Kletterwald in Bad Neuenahr

Mit einem gellenden Schrei in die Tiefe

Der Flug in der Seilrutsche quer über den Wald machte Reporterin Katrin Puvogel besonders viel Spaß - wenngleich sie auch merkte, dass ihr die Höhe vielleicht doch etwas ausmacht.

Der Flug in der Seilrutsche quer über den Wald machte Reporterin Katrin Puvogel besonders viel Spaß - wenngleich sie auch merkte, dass ihr die Höhe vielleicht doch etwas ausmacht.

Bad Neuenahr. Von einer Bauminsel zur nächsten kraxeln die Sommerreporter im Kletterwald in Bad Neuenahr. Unter die Höhenangst mischt sich bei dem Ausflug in die Baumkronen vor allem eines: ziemlich viel Spaß.

Eigentlich ist das Klicken der Karabinerhaken beruhigend. Heißt es doch, dass ich nicht fallen kann. Eigentlich. Denn gerade habe ich meinen Haken an die sogenannte Todesschleuder geklickt. Höhenangst habe ich normalerweise nicht, auch wenn das Hochklettern an der Strickleiter schon ein Wagnis war. Jetzt stehe ich also in 15 Metern Höhe, und von den Zehenspitzen an ist unter mir: nichts.

"Du musst nur nach oben springen, nicht nach vorne", ruft Marc Schumacher mir von unten zu. "Sonst kannst du ins Pendeln kommen, und dann könntest du gegen die Bäume prallen." Na danke, sehr beruhigend. Feixend stehen die männlichen Kollegen dort unten, sie alle waren noch nicht hier oben.

"Kann doch nicht so schlimm sein", ruft mir der Radio-Kollege Stephan Kern zu. Von wegen. Meine Knie sind weich, mein Mut wie weggepustet. Und es gibt kein Zurück.

Der Kletterpark in Bad Neuenahr liegt in einem malerischen Waldstück, nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. In vier Kletterparcours kann man hier von einer Insel am Baum zur nächsten durch den Wald kraxeln, schwingen und hangeln.

Dabei ist man durch einen Gurt gesichert, den auch wir zunächst nach Instruktion der Einweiser anlegen - denn selbsterklärend ist das Gewirr aus Karabinern und Gurten wirklich nicht. "Der grüne Pfeil vorn muss nach oben zeigen", erklärt Gian Lucca Trilk. "Und dann steigt ihr einfach durch die kleineren Gurte für die Beine. Wie in eine kurze Hose", erklärt er und betrachtet kritisch unsere Versuche. "Jetzt festziehen."

Das ist gar nicht so leicht, doch der Guide hilft gern und prüft genau, ob alles sitzt. Es geht weiter zum Einweisungsparcours, den jeder Kletterer unter Aufsicht absolvieren muss, bevor er in Eigenregie die Bäume erklimmen darf. "Ihr könnt gar nicht fallen", sagt Marc Schumacher, der uns heute durch den Park begleitet.

Denn das ausgeklügelte System von verschließbaren Karabinerhaken erfordert immer, dass einer "abgeschlossen" wird, also mit der Hand nicht mehr zu öffnen ist.

"Dazu hängen an jedem Baum die Schlüssel", sagt Marc und deutet auf ein kleines, ovales Stück Plastik, das mit einem Klicken den Karabiner verschließt. "Erst dann geht der andere auf." An unserem Gurt ist auch noch eine Rolle befestigt. Wofür die da ist, zeigt der 25-Jährige an einem der Stahlseile: "Einfach oben einhaken, dann könnt ihr daran entlangrollen."

Doch bevor es zur Megaseilbahn geht, wollen wir uns natürlich den "Adventure"-Parcours nicht entgehen lassen. Hat man mit Mühe die Strickleiter nach oben erklommen, wartet dort der erste "Tarzansprung": Mit der Rolle in das Stahlseil eingehakt, fliegen wir einige Meter weit direkt in ein großes Netz aus dicken Seilen.

