Ausflug in das Waldfreibad Steinbachtalsperre

Sprungbrett in die Waldidylle

Tim stürzt sich vom Fünf-Meter-Turm ins kühle Wasser.

Euskirchen. Nach dem Planschen im Freibad an der Steinbachtalsperre können sich Schwimmer auf gleich mehreren Inseln ausruhen. Warum der Schwimmmeister hier ein Boot braucht, haben unsere Reporter bei einem Besuch herausgefunden.

 Obwohl es laut ist, ist es leise. So versucht Schwimmmeister Thomas Wierum die Atmosphäre zu beschreiben, die das Treiben im Waldfreibad Steinbachtalsperre an heißen Sommertagen charakterisiert: Wenn in den Städten der Asphalt glüht, die Luft flimmert und die Haut klebt, kommen Badegäste aus der ganzen Region zum Tagesausflug ins Talsperren-Freibad knapp zehn Kilometer entfernt von Euskirchen.

„In den Ferien haben wir unseren Hauptbetrieb, weil viele extra für einen ganzen Tag hierher fahren“, erklärt Wierum. Vor allem, um die Ruhe zu genießen: „Der Wald schluckt viel von der Lautstärke. Und natürlich haben wir eine spektakuläre Alleinlage hier oben, keine Straße ist in der Nähe.“

Es ist wahrlich idyllisch: Kleine Quellwolken ziehen über die Landschaft, während die Kinder aufgedreht auf dem quietschgrünen Luftkissentrampolin inmitten des Naturbeckens herumspringen. Der Schwimmmeister lässt routiniert seinen Blick über das riesige Becken schweifen. Seit 25 Jahren arbeitet er hier. Nach der Sanierung Ende der 80er Jahre wurde er Schwimmmeister für die Stadt Euskirchen. „Als ich hier anfing, drückte man mir einen Bund mit 60 Schlüsseln in die Hand und wünschte mir viel Erfolg dabei, herauszufinden, wo sie passen“, erzählt Thomas Wierum. „Das hatte aber einen Vorteil: Ich kenne das Bad wie sonst keiner.“

Es ist ein herausfordernder Arbeitsplatz: Das Naturbecken, wenn auch am Grund asphaltiert, ist bis zu sechs Meter tief, wird aus der Talsperre befüllt und ist deshalb fast undurchsichtig für die Rettungsschwimmer. Aus einem dramatischen Badeunfall vor sieben Jahren zog Wierum Konsequenzen: Die Schwimmmeister hier haben nun einen Tauchschein, am Beckenrand liegen Zwei-Liter-Flaschen mit Sauerstoff bereit. Und Wierum ist wohl auch einer der wenigen Schwimmmeister, der mit eigenem Boot durch das Schwimmbecken fährt: Bei einer Diagonale von knapp 120 Metern hilft das kleine Gefährt zum Beispiel auch, erschöpfte Schwimmer von einer der Inseln im Wasser abzuholen. Es ist zudem mit einem Gerät ausgestattet, das einen Blick unter die Wasseroberfläche ermöglicht, damit der Schwimmmeister schnell vermisste Personen aufspüren kann.

Tim und seine Freunde nutzen heute den frei im Wasser stehenden Sprungturm ausgiebig – denn es ist wenig los im Freibad. Dabei ist das Wetter angenehm, wie oft hier oben: „Die Talsperre liegt in einer regenarmen Schneise“, erklärt Wierum. Die Eltern der Jungen haben es sich im Schatten der Bäume bequem gemacht. „Die Kombination von normalem Schwimmbad und Naturbecken finde ich sehr gut“, sagt Andrea Kreutzberg. Sie und Mann Ralf sind heute aus Alfter gekommen. Er ergänzt: „Mir gefällt auch der Charme der 30er Jahre, der hier überall zu spüren ist.“

 

Das Waldfreibad von 1936 steht unter Denkmalschutz. Das Flair zu erhalten und gleichzeitig zu modernisieren, hat sich der Förderverein vorgenommen, als das Bad 2003 geschlossen werden sollte. „Wir investieren aber auch in die Attraktivität“, sagt Vorstandsmitglied Ingeborg Hinz. Gemeint sind damit zum Beispiel Spielsachen für Kinder, das Trampolin und Heißwasserduschen.

Trotz aller Bemühung kämpft das Waldfreibad wie viele andere öffentliche Bäder jedes Jahr ums Überleben. Wierum erklärt sich das so: „Viele haben ein großes Planschbecken vom Discounter im Garten, das ihnen zur Abkühlung reicht.“