Schluss mit der Trolley-Flut im Billigflieger

Ryanair verschärft seine Handgepäckregeln

Handgepäck mit an die Bord nehmen dürfen künftig nur noch Ryanair-Fluggäste mit "Priority Boarding"-Zugang.

Handgepäck mit an die Bord nehmen dürfen künftig nur noch Ryanair-Fluggäste mit "Priority Boarding"-Zugang.

Bonn/Dublin. Ryanair-Passagiere mit großem Handgepäck müssen sich ab diesen Montag auf neue Regeln einstellen. Damit will der irische Billigflieger der Trolley-Flut Herr werden. Was Fluggäste nun beachten müssen.

Die Szenen wiederholten sich auch am Flughafen Köln/Bonn fast täglich: Vor dem Boarding verteilen Mitarbeiter des Bodenpersonals an Passagiere des Billigfliegers Ryanair kleine gelbe Zettel, mit denen aus deren Handgepäcksstücken wieder Frachtraum-Gepäckstücke wurden. Der Grund: Zu viele Fluggäste der irischen Airline wollten Trolleys oder Taschen mit in die Flugkabine nehmen - doch der Platz reichte einfach nicht aus.

Und so wurde in der jüngsten Vergangenheit schlicht abgezählt: Bei 90 Handgepäcksstücken war Schluss. Jedes weitere musste beim Einsteigen abgegeben werden und landete sehr zum Ärger vieler Passagiere doch im Bauch der Fliegers.

Hausgemachtes Problem mit zu viel Handgepäck

Dabei war das Problem hausgemacht: Denn jahrelang hatte die Fluggesellschaft ihre Kunden mit hohen Gebühren davon abgehalten, Reisegepäck am Schalter aufzugeben. Das sparte Zeit und Geld. Viele Reisende dachten schließlich um und setzten beispielsweise beim Flug in den Urlaub nach Mallorca oder zum Citytrip nach London tatsächlich nur noch aufs Handgepäck, was jedoch zu erheblichen Problemen sorgte.

Denn wenn jeder der bis zu 189 Passagiere einen kleinen Rollkoffer mit an Bord nehmen will, gibt es ein echtes Platzproblem. In den Gepäckfächern einer Boeing 737-800, wie sie Ryanair einsetzt, finden dem Flugzeugbauer zufolge gerade einmal 118 Bordtrolleys Platz. Der Billigflieger rechnete bisher sogar noch knapper und machte bei 90 Schluss. Die Folge waren die mitunter heftigen Diskussionen am Gate, wenn die Kunden ihre Koffer abgeben mussten. 

Ryanair vollzieht die Rolle rückwärts

Nun vollzieht Ryanair eine Rolle rückwärts und versucht der Sache mit neuen Regeln Herr zu werden. So ist ab Montag (15. Januar) die Mitnahme von zwei Handgepäckstücken zwar weiterhin kostenlos. Das größere - üblicherweise ein Standard-Kabinen-Rollkoffer - darf aber generell nur noch mit in die Kabine nehmen, wer den Aufpreis von mindestens fünf Euro für das "Priority Boarding" bezahlt hat. Die übrigen Passagiere müssen ihr größtes Handgepäckstück nun immer am Gate abgeben. Es wird dann kostenlos im Frachtraum des Flugzeugs befördert.

Die Neuregelung soll Verzögerungen vermeiden und die Abflüge pünktlicher machen. Zudem senkt Ryanair die Gebühren für aufgegebenes Gepäck und erhöht das erlaubte Gewicht pro Koffer. So kostet der aufgegebene Koffer nicht mehr 35, sondern nur noch 25 Euro. Und künftig sind 20 statt bisher 15 Kilogramm als Standard möglich. "Wir hoffen, dass all unsere Kunden die neuen Gepäckbestimmungen begrüßen", sagte Ryanair-Marketingchef Robin Kiely.

XXL-Gepäckfächer als Lösung

Vielflieger wissen: Ryanair steht mit dem Dilemma nicht allein da. Ob Easyjet, Lufthansa oder Air France: Sie alle bieten heute im billigsten Tarif nur Handgepäck an - und viele Fluggäste nutzen das. Trotzdem sieht die Lufthansa in ihrem Geschäft "unter dem Strich kein allzu großes Problem" mit der Trolley-Flut, wie eine Sprecherin erklärte. Im Zweifel sprächen die Mitarbeiter die Passagiere an, ob sie ihren Koffer in den Frachtraum geben möchten. Auch Easyjet findet diese Praxis am kundenfreundlichsten.

Eine Lösung könnten größere Gepäckfächer sein. Viele Airlines haben bei den Herstellern bereits danach gefragt. Doch bis die XXL-Fächer tatsächlich in allen Fliegern eingebaut sind, kann sicher noch einige Zeit vergehen. Bis dahin werden die Airlines versuchen, mit neuen Regeln der Trolley-Flut Herr zu werden - oder müssen mit dem Gedränge im Flieger um den knappen Platz leben.

(Mit Material von dpa)