Es muss das Gefühl sein, dass eine Fliege im Spinnennetz hat: Mit etwas ungelenken Bewegungen und einiger Anstrengung hangeln wir uns nacheinander das Netz hoch. "Um hier zu klettern, muss man in guter körperlicher Verfassung sein", sagt Marc. Doch herkommen kann eigentlich jeder, sagt er: "Für ganz kleine Kinder gibt es einen Extraparcours, ab neun Jahren darf man dann alles - und da haben auch Ältere ihren Spaß."

"Setzt euch bequem in den Gurt und los geht's"

Wir stehen nun auf der ersten Plattform, einer kleinen Ruheinsel, bevor es über eine schwankende Hängebrücke weitergeht. Die Sonne glitzert durch die Baumkronen und wirft idyllisches Licht auf das wackelige Abenteuer hier oben. Jeder Parcours endet mit einer kleinen Seilrutsche, die man mit der Rolle hinuntergleitet.

Marc rät zum Genießen: "Setzt euch bequem in den Gurt und los geht's." Ganz so lässig wie beim Kletterprofi sieht das bei uns leider nicht aus - Spaß macht es aber allemal.

"Seid ihr bereit für die Todesschleuder?", fragt der Guide, als wir mit langen Schritten einen Waldweg hochstapfen. Noch ist der Mut groß. Höhenangst? Ach was! Vorgeschickt wird natürlich die einzige Frau. Der Kopf ist leer, als der Abgrund vor meinen Füßen liegt. Ich will springen - oder doch nicht?

Die Entscheidung wird mir abgenommen. Denn mit einem Ruck rutsche ich weg und fliege fast drei Meter im freien Fall nach unten, bevor mich die Seile auffangen und ich auspendle. Zitternd greife ich nach dem Strick, mit dem man sich auf die rettende Insel am Baum zurückzieht. Wie es war, wollen die Kollegen wissen.

Und obwohl mir der Schreck noch im Gesicht steht, klettert einer nach dem anderen den Baum hoch - und springt mit einem gellenden Schrei in die Tiefe. Die Angst vorher packt jeden, vor allem, weil der Baum samt Plattform ziemlich schaukelt, wenn ein Springer in den Seilen hängt - doch Spaß haben die Jungs deutlich mehr als ich.

Zeit, sich von dem Schrecken zu erholen: auf der 450 Meter langen Seilrutsche. In die hängt man sich mit seiner Rolle und schwebt in sanftem Flug quer über den Wald. Blick auf das Ahrtal inklusive. Ganz vorne in der Schlange steht der zehnjährige Simon und hat Tipps für ängstliche Reporter.

"Du musst einen Freund vorlassen und dann siehst du, dass nichts passiert", sagt er und verabschiedet sich mit einem Johlen auf den Flug durch die Luft. Der Magen der Reporter hat sich in der Tat langsam beruhigt, und Simon scheint auch heile auf der Landebahn angekommen zu sein.

Trotz etwas zittriger Knie nach der Tortur der Schleuder will ich mir den Flug nicht entgehen lassen - ist er doch das ausgewiesene Highlight des Parks. Und siehe da: Kaum sitze ich bequem im Gurt und gleite unter strahlend blauem Himmel quer über den Bad Neuenahrer Wald, ist alles vergessen - das Feixen der Kollegen, die Angst in der Schleuder und die 35 Meter Leere unter mir. Moment - 35 Meter? Oh, Mann, vielleicht habe ich doch Höhenangst.

Der Kletterpark ist im August jeden Tag außer Montag ab 10 Uhr geöffnet. Dann findet die erste Einweisung statt, die letzte ist etwa drei Stunden vor Dämmerung. Für vier Stunden klettern, bezahlt man pro Person rund 25 Euro. Ein Sprung in die Todesschleuder kostet fünf Euro extra. Mehr Informationen finden Sie unter www.wald-abenteuer.de