Rundflug mit dem Gyrocopter

Unter uns die sieben Berge

SANKT AUGUSTIN. So weit oben und doch ganz nah: Beim Gyrocopter-Rundflug muss sich GA-Volontärin Katrin Puvogel erst kurz überwinden und genießt dann die Aussicht auf das Siebengebirge. Obwohl das Fluggerät offen ist, braucht sie dafür gar nicht so viel Mut.

Der kleine grüne Streifen rechts von mir ist ungefähr so breit wie mein Finger. Der Kopfhörer knackt, dann höre ich eine Stimme: "Rechts siehst du die Poppelsdorfer Allee!" Vorsichtig wage ich, mich etwas nach links zu lehnen, und rufe dem Piloten zu: "Robert! Links unten, da wohne ich!" Ich strecke meine Hand aus und deute auf ein Haus in der Bonner Südstadt, das von hier wie Spielzeug aussieht. Der Fahrtwind pfeift um meinen Arm und prompt wird mir wieder klar: Dieses Fluggerät ist wirklich rundum offen.

Auf dem Flughafen Bonn-Hangelar treffen wir Robert Krause und Uwe Pütz. Sie warten auf uns neben zwei knallorangefarbenen Gyrocoptern. Unweigerlich fühle ich mich an eine meiner Lieblingsgeschichten aus der Augsburger Puppenkiste erinnert: "Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt". Der Gyrocopter sieht aus wie eine Mix aus Hubschrauber und Motorrad. Mir ist etwas mulmig zumute. "Mit Gyrocopter-Flügen kann man Flugangst behandeln", sagt Uwe zu mir. Im Ernst? "Wir hatten schon über 1 000 Gäste und keinem ist schlecht geworden." Auch Robert ist überzeugt, dass mir der Flug Spaß machen wird.

Der Gyrocopter-Rundflug im Video

 

"Wir fliegen etwa 600 Meter über dem Boden", erklärt er, als wir uns den Gyrocopter aus der Nähe ansehen. "Wir haben heute perfektes Wetter für deinen ersten Flug", sagt Uwe. Das heißt: Sonne, wenig Wind, nicht zu heiß. "Oben wird es etwa vier Grad kühler sein", meint Pilot Robert und überreicht mir einen Ganzkörperanzug. Ich fühle mich ein bisschen wie bei "Topgun", auch wenn Radio Bonn/Rhein-Sieg-Kollege Chris Necke mich in dem etwas zu großen Anzug lieber mit einem "Michelinmännchen" vergleicht. Auch einen Helm bekomme ich, damit ich mich in der Luft mit Robert verständigen kann. Über Funk sprechen wir miteinander, denn zurufen kann man sich dort oben nichts: Weil der Gyrocopter offen ist, muss man als Passagier Ohrenschutz tragen, um sich vor den 61,8 Dezibel zu schützen.

Ausblick auf den Kölner Dom

Ehe ich mich versehe, rollen wir schon Richtung Startbahn. Ich kann zuhören, wie Robert die Informationen zur Starterlaubnis an den Tower durchgibt, verstehe allerdings kein Wort außer: "Golf-Oscar-Formation". Das sind wohl wir. Dann geht es los: Der Gyrocopter startet nicht senkrecht wie ein Hubschrauber, sondern eher wie ein Flugzeug. Als wir losrollen, spüre ich die Vibration der Fahrt über die Startbahn und höre das gleichmäßige Knattern des Heckpropellers. Dann, ganz sanft, hebt der Gyrocopter ab. Wir gewinnen sehr schnell an Höhe und schon nach wenigen Sekunden kann ich den Rhein glitzern sehen. Es knackt im Kopfhörer: "Wenn du nach rechts schaust, kannst du den Kölner Dom sehen", sagt Robert. Ich bin völlig baff und vergesse, dass wir schon Hunderte Meter über dem Boden sind. Das Fliegen fühlt sich etwa so an wie Motorrad fahren in der Luft, die frische Luft ist zu spüren, aber dass wir mit 110 Stundenkilometer unterwegs sind, kann ich nicht so recht glauben.

