Grillen in Hennef

Feuer, Glut und heiße Rippchen

HENNEF. Kurz vor der Deutschen Grillmeisterschaft in Hennef besucht GA-Volontär Andreas Dyck ein Grillteam beim Training. Bei den Beef Rockers lernt er, Steaks auf den Punkt zu garen - aber er verbrennt sich auch die Finger dabei.

Es ist ein archaisches Ritual. Ein Mann macht Feuer. Er zerlegt das erjagte Tier, blickt in die lodernde Glut. Dann legt er das Fleisch darüber. Rauch steigt auf. Flüssiges Fett zischt, als es auf glühende Kohlen trifft. Der Duft von Gegrilltem breitet sich aus.

Was anmutet wie eine Szene aus prähistorischer Zeit, spielt sich in einem Garten einer Reihenhaussiedlung in Hennef ab. Wir sind zu Gast bei Matthias Driesdow. Der ist Teamchef der Beef Rockers aus Hennef und trainiert mit seinen acht Mitstreitern für die Deutsche Grillmeisterschaft. Und heute darf ich dabei mit anpacken.

Rund 40 Teams treten in knapp drei Wochen in Hennef gegeneinander an. Ungefähr die Hälfte davon sind Profis, die andere Hälfte Amateure. Vier Gänge müssen die Teilnehmer auf dem Grill zubereiten: Bratwurst, Schweinelachs, Beef Rips und Dessert. Die Beef Rockers machen in der Amateurklasse mit. Mir schwant allerdings ganz schnell, dass ich heute der Amateur unter den Amateuren bin. Die Jungs verstehen nämlich etwas von ihrem Handwerk, jeder Handgriff sitzt. Und Gastgeber Matthias achtet auf jedes noch so kleine Detail.

Der Garten ist beschaulich, weder Zäune noch Hecken trennen die Nachbargärten ab. In einem Planschbecken spielen johlend Sohn Jaydon und Nachbarskinder. Die Außentemperatur im Schatten kratzt an der 40-Grad-Marke, im Hintergrund läuft Musik von AC/DC und von einer Gartenlaube in den Vereinsfarben von Werder Bremen blickt wachsam und gütig Gartenzwerg Hugo herab. Matthias hat hier sein kleines Paradies eingerichtet. Zwei große, schwere Grills im Wert eines Kleinwagens bilden den Mittelpunkt des Geschehens. Es ist eine Idylle wie aus einem Bauhausprospekt.

"Das wichtigste beim Grillen ist, zu entspannen", sagt Matthias zu mir. "Stress hat am Grill nichts zu suchen." Gut, entspannt bin ich und etwas Vorerfahrung bringe ich ebenfalls mit. Auch wenn meine Kochkünste sonst keinen großen Anklang finden: Sobald daheim die Kohle glüht, verflüchtigt sich der Freundeskreis ringsrum und ich stehe mit Zange ausgerüstet allein auf weiter Flur.

 

In Hennef geht es nun an die Beef Rips, Rippchen vom Rind, auf die als Wettkampfgericht ein besonderes Augenmerk liegt. Zwei Briketts aus Kokosnussschale befeuern einen geschlossenen Grill. Über einer Schale, gefüllt mit Apfelessig und Apfelsaft, brutzeln bei wohligen 120 Grad für mindestens vier Stunden die marinierten Rippchen. Deren Rezeptur ist streng geheim und wird erst am Wettkampftag gelüftet. Ich darf derweil Steaks schneiden, mit Olivenöl einreiben und auf den Grill werfen. "Du bist eher so der zaghafte Griller", attestiert Matthias mein zögerliches Vorgehen. Das will ich so nicht stehen lassen - und werde übermütig. In Windeseile wende ich die Steaks. Es zischt, es qualmt und es brennt: meine Hand. Leuchtend rosa und blasenwerfend zeichnet sich das Grillrost ab und ich habe meine Lektion gelernt.

Grillen ist Matthias große Leidenschaft. Der 44-Jährige steht das ganze Jahr am Grill, auch an Silvester. Der Grill glüht selbst zur Frühstückszeit. Dann gibt es Pfannkuchen für die Familie. Sein Grillteam besteht aus sechs Männern und drei Frauen. Die werden liebevoll "Beef Chicks" genannt. Grillen ist bei den Beef Rockers allerdings reine Männersache, die Mädels dürfen nur anrichten.

Ersen Mentese, der nur ein Haus weiter wohnt, hört auf den Kampfnamen "Tomahawk". Den verdiente er sich, als ein eineinhalb Kilo schweres Tomahawk-Steak auf seinem Grill in einem Feuerball aufging. "Bis ich Matthias kennen gelernt habe, habe ich immer zu heiß gegrillt", erklärt Ersen.

"Stressfreie Tiere, keine Transportwege und artgerechte Haltung sorgen für hohe Qualität und ein gutes Gewissen"

Für hochwertiges Grillgut ist im Team Stefan Krämer zuständig. Der gelernte Metzgermeister hat einen Familienbetrieb in Hennef-Westerhausen. Hier kommen die Tiere vom eigenen Hof und werden selbst geschlachtet. Das Fleisch wird im hauseigenen Hofladen verkauft. Stefan erklärt mir, worauf es beim Grillen vor allem ankommt: die Qualität der Zutaten. Von abgepacktem Supermarkt-Fleisch hält er nicht viel. "Wenn die Preise so billig sind, spricht das nicht für Qualität, sagt er. Gutes Fleisch sei eine Sache des Vertrauens. "Stressfreie Tiere, keine Transportwege und artgerechte Haltung sorgen für hohe Qualität und ein gutes Gewissen."

Für guten Geschmack sorgt hingegen die Experimentierfreudigkeit der Beef Rockers. Nach Steak mit Ahornsirup, Estragon und Basilikum an Grillpaprika mit Parmesan grillen wir Lachs auf einer Scheibe Zedernholz garniert mit Koriander und geraspelter Zitronenschale. Dann meldet sich aus aus einer Art Babyfon eine Frauenstimme, die verkündet, dass die Wettkampfrippchen der Beef Rockers nun fertig seien. Das Grillbarometer gibt per Funk den letzten Gang des Abends frei. Ich denke angesichts der ganzen Hightech um mich herum an den Grill für zehn Euro, den ich vor einigen Tagen im Baumarkt gekauft habe und spreche Matthias darauf an. Der lacht und sagt: "Nimm den Grill, an dem du dich wohl fühlst - der Grill und du müssen eins sein."

Rezepte zum Nachgrillen

Auf den Geschmack gekommen? Was GA-Reporter Andreas Dyck geschmeckt hat, wollen wir Ihnen nicht vorenthalten. Hier gibt es die Grillgerichte zum Selbermachen:

Alle Rezepte in einer PDF gibt es hier zum Download.

Eine Auswahl öffentlicher Grillplätze in Bonn und der Region

Wir haben eine Karte mit öffentlichen Grillplätzen für Sie zusammengestellt. Mit einem Klick auf die Karte, erhalten Sie mehr Informationen.