Oldtimer-Tour in Rheinbach

Italienische Spritztour auf nassem Asphalt

Rainer Stanke mit seinem Lamborghini Islero von 1968: Jahrelang stand der Motor des Fahrzeugs zur Reparatur in Stankes Wohnzimmer.

RHEINBACH. GA-Volontär Andreas Dyck und Radio Bonn/Rhein-Sieg-Volontärin Jessica Lambertz haben für eine Fahrt mit einem Oldtimer Rainer Stanke in Peppenhoven bei Rheinbach besucht - und wurden von seiner Leidenschaft für alte Autos infiziert.

Ein kurzer Tritt aufs Gaspedal beschleunigt den Lamborghini Islero, Baujahr 1968, unmittelbar auf mehr als 150 Stundenkilometer und drückt Rainer Stanke in den senffarbenen Ledersitz seines italienischen Sportwagens. Beherzt dreht der Rheinbacher das Lenkrad nach rechts. Fliehkräfte ziehen das Fahrzeug nach außen. Während draußen das Gelb und Grün von Feldern, Wiesen und Plantagen verwaschen vorbeizieht, sind im Innenraum des Oldtimers die Power von 325 PS unter der Karosserie zu spüren. Grollend knurrt der Motor, dreht sein röhrendes Fahrgeräusch zu einem brüllenden Fortissimo, sobald Stanke erneut auf das Gaspedal drückt. Es riecht nach Benzin, und der Fahrtwind sucht sich säuselnd seinen Weg an den Fensterdichtungen vorbei.

"Für mich als Ingenieur hat das Motorgeräusch schon eine erotische Komponente", sagt Stanke. "So ein Wagen entwickelt eine Geräuschkulisse, die man sonst nicht kennt." Rainer Stanke ist ein Mann, dem man das Benzin im Blut auf Anhieb ansieht. Wenn er über Drehzahlen, Ventile und Laufleistungen spricht, funkeln seine Augen wie die eines kleinen Jungen, und seine Gesten werden so weich wie die eines Orchesterdirigenten. Der 57-Jährige bezeichnet sich selbst als "Oldschool-Ingenieur", als Autoschrauber alter Schule. Seine Leidenschaft gilt deshalb alten Fahrzeugen, die er mit technischen Fachkenntnissen und einer gehörigen Portion Experimentierfreude wieder aufpäppelt. "Mit Computern kenne ich mich nicht so gut aus", sagt er. "An einem Oldtimer sieht man aber noch die Technik, ganz ohne Plastikabdeckungen und Chiptuning, wie das heutzutage gängige Praxis ist."

Dabei kennt sich der Ingenieur durchaus mit modernen Autos aus. Für eine japanische Firma, die sich auf Bremsen spezialisiert, arbeitet er daran, dass Fahrzeuge von Porsche, Lamborghini und Bentley möglichst schnell zum stehen kommen. Doch das Schrauben und Tüfteln und die Praxis am Fahrzeug liegen ihm im Blut. Das trifft auch auf seine zwei Brüder sowie seine Schwiegersöhne zu: eine Familie lauter Oldtimerfans, die sich in Stankes Garage regelmäßig zum Schrauben und Werkeln trifft.

Auf der Straße lässt der Autoschrauber unterdessen den dunkelgrauen Lamborghini behutsam über den feuchten Asphalt rollen, der nach einem leichten Sommerregen im Gegenlicht schimmert. Nasse Fahrverhältnisse liegen dem Oldie laut Stanke nicht. Die Räder des Wagens drehen bei zu viel Beschleunigung durch. Niemand kennt das Auto so gut wie er: Zwei Jahre lang lagen die Einzelteile des Motors im Wohnzimmer des Rheinbachers verteilt - zum Verdruss seiner Ehefrau. Dort, wo heute ein schicker Kamin den Wohnraum wärmt, waren Zylinder, Motorblock und Kolben aufgereiht. Jahrelang hatte Stanke an dem kaputten Motor gebastelt, bis er endlich seinen Weg unter die Haube des heiß geliebten Sportwagens fand. "Das ist der feine Unterschied zu Neuwagen", sagt der 57-Jährige verschmitzt. "Wo man jede einzelne Schraube kennt, entsteht einfach jede Menge Zuneigung zu dem Auto."

"Die Autos sind sein Leben und gehören dazu wie Frau und Kinder"

Stankes Ehefrau Christa ist eine zierliche Frau mit kurz geschnittenem Pony. Zusammen bewohnen die beiden ein Haus in Rheinbach-Peppenhoven, das Rainer Stanke von Grund auf selbst gebaut hat. Die Treppenaufgänge zieren gusseiserne Gelände, die Stankes Schwiegervater in kunstvoller Handarbeit geschmiedet hat. Stein auf Stein setzte Stanke, um Platz zu schaffen - für sich, seine Frau und seine Fahrzeuge. "Die Autos sind sein Leben und gehören dazu wie Frau und Kinder", sagt Christa Stanke. Etwas Eifersucht sei schon im Spiel, wenn ihr Mann viel Zeit mit seinen Fahrzeugen verbringt. "Aber wenn man das alles hier so wachsen sieht, dann ist man als Ehefrau auch irgendwie stolz darauf."

Eine unscheinbare Türe führt in das Herzstück des Hauses: eine 120 Quadratmeter große Garage. Fünf Autos, vier Motorräder und ein Mountainbike finden hier zurzeit Platz. Es riecht nach Öl. Drehbänke, Schleif- und Schweißgeräte säumen die weißen Wände. Eingangs fällt ein knallgelber Lamborghini Urraco von 1975 ins Auge. Auf einer Hebebühne weiter hinten thront ein Fiat Spider aus dem Jahr 1972. Das Innenleben eines Maserati ist auf einer Werkbank verteilt. Etwas unscheinbar steht in einer Ecke Stankes neueste Anschaffung: ein hellgrauer Fiat 500 mit roten Bezügen, der am Wochenende bei einem Wettbewerb auf der Oldtimer-Veranstaltung Rheinbach Classics den dritten Platz belegte. Stankes Vorliebe für italienische Fabrikate fällt auf. Die entdeckte er als Jugendlicher, als er in Hannover die ersten italienischen Sportwagen sah, die sich von den üblichen VW Käfern, BMW Isettas und Opel Kadetts abgrenzten. "Das war italienische Eleganz auf deutschen grauen Straßen", schwärmt er mit verträumten Augen.

Doch alle Theorie allein ist müßig, für eine weitere Runde geht es hinaus auf die Straße. Die ist inzwischen abgetrocknet. Der Islero faucht und dröhnt. Seine unbändige Präsenz lassen die vorbeiziehende Landschaft vergessen. Wenn Stanke an seinen Autos schraubt, geht es ihm vor allem darum, sie fahrbar zu machen und sie an neue Begebenheiten wie modernes Benzin anzupassen. "Ich komme noch aus einer Zeit, in der man Dinge gepflegt und repariert hat statt sie wegzuwerfen", sagt er. Sein Sportwagen rollt inzwischen wieder auf den Hof zurück und der Oldtimer-Liebhaber gesteht: "Manchmal höre ich nach der Fahrt noch zu, wie knisternd der Motor abkühlt."