Rafting in Eitorf

Wilder Ritt auf seichter Sieg

Eitorf. Die Sommertour von General-Anzeiger und Radio Bonn/Rhein-Sieg macht heute Halt in Eitorf. Bei einer Raftingtour auf der Sieg lernt Volontär Sebastian Fink, dass auch eine Fahrt im Schlauchboot auf dem ruhigen Fluss ihren Charme hat. Nass wird er trotzdem.

Es herrscht eine idyllische Ruhe, ein paar Vögel zwitschern, das Wasser der Sieg plätschert leise vor sich hin. Der Blick vom Campingplatz Happach kurz hinter Eitorf-Bach geht unweigerlich ins Grüne. Saftige Wiesen und bewachsene Hügel des Siegtals umgeben den Platz, in der Luft liegt der Duft von frisch gegrilltem Fleisch und soeben gemähtem Rasen. Doch ein plötzliches mechanisches Dröhnen zerreist die Behaglichkeit. Ein Laubbläser pustet einen großen Plastiksack auf, schnell werden die Konturen eines Schlauchboots, eines Wildwasser-Rafts, sichtbar. Am Ende des Laubbläsers steht Lars Bredthauer, mit ihm zusammen geht es heute auf Raftingtour.

"Die Sieg ist sicherlich nicht mit einem Wildwasserfluss zu vergleichen, aber etwas Action bietet sie trotzdem an einigen Stellen", sagt der erfahrene Paddler. Für mich ist es nicht das erste Mal in einem Raft. Vor einigen Jahren in Südfrankreich saß ich schon einmal in so einem Boot, paddelte durch Stromschnellen den Bergfluss hinab. In der Tat: Die Sieg wirkt auf den ersten Blick nicht ganz so abenteuerlustig. Weniger Spaß bietet sie aber keinesfalls.

"Wir müssen gemeinsam paddeln. Hört auf mein Kommando"

Schon vor dem Eintritt in das rot-schwarze Boot wird klar: Bredthauer weiß, wie er für Abwechslung sorgen kann. Zusammen mit seiner Frau Sabine und dem siebenjährigen Sohn Moritz gibt er eine kurze Einführung in die anstehende Tour auf der Sieg, ein kleines Spiel mit dem Paddel lockert die Stimmung in der Truppe auf. Neben mir steigen noch sieben weitere Personen mit ins Boot, darunter auch Radio-Bonn/Rhein-Sieg-Reporter Stephan Kern. Die oberste Regel gibt Bredthauer, der seit nunmehr 15 Jahren solche Touren auf dem Wasser organisiert, sofort zum Start aus: "Wir müssen gemeinsam paddeln. Hört auf mein Kommando, nur so kann ich das Boot steuern", sagt er.

Den kurzen, wackligen Moment beim Einstieg in das Boot überwunden, nehme ich meinen Platz auf dem Seitenrand des Rafts ein. Und dann wird gepaddelt - bis auf Kern, der sich in diesen Momenten eher mit der Technik beschäftigt. "Ich muss halt aufpassen, dass mein Mikro nicht nass wird", erklärt er. Also gut, müssen wir halt für ihn mitarbeiten. Die rechte Hand am Knauf, die linke am Schaft steche ich das Paddel in die Sieg.

In diesen Tagen führt der Fluss nur wenig Wasser, die Strömung ist an vielen Stellen gering. Da ist ein wenig Abwechslung schon hilfreich. Darum kümmert sich zunächst Sebastian Handke. Der Gitarrist nimmt an der Spitze des Boots Platz und fängt an zu spielen. Bredthauer nimmt ihn öfter mit auf solche Touren. Ein Gitarrist an Bord eines Schlauchbootes ist ein eher ungewöhnlicher Anblick - auch für die Camper am Flussufer. "Es macht mir unglaublich viel Spaß, auf dem Boot zu spielen und zu singen. Ich muss halt nur sehen, dass ich nicht ins Wasser falle", sagt Handke. Das ist auch mein Ziel, erreichen werde ich es nicht. "Wenn jetzt Sommer wär" von Pohlmann erklingt, was bei der Hitze nicht gerade passend erscheint. Das zweite Stück ist ein eigenes - "Um bei dir zu sein" heißt das Lied des Schlauchboot-Barden.

