Fahrtwind in Altenahr

Mit Vollgas durch die Edelstahlwanne

Radio-Bonn/Rhein-Sieg-Reporter Chris Necke (vorne) und GA-Reporter Sebastian Fink testen die Sommerrodelbahn in Altenahr.

Radio-Bonn/Rhein-Sieg-Reporter Chris Necke (vorne) und GA-Reporter Sebastian Fink testen die Sommerrodelbahn in Altenahr.

03.08.2015 Altenahr. Auf der Sommerrodelbahn in Altenahr erliegen GA-Reporter Sebastian Fink und Radio-Bonn/Rhein-Sieg-Reporter Chris Necke dem Geschwindigkeitsrausch - alleine und zu zweit auf einem Schlitten

Zwei Minuten Ruhe. Zwei Minuten, in denen der Blick in den dicht bewachsenen Wald geht und die Gedanken sich frei entfalten können. Hinweisschilder ziehen vorbei, warnen vor möglichen Gefahren und erklären den Umgang mit dem Sportgerät.

Zwei Minuten dauert es, bis man mit dem Schlitten 220 Meter nach oben gezogen ist und dabei 40 Höhenmeter zurückgelegt hat. Oben angekommen, ist es dann vorbei mit dem gedankenversunkenen Träumen, jetzt zählt nur noch eins: Vollgas den Abhang hinunter, mit Tempo durch die Edelstahlwanne.

Wir sind zu Gast auf der Sommerrodelbahn in Altenahr, seit 1983 wird hier schon mit dem Schlitten die Bahn herunter gerast. Und seit 32 Jahren startet jede Fahrt in der Talstation. Betriebsleiter Jürgen Schumacher stattet hier unten die Fahrer mit den Schlitten aus, 55 hat er insgesamt.

Den typischen Sommerrodler gibt es nicht. "Hier fährt jeder, von der Familie über den Motorradclub bis hin zu Wanderern", sagt Schumacher. Auch das Alter spielt hier keine Rolle. "Unsere älteste Fahrerin war 97 Jahre alt", erinnert er sich. Doch ehe wir weiter übers Rodeln quatschen, geht es schon zur ersten Fahrt. "Damit ihr auch wisst, worüber ihr redet und ein Gefühl für die Bahn bekommt", ruft er Radio-Bonn/Rhein-Sieg-Reporter Chris Necke und mir zu.

Mitarbeiter Dominic Kläsgen stellt jedem von uns einen Schlitten auf die Bahn, der 15-Jährige macht hier derzeit ein Praktikum. "Das Seil zieht euch jetzt nach oben. Wenn ihr angekommen seid, drückt den Hebel am Schlitten nach vorne und gebt Gas. Zieht ihr den Hebel zurück, bremst ihr", weist er uns ein und gibt weitere Tipps: "Die Füße immer im Schlitten lassen und auf der Bahn nicht stehen bleiben. Und am Ende, am blau-gelben Vorhang, bitte bremsen und langsam ins Ziel einfahren." Und schon geht es los.

 

Den Hebel nach unten gedrückt, rausche ich den Abhang hinab. Erst kommt eine Rechtskurve, dann geht es nach links. Immer dicht hinter Chris her, eine kleine Welle hier, eine langgezogene Kurve da. Insgesamt 550 Meter ist die Strecke lang, sieben Kurven sorgen für den Abfahrtsrausch.

"Geschwindigkeiten über 40 Kilometer pro Stunde sind hier möglich, mit schnellen Bobs auch welche bis 50", sagt Schumacher. Um richtig schnell zu sein, bedarf es jedoch auch etwas Anstrengung.

"Dafür müsst ihr einiges tun. Ihr müsst euch richtig vom Geländer abdrücken und bis zur ersten Kurve mit den Händen vom Boden abstoßen - so wie der Georg Hackl früher", sagt Schumacher.

Doch wird die Gefahr eines Unfalls dann nicht zu groß? "Aus der Bahn zu fliegen, ist eigentlich nicht möglich. Aber wer das will, schafft es bestimmt auch. Bei trockenen Verhältnissen fällt man aber eher in die Bahn", so der Betriebsleiter.