"Schau mal nach rechts unten", rauscht es im Kopfhörer, "da sind die anderen." Mein GA-Kollege Andreas Dyck und Uwe Pütz sind im zweiten Gyrocopter viele Meter unter uns. "Die sind schwerer", sagt Robert zu mir und lacht. Bis zu vier Kilometer kann der Gyrocopter in die Luft steigen.

 

Über der Nordbrücke warten wir auf die beiden, Robert fliegt eine kleine Runde und ich genieße die Aussicht. Dann geht es über die Südstadt und den Rhein in Richtung Siebengebirge. Denn ich will unbedingt einmal um den Drachenfels fliegen. Über Funk können wir mit den anderen beiden sprechen, die mittlerweile auch unsere Flughöhe erreicht haben. Die Piloten bleiben so dauerhaft in Kontakt und können genau absprechen, wohin es als nächstes geht. Nur wenn man sich sehr gut kenne, seien solche Tandemflüge möglich, betonen sie. Zwar kommen beide aus Köln, kennen gelernt haben sich Robert und Uwe aber in Hildesheim. Dort gab es die erste Flugschule für Gyrocopter. Seit 2009 fliegen sie zusammen, aus dem Hobby ist mittlerweile ein Zweitjob geworden. Im "wahren" Leben ist Robert übrigens Dachdecker. "Ich muss immer nach oben", sagt er und schmunzelt.

 

Das Siebengebirge ist mir am Boden durchaus bekannt, aus der Luft entfaltet es aber eine ganz besondere Schönheit. Der dunkelgrüne Wald zeichnet sich zwischen den gelben Feldern und dem bläulich-glitzernden Rhein ab. Der Petersberg ist nicht nur ein weit entfernter Punkt, und obwohl wir recht weit davon entfernt sind, kann ich alles sehr genau sehen. Mir wird klar, warum Gyrocopter zum Beispiel auch gerne von Immobilienmaklern gebucht werden, um mit Profifotografen Luftbilder von Häusern zu machen.

"Der Tragschrauber kann mit den Rotorblättern zum Boden segeln"

Robert und ich können uns ganz entspannt unterhalten, für ihn ist die Strecke Routine - was aber nicht bedeutet, dass er nicht ständig wachsam den Flugfunk verfolgt. "Man kann das mit dem Autofahren vergleichen", sagt er. "Wir variieren die Strecke aber auch ganz bewusst", erzählt er. Ihm ist besonders wichtig, sehr umsichtig zu fliegen, das merke ich sofort. Alle paar Minuten fragt er mich auch, ob alles okay ist.

Beim Landeanflug will er mir noch zeigen, was passieren würde, wenn der Propeller plötzlich ausfiele und reduziert dessen Leistung. "Der Tragschrauber kann mit den Rotorblättern zum Boden segeln", sagt Robert - schaltet dann aber für unsere Landung doch wieder alles an. Zurück am Boden begrüßt uns Chris Necke von Radio Bonn/Rhein-Sieg, der vom Boden aus zugesehen hat: "Ihr wart aber lange weg." Knapp fünfzig Minuten sind wir geflogen. Mir kam es eher vor wie fünfzehn.

Das Fliegen mit dem Gyrocopter ist wirklich ein besonderes Gefühl, noch nie habe ich Fahrtwind in der Luft gefühlt. Und wie von Robert versprochen ist mir weder schlecht, noch hatte ich Angst. "Verstehst du jetzt, warum ich nach dem ersten Flug direkt meine Lizenz gemacht habe?", fragt Robert mich. Ich kann nur eine Gegenfrage stellen: "Wo kann ich mich zum Kurs anmelden?"

Rundflüge mit Robert Krause und Uwe Pütz sind das ganze Jahr über möglich und kosten ab 95 Euro. Buchen kann man den Rundflug auf www.sichtflug.com.