 

"Linke Seite vorwärts paddeln, rechte rückwärts"

Wenige Minuten später legt Handke die Gitarre weg und packt sein Paddel. Jetzt wird die Sieg schneller, unter einer rostigen Eisenbahnbrücke werden die ersten Stromschnellen sichtbar - der spannungsgeladene Amateur nennt sie so, der Experte sagt nüchtern "Siegschwall" dazu. Und trotzdem, plötzlich nimmt das Boot Fahrt auf, von hinten kommt das klare Kommando "Paddeln!". Das Raft wird einmal kurz in die Höhe gestoßen und taucht mit der Nase gleich wieder in die Tiefe. Nach wenigen Sekunden ist der Adrenalinstoß vorbei und das Boot befindet sich wieder in ruhigerem Fahrwasser. Der eigentliche Spaß beginnt aber erst jetzt.

Der Fluss hat plötzlich eine Tiefe von mehr als drei Metern erreicht. Für Bredthauer am Ende des Boots die Gelegenheit, wieder als Animateur tätig zu werden. Schlauchboot-Rodeo steht auf dem Programm, ich darf es gleich zu Beginn ausprobieren. Mit meinem Paddel als Stütze klettere ich auf die Spitze des Gefährts, lasse das Paddel wieder ins Boot fallen und stehe jetzt - schon sehr wacklig - auf dem Plastikrand des Rafts. Und dann kommt das Signal von Bredthauer: "Linke Seite vorwärts paddeln, rechte rückwärts". Und die Meute, die mich nur im Wasser sehen will, paddelt drauf los, das Boot dreht sich um die eigene Achse und nach einer halben Umdrehung habe ich keine Chance: Ich falle rücklings in die Sieg.

Ein lautes Platschen, dann ein kurzer Moment der Stille. Ich tauche wieder auf, komplett durchnässt und nach Luft ringend. Zwar ist das Wasser nicht so kalt wie erwartet, trotzdem muss ich diesen ersten Moment überwinden. Das Boot hat sich schnell ein paar Meter entfernt - nicht, weil mich die Insassen zurücklassen wollten und weitergepaddelt sind, sondern weil die Strömung, die auf den ersten Blick so harmlos erscheint, mich vom Boot wegtreibt.

"Hier fällt keiner einfach in die Sieg"

Dank tatkräftiger Unterstützung schaffe ich es dann doch wieder ins Boot und darf direkt das nächste Spiel ausprobieren. Dieses Mal soll ich mich zusammen mit dem Kollegen Andreas Dyck aufstellen, beide auf den jeweils gegenüberliegenden Rand des Boots. "Jetzt verharkt die Knaufe eurer Paddel miteinander, haltet das Paddel fest und lasst euch nach hinten fallen", erklärt Bredthauer. Klingt einfach - funktioniert aber nur bei gutem Miteinander. In diesem Fall hat es eine ganz simple und schon bekannte Folge: Ich falle erneut ins Wasser. Macht ja nichts, war ja sowieso schon nass. Und die wichtige Erkenntnis lautet: Beim zweiten Mal ist das Wasser noch ein bisschen angenehmer.

Das Rafting auf der Sieg im Video

 

Fairerweise muss ich sagen, ich bin an diesem Tag natürlich nicht der Einzige, der über Bord geht. Bredthauer schafft es im Verlauf von nur wenigen Minuten, jeden einmal ins Wasser zu bringen. Auch Kern muss schwimmen - wenn auch freiwillig. Mit einem spektakulären Rückwärtssalto verabschiedet sich der Radioreporter, jetzt ohne Mikro, ins Wasser. "Natürlich gehen nur die ins Wasser, die auch wollen. Unsere Boote können nicht umkippen. Hier fällt keiner einfach in die Sieg", sagt Bredthauer. Und trotzdem ist das Abtauchen ins kühle und saubere Nass eine willkommene Abwechslung.

Der letzte Sprung zeigt aber gleich wieder auf, dass die Sieg nicht zu unterschätzen ist. Ich lande in einer Strömung. Wieder treibe ich ab. Beim Versuch, entspannt ans Ufer zu schwimmen, muss ich viele zusätzliche Meter zurücklegen. "Die Sieg ist halt auch unglaublich gefährlich", ruft Bredthauer, als ich den trockenen Strand des Campingplatzes erreiche und nun wieder die Idylle um mich herum genießen kann.