Nachts im Museum Koenig

Safari in der Dunkelheit

Die Savanne liegt im Dunkeln: Nachts zeigt nur eine Taschenlampe den Weg durchs Museum.

Bonn. Bei einer Taschenlampenführung im Museum Koenig treffen die Reporter von General-Anzeiger und Radio Bonn/Rhein-Sieg auf Giraffen, Wölfe und ein Nashorn ohne Horn. Auch hinter den Kulissen ist die Sammlung für einige Überraschungen gut.

Dunkelheit legt sich über die Savanne, nur ein kleiner Lichtstrahl der untergehenden Sonne fällt durch die Glaskuppel auf das Gehölz. Plötzlich baut sich in ein paar Metern Entfernung ein riesiger Schatten auf, dunkel und bedrohlich legt er sich über die Erde. Schnell wird die Taschenlampe gezückt – ein Elefant steht am Ende der Savanne! Aber der Dickhäuter stellt keine Gefahr dar. Es ist die Savanne des Museums Koenig, die vor Jessica Lambertz von Radio Bonn/Rhein-Sieg und Sebastian Fink vom General-Anzeiger liegt. Bei einer Taschenlampenführung erleben sie das Museum Koenig bei Nacht. Und Verstärkung haben sie sich auch geholt: Neun Kinder dürfen die Reporter durch die Dunkelheit begleiten.

„Ich war vor drei oder vier Wochen schon einmal hier mit einem Freund, aber da war es hell“, sagt die zehnjährige Lisa gleich zu Beginn. Eine Nacht im Museum – da denken die Kinder schnell an die Komödie mit Ben Stiller, in der er einen Nachtwächter spielt, der seine Schicht mit lebendig gewordenen Ausstellungsstücken verbringen muss. „Eines muss ich vorweg sagen: Wir haben keine Dinosaurier oder andere Figuren, die lebendig werden können“, sagt Sabine Heine vom Museum Koenig, die der Gruppe mit ihrer Taschenlampe den Weg weist. Normalerweise sind die Taschenlampenführungen erst wieder ab Oktober im Programm. Heute macht sie für uns eine Ausnahme.

Die Savanne ist die erste Station der Safari, schnell geht der Schein der Taschenlampen zu den Antilopen und dem Nashorn dahinter. Doch wieso sieht das Nashorn so seltsam aus? Wo ist denn das Horn? „Eine Einbrecherbande ist hier eingestiegen und hat die Hörner abgesägt“, erklärt Heine den Kindern. In Ostasien gilt das geriebene Horn als Allheilmittel und soll die Potenz stärken. Der Preis dafür ist höher als der Goldpreis. Diebesbanden brechen für die kostbaren Hörner deshalb auch in Museen ein. „Wir wussten aber, dass solche Banden unterwegs waren und haben vorsorglich die Hörner selbst abgenommen und sie mit Kunststoffimitaten ausgetauscht. Kurz danach kamen die Diebe tatsächlich und nahmen dann die wertlosen Kunststoffhörner mit.“

Vom Nashorn mit der traurigen Geschichte geht die Taschenlampe in die Höhe. Ein Schatten kreist über der Gruppe, zwei Geier haben es sich auf dem Gerüst über den Nachtwandlern gemütlich gemacht. Vorbei an quakenden Fröschen geht es dann hin zu den gefährlich aussehenden Wölfen. „Was kann der Wolf im Rudel jagen?“, fragt Heine die jungen Besucher. Mit seiner Taschenlampe leuchtet der sechsjährige Justus die Umgebung ab und bleibt mit seinem Lichtstrahl an einem Elch hängen. „Ich glaube, der Wolf kann den Elch jagen“, sagt er und bekommt sofort ein bejahendes Nicken von Heine.

Woher Justus so viel über Tiere weiß? „In der Schule haben wir ein Tierbuch, daher kenne ich viele.“ Angst vor dem gefährlich aussehenden Wolf hat in dieser Nacht aber keiner. Die Scheibe der Vitrine scheint dick genug zu sein.

Weiter geht es, vorbei an Kamelen und hin zum Nilkrokodil. „Das frisst bestimmt Menschen“, sagt Nele. Im Grunde richtig, doch dieses Exemplar im Museum Koenig ist eher von der gemütlichen Sorte und bewegt sich keinen Zentimeter auf die Taschenlampen-Gruppe zu. Für die sechsjährige Nele kann das Museum in dieser Nacht gar nicht dunkel genug sein. „Es ist zwar etwas gruselig, aber ich finde es echt irre. Ich wünschte, es wäre noch viel dunkler, damit wir ein paar Geister sehen.“ Geister zeigen sich den Kindern nicht, auch wenn diese nun den Geist alter Zeiten zu spüren bekommen.

„Wisst ihr, wie die Nachtfalter sich im Dunkeln finden können?“

In der ersten Etage zückt Heine ihren Schlüsselbund und öffnet eine Tür. Sofort schießt den Kindern und ihren Eltern ein eigenartiger Duft entgegen, es riecht nach Mottenpulver, alten Möbeln und Putzmitteln. „Das hier ist das alte Arbeitszimmer von Alexander Koenig“, erklärt Sabine Heine. Das Zimmer, in dem auch schon Konrad Adenauer für ein paar Wochen die Geschicke der Bundesregierung in der Hand hielt (siehe Text unten). Auch hier ist es dunkel, nur ein paar Glühwürmchen sorgen für stimmungsvolle Farbtupfer. Auf dem Tisch liegen zwei Holzschachteln mit Nachtfaltern. „Wisst ihr, wie die Nachtfalter sich im Dunkeln finden können?“, fragt Heine die Kinder. Als keine Antwort kommt, löst sie die Frage selbst auf: „Sie versprühen Pheromone und locken so andere Tiere an.“ Und schon zückt sie ein kleines Parfümfläschchen und sprüht den jungen Besuchern ein paar Tupfer auf den Arm. Heimlich zieht sich Moritz vom Tisch zurück, will er doch bloß kein Parfüm abbekommen. „Ich bin doch ein Junge“, erklärt der Siebenjährige.