Schwimmen zur Insel Grafenwerth

Getrieben von der Strömung

LINZ. Chris Necke, Reporter von Radio Bonn/Rhein-Sieg, schwimmt elf Kilometer im Rhein zur Insel Grafenwerth. Mit ihm unterwegs sind 213 weitere Wassersportler - beaufsichtigt von zahlreichen Hilfs- und Rettungskräften.

Ein erfrischendes Bad im Rhein mag an heißen Tag verlockend sein - doch es birgt lebensbedrohliche Gefahren. Aber es bieten sich Gelegenheiten zum Schwimmen im Fluss: Eine ist das Rheinschwimmen der DLRG-Ortsgruppe Bad Honnef-Unkel. Beispielsweise Ende Juni. Mittendrin: Radio-Bonn/Rhein-Sieg-Reporter Chris Necke, der an diesem Tag zum ersten Mal im Rhein schwimmen wird. Unter einer dicken Wolkendecke klettern die Temperaturen nur auf knappe 18 Grad. Fast zwei Grad wärmer ist der Rhein, der in den kommenden drei Stunden den Gastgeber für 214 Schwimmer spielen wird.

"Ich hoffe, dass es im Wasser nicht zu kalt wird", sagt er, kurz bevor Christopher Hartzmann ihm einen Neoprenanzug überreicht. Dieser soll ihn vor der Kälte schützen und ihn sicher die elf Kilometer von Linz zur Insel Grafenwerth bringen, die mit einer einzigartigen Aussicht auf das Siebengebirge, den Drachenfels und den Rhein aufwartet. Flossen gibt es für Necke auch noch dazu. Die Strömung des Rheins wird viel Arbeit für ihn übernehmen, unbeaufsichtigt wird der Radioreporter aber nicht im Wasser sein. "Wir haben ausgezeichnetes Rettungspersonal, das die Schwimmer begleiten wird. Die Veranstaltung ist gut kontrolliert", so Hartzmann.

13 Strömungsretter der DLRG Rhein-Sieg sind mit auf dem Rhein, dazu kommen acht Boote der Feuerwehr, der DLRG und des Technischen Hilfswerks. Auch zehn Kanuten des Kanuclubs Unkel werden neben den Schwimmern paddeln, und können in Notsituationen eingreifen. "Im Rhein zu schwimmen, ist zwar ein Riesenspaß, aber es ist auch unheimlich gefährlich", warnt Ulrich Medenbach vor dem Start. Der DLRG-Ortsgruppenchef ist seit dem ersten Rheinschwimmen 1986 jedes Jahr dabei.

"Was kann ich gegen die Kälte im Wasser tun?", fragt Necke den erfahrenen Schwimmer. Ein kurzer, prüfender Blick zu Necke, dann die trockene Antwort: "Zunächst einmal ein bisschen mehr Speck auf die Rippen bekommen, aber dafür ist es jetzt zu spät. Also im Wasser dann auch immer mal wieder bewegen und sich nicht nur treiben lassen."

Dann geht es für die Schwimmer los, zunächst vom Freizeitbad Grafenwerth auf das Ausflugsschiff MS Beethoven nach Linz, dem Startpunkt des Rheinschwimmens. Dort angekommen, steigt die bunte Schar in Neoprenanzügen, bunten Kostümen und mit Flossen auf die Autofähre um, begleitet von den amüsierten Blicken Schaulustiger. Auf der Fähre legt dann auch Chris Necke seine Schwimmhilfen an, mehr als 200 Flossenpaare stapfen jetzt über den Metallboden der Fähre zur Rampe. "Die Flossen sind Pflicht bei uns, mit ihnen kann man schneller brenzligen Situationen ausweichen", sagt Medenbach. Dann fällt der Startschuss. "Jetzt gibt es kein Zurück mehr, ich bin echt aufgeregt. Zum ersten Mal schwimme ich im Rhein", spricht Necke noch kurz in sein Mikrofon.

 

Nach zehn Minuten der erste Zwischenbericht: "Gefühlsmäßig ist es eine Mischung aus herrlich und bedenklich. Der Rhein reißt einen einfach mit", sagt Necke. Mit den Flossen hat er noch Schwierigkeiten, ist er doch das Brustschwimmen gewöhnt. "Es ist ein tolles Bild: lauter gut gelaunte Menschen, die im Rhein treiben."

Eines der Boote, die die 214 Schwimmer umfassende Gruppe begleiten, steuert Andreas Hamacher. Zusammen mit seiner Frau Cordula chauffiert er beim Rheinschwimmen einige Fotografen und ein Fernsehteam auf seiner Sportjacht. Die Hälfte der Schwimmstrecke ist gerade zurückgelegt, als das Funkgerät von Hamacher plötzlich knarzt und die Stimme eines DLRG-Bootsführers zu hören ist. "Der Mann vom Radio möchte abgeholt werden und auf euer Boot", tönt es aus dem Lautsprecher. Kann Necke nicht mehr? Ein Krampf? Keine Kondition? "Ich will nur schnell ein Interview führen", sagt Necke, an Bord angekommen. "Wir sind gerade bei Unkel; die Gruppe bleibt erstaunlich gut zusammen. Eine Schwimmerin musste allerdings aufgeben - ihr Neoprenanzug war zu klein", sagt er und springt wieder ins Wasser. Sein Versuch, eine kurze Strecke gegen die Strömung zu schwimmen, misslingt: "Da habe ich keine Chance." Etwa vier Kilometer liegen jetzt noch vor ihm.

"Das ist eine lustige Sache, da kann man auch mal lustig aussehen"

Den letzten Streckenabschnitt schwimmt Necke neben Alex und ihren Freundinnen. Mit Blumen und einem bunten Haarreif auf dem Kopf sticht sie farblich heraus. "Das ist eine lustige Sache, da kann man auch mal lustig aussehen", sagt sie. Vor der Insel wird die Strömung noch einmal größer. "Jetzt müssen wir zusehen, schnell Boden unter die Füße zu bekommen, damit wir in Grafenwerth an Land gehen können", sagt die Schwimmerin. Nur mit einiger Anstrengung gelingt es dem Radioreporter, das Ufer zu erreichen. "Das Ende war noch einmal total anstrengend, der Rhein ist hier so mächtig", sagt er sichtlich erschöpft. Keine Frage, nach elf nassen Kilometern im Rhein ist Necke reif für diese Insel.

Ein weiteres begleitetes Rheinschwimmen veranstaltet der Kanuclub Unkel am Sonntag, 16. August. Weitere Informationen finden Sie unter www.kc-unkel.de.