de Cáceres vor den Toren der Stadt. Im Museum und im angrenzenden Park werden ungewöhnliche Installationen des deutschen Künstlers Wolf Vostell gezeigt, der hier lebte, aber auch Werke von Antonio Saura oder Salvador Dalí.

Schon 2006 eröffnete die Stiftung Mercedes Calles y Carlos Ballestero den Palacio de los Becerra. Seitdem gibt es für Besucher nicht nur die einzigartige Gelegenheit, einen der zahlreichen Stadtpaläste von innen zu bewundern. Auf den beiden oberen Etagen werden auch Kunstausstellungen gezeigt, die eher in weltberühmten Museen wie dem Prado zu erwarten wären. So lockte die Stiftung bereits Zigtausende Kunstfans aus ganz Spanien mit Ausstellungen über Murillo, Rembrandt oder Andy Warhol nach Cáceres.

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Galerien in Cáceres eröffnet. In den Straßencafés beleben Schriftsteller der Autoren-Gruppe Rumor Visual mit Lesungen das Kulturangebot. Viele Restaurants wie das "Madruelo" oder das neue Hotel "Atrio Relais & Chateau" mit seinem 2-Sterne Restaurant locken mit moderner Experimentalküche auf Basis regionaler Produkte.

Vor zwei Jahren haben Dutzende Schauspieler gemeinsam mit Reiseleitern in Cáceres Alternativen zu den traditionellen Stadtführungen ins Leben gerufen: Einer von ihnen ist Vicente Rodríguez. Verkleidet wie ein mittelalterlicher Geschichtenerzähler führt er die Besuchergruppe von der Plaza Mayor durch das Stadttor Arco de la Estrella in das Labyrinth der Altstadtgassen.

Vicente erzählt an der dicken maurischen Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert mit ihrem mächtigen Bujaco-Festungsturm von den Kämpfen zwischen Arabern und Christen. Vor einigen der rund 40 mittelalterlichen Renaissancepalästen berichtet er von den blutigen Fehden während des Spanischen Thronfolgekriegs oder wie im 15. Jahrhundert Isabella I. von Kastilien nach ihrem Sieg die Festungstürme aller Adeligen abreißen ließ, die ihre Widersacherin Johanna von Kastilien unterstützten.

Vicente führt die Besucher aber auch in die Gassen des alten Judenviertels mit seiner San-Antonio-Kirche, einer früheren Synagoge. In Cáceres steckt hinter jedem Stein eine Geschichte - selbst viele Spanier entdecken das erst heute.

Informationen:

Fremdenverkehrsamt Cáceres, Plaza Mayor 3, 1003 Cáceres, Tel.: 0034/9/27 01 08 34, und im Internet auf turismo.ayto-caceres.es.

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