Er weiß, wovon er redet. Bis zu zehn Mal täglich fährt er den Kanal hinunter. "Ich muss immer schauen, dass die Bahn auch in Ordnung ist." Nach ein paar Testrunden können auch wir die Bahn jetzt besser einschätzen und erreichen Geschwindigkeiten von knapp über 40 Kilometer pro Stunde.

Unten angekommen, stockt alles erst einmal, nichts geht mehr. Schumacher blickt auf seinen Monitor, an dem er den Betrieb oben am Start sehen kann. "Da steht ein Bob in der Lichtschranke, deshalb stoppt das Seil", sagt er. Etwa zehn Schlitten samt Fahrer hängen gerade am Seil, um nach oben gezogen zu werden. Sie müssen jetzt ausharren. "Das gehört zur Unterhaltung, nennt sich 'Ruhe im Wald'", ruft Schumacher ihnen zu.

"Ihr müsst euch richtig in die Kurve legen"

Da im Mikrofon heute keine Batterien sind, muss Mitarbeiter Jan Kohlstock den Berg hinauf klettern und nachsehen, warum es oben nicht weitergeht. Nach ein paar Minuten kommt er mit einem defekten Schlitten wieder herunter. "Hier hat ein Rad blockiert", sagt der 18-Jährige und schnappt sich einen anderen Schlitten, den er den Kunden nach oben bringt.

Die Lichtschranke ist wieder frei und die Fahrt geht weiter. Dieses Mal fahren Radioreporter Chris und ich zu zweit auf einem Bob und merken schnell: Schon allein aus Platzgründen wird diese Fahrt wesentlich schwieriger. Es ist unbequem - schon bei der Fahrt nach oben - und der Schlitten lässt sich nicht so einfach steuern und bremsen.

"Ihr müsst euch richtig in die Kurve legen. Nach der zweiten Kurve kommt ein sogenannter Wedel, da müsst ihr geschmeidig bleiben", sagt Schumacher uns zuvor und während wir noch über die Bedeutung seiner Worte nachdenken, rasen wir schon den Hang hinunter, durch den Wedel - eine S-Kurve - und in die Biegung. Chris gibt Gas, ich bin als Mitfahrer auf der Rückbank ohne jede Chance einzugreifen.

Unten angekommen, brauchen wir eine Pause und machen die Bahn frei für die beiden zehnjährigen Cousins Jonah und Leo aus Köln. Auch sie bekommen eine kurze Einweisung, dann geht es los. Ist die erste Fahrt der beiden noch eher zögerlich, werden sie mit jeder Fahrt immer mutiger und schneller. Es geht also nicht nur dem Radiokollegen und mir so.

Während seine Aushilfen den Betrieb an der Bahn übernehmen, zeigt uns Schumacher, was sonst noch so zum Tagesablauf hier in Altenahr gehört: Die Tiere müssen gefüttert werden.

Zahlreiche Hasen laufen durch die Anlage, einige eingezäunt, andere auch frei, dazu kommen ein paar Ziegen, Ponys und die Esel Hans und Hänschen. "Wir hatten hier früher auch einen großen Spielplatz mit einem Bungee-Trampolin und Elektro-Karts, aber dagegen hatten die Politiker etwas", sagt Schumacher.

"Das muss man sich mal vorstellen: Die haben sich wegen Kinderlärm beschwert", ist der Betriebsleiter noch immer enttäuscht, dass es den Erlebnisspielplatz nicht mehr gibt. Spielmöglichkeiten gibt es aber trotzdem noch: Neben dem Ziegengehege steht ein kleines Karussell an der Bahn, dazu gibt es noch ein paar weitere Spielgeräte.

Das Prunkstück aber bleibt die Sommerrodelbahn, die auch für außergewöhnliche Feiern sehr gefragt ist. "Junggesellenabschiede haben in den vergangenen Jahren sehr zugenommen. Und gerade habe ich eine Anfrage erhalten von einem Paar, das hier seine Hochzeit feiern will", sagt Schumacher.

Auch seine Kinder, Neffen und Nichten kommen Schumacher an seinem Arbeitsplatz gerne besuchen. "Ich bin zwar ein strenger Onkel, aber der einzige mit einer Sommerrodelbahn."

Informationen zur Bahn gibt es unter www.sommerrodelbahn-altenahr.de (Sebastian Fink und Andreas Dyck (Fotos))