Präparierter Eisbär - Knut macht es sich im Museum gemütlich

Berlin.  Gnadenlose Vermarktung oder emotionales Wiedersehen? Eisbär Knut ist jetzt im Museum zu sehen: Der Eisbär wurde präpariert. Die Meinungen darüber gehen auseinander.
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Süß wie eh und je: Die Plastik von Eisbär Knut im Berliner Museum für Naturkunde. Foto: Rainer Jensen
											Foto: DPA

Süß wie eh und je: Die Plastik von Eisbär Knut im Berliner Museum für Naturkunde. Foto: Rainer Jensen Foto: DPA

Knut hat die Vorderpfoten ganz bequem auf einem kleinen Felsen abgelegt. Der Eisbär sieht zufrieden aus, die Ohren stehen noch immer leicht ab. Diese Position sei typisch für ihn, meint Zoo-Tierarzt André Schüle, der Knut noch zu Lebzeiten kannte. Seit März 2011 ist der frühere Publikumsliebling im Berliner Zoo tot. Am Freitag (15. Februar) wurde ein Präparat des Bären im Museum für Naturkunde enthüllt. "Ein neues Meisterwerk", nannte der Generaldirektor des Museums, Johannes Vogel, die Plastik.

Knut ist nicht im klassischen Sinne - also mit Stroh - ausgestopft. "Um gerade die Muskeln, die Feinheiten des Gesichts, um all dieses darzustellen, ist Stroh viel zu grob. Dafür nimmt man heute Schaum", erklärt Vogel. Darüber wurde Knuts echtes, weiß-gelbes Fell gezogen. Es wurde gegerbt - und somit für sehr lange Zeit haltbar gemacht.

Immer wieder hatten Knut-Fans und Tierschützer das Vorhaben kritisiert, den Bären auf diese Art zu verewigen. "Als Knut starb, gab es eine große emotionale Welle", sagt Vogel. Das Museum habe sich gemeinsam mit dem Zoo dazu entschieden, den Eisbären als wissenschaftliches Phänomen zu behandeln. Deswegen hätten einige Knut-Anhänger sogar Drohbriefe geschrieben. Andere hätten sich sehr auf ein Wiedersehen mit ihrem Liebling gefreut. "Dass wir jetzt unsere Dermoplastik hier zeigen, ist unser Beitrag, über dieses Phänomen Knut mit der Gesellschaft zu reden", sagt Vogel.

Heftige Kritik kommt von der Tierschutzorganisation Peta. Man sei "nicht überrascht von dem geschmacklosen Verhalten des Berliner Zoos, Knuts Fell für das Anfertigen einer Skulptur herzugeben", heißt es in einer Stellungnahme. Schon zu Lebzeiten habe der Zoo seinen Star gnadenlos vermarktet. Museumsdirektor Vogel bestreitet das: "Jeder der hier hinkommt in den nächsten vier Wochen kann Knut sehen, bewundern, bestaunen, beweinen, belachen - ohne Eintritt zahlen zu müssen."

Knut ist zunächst für nur einen Monat im Foyer des Museums zu sehen. Danach kommt er in die wissenschaftlichen Sammlungen - abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Frühestens 2014, nach Abschluss von Bauarbeiten, sollen Besucher ihn wieder anschauen können.

Neuer Eisbären-Nachwuchs sei im Zoo erst einmal nicht geplant, sagt Tierarzt Schüle. Auch Gabriele Thöne, Vorstand des Berliner Zoos, ist zur Enthüllung gekommen. Die Herzen des Zoo-Teams seien noch immer schwer, erzählt sie. Die Plastik gefalle ihr. "Aber natürlich ist es nicht der lebendige Knut."

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