Geocaching mit Lesern und Hörern

Das Smartphone weist den Weg zum Schatz

SWISTTAL. Für Leser und Hörer haben Radio Bonn/Rhein-Sieg und der General-Anzeiger einen Geocache mit mehreren Stationen versteckt. Erfahrene Cacher und Familien haben ihn gesucht - und wurden mit Eiscreme, Spielzeug und einem Eintrag ins Logbuch belohnt.

Eigentlich hat Oliver Engels den Blick eines Profis. Doch seit einigen Minuten läuft der 39-jährige Soldat aus Meckenheim ziemlich ratlos auf einem Feldweg hin und her. "Das muss doch irgendwo hier sein", murmelt er, während er auf sein Handy starrt. Engels ist leidenschaftlicher Geocacher, also auf Schnitzeljagd mit einem GPS-Gerät. Er hat bereits über 2000 solcher Schatzjagden mitgemacht. Doch an der fünften Station des Geocaches, den der General-Anzeiger zusammen mit Radio-Bonn/Rhein-Sieg gelegt hat, wird der hochgewachsene Mann ratlos. Zwei gelbe Gaszähler hat er bereits inspiziert, auf Zehenspitzen mit einem Teleskopspiegel auch die letzten Ecken abgesucht. "Aber die Koordinaten stimmen doch ", fragt er sich verwundert.

Wir haben es ihm wirklich nicht leicht gemacht - obwohl wir als Laien anfangs nur eine vage Ahnung vom Geocaching hatten. Darum mussten wir uns professionelle Hilfe holen: Michael Ponath aus Buschhoven hat in Nordrhein-Westfalen die meisten nicht-kommerziellen Caches versteckt, schon mehr als 260 sind es mittlerweile.

Unser Sommertour-Cache soll ein sogenannter "Multi" werden, also eine Schnitzeljagd mit mehreren Stationen. Dafür müssen wir uns zunächst die Strecke überlegen. Nur wenige Meter von Ponaths Haus beginnt der Kottenforst. "Ich kenne den Wald sehr gut und weiß auch, wo hier noch keine Caches liegen", erklärt er bei der Ortsbegehung seiner "Home Zone". Das ist wichtig, denn: Ein Geocache muss mindestens 161 Meter vom nächsten entfernt sein. "Damit die Sucher nicht aus Versehen den falschen Cache finden und dann die Reihenfolge durcheinanderkommt", erklärt Ponath. Hat man sich eine Strecke und die Orte für die Verstecke überlegt, müssen diese Punkte mit dem GPS-Gerät ausgemessen werden. "Wir arbeiten die Strecke rückwärts ab", sagt Ponath - also heißt es umdrehen. Denn: "Damit die Rätsel aneinander anschließen, ist es sinnvoll, den Ort wo sie hinführen zuerst anzusehen", erklärt der Geocaching-Experte.

Besonders wichtig beim Verstecken für Unerfahrene wie uns: Genau aufschreiben, welcher Cache wo liegen soll, welche Koordinaten er hat, und welches Versteck davor auf ihn hinweist - damit kein Chaos entsteht. "In den Dosen kann man nicht nur die nächsten Koordinaten nennen, sondern zum Beispiel auch Hinweise geben, worin man ihn versteckt hat." Michael Ponath hat jede Menge kreative Ideen: Zum Beispiel schlägt er vor, einen künstlichen Bienenstock selber zu basteln. Dafür sprüht er Bauschaum auf ein Stück Pappe und besprüht es mit brauner Farbe. In die Mitte kommt eine Plastikrohr, in dem Platz für die Dose ist. "Den können wir an der zweiten Station mit Kabelbindern an einen Baum hängen", erklärt Ponath.

Aus langweiligen Ausflügen werden spannende Abenteuer

Beim Verstecken ist es wichtig, dass die Sucher die Natur nicht beeinträchtigen, also zum Beispiel nicht quer durchs Gelände laufen müssen. Zum Geocachen ist Ponath übrigens gekommen, weil er sich versehentlich auf einen schlecht versteckten Geocache setzte. Seither hat er die ganze Familie mit dem Hobby angesteckt: "Für die Kinder ist es super, weil ein für sie langweiliger Waldspaziergang plötzlich zum Abenteuer wird." Er versteckt die Caches auch, um besondere Orte zu zeigen, etwa einen guten Ausblick.

Wir müssen nun die Dosen mit den Zetteln befüllen, auf denen die nächsten Koordinaten stehen. Ponath laminiert sie: "Falls es regnet." Und dann heißt es: Verstecken! Für die erste Station zweckentfremden wir ein Straßenschild: Wir haben auf einem Ausdruck einige Zahlen durch Farbfelder ersetzt. Die Zahlen ergeben die Koordinate der ersten Dose. "Pflanzen wie der Ilex verdecken die Dosen auch im Winter", rät uns Ponath, als wir unsere Hinweise im Wald verteilen. Wir binden sie an ein Stück totes Holz, das im alten Baumstamm verschwindet oder verbergen die Röhre in einem extra angefertigten Pfahl. "Wer nachher sucht, muss eigentlich immer danach schauen, was nicht ins Bild passt", sagt der Experte, der selbst schon über 7500 Caches "geloggt" hat. Wer den Schatz findet, muss sich in das "Logbuch" eintragen - vergleichbar mit einem Gipfelbuch.

"Geocaching passiert im Geheimen", erklärt uns Ponath, als wir auf die ersten Sucher warten. "Ich wette, ihr habt schon oft Geocacher gesehen, sie aber nicht wahrgenommen." Denn wer bei der Schatzsuche mitmacht, soll das im Verborgenen tun - damit Unwissende, die in Fachsprache sogenannten "Muggel", die Caches nicht zerstören oder stehlen.

Bei uns angekommen ist mittlerweile Oliver Engels, der die fünfte Station doch noch gefunden hat. "Das war lustig, abwechslungsreich und es gab super Verstecke", urteilt der Geocacher, als er sich sein Überraschungspaket abholt.

Familie Köhn kämpft unterdessen tatsächlich mit der Technik. Sie nutzt statt des Smartphones ein GPS-Gerät - das zeigt aber teils ungenaue Standorte an. Doch der kleine Felix hat von der sechsköpfigen Truppe das beste Gespür für gute Verstecke. "Ich hab's", ruft er triumphierend und hält den oberen Schaft eines Holzpfeilers in der Hand. Die Suche kann für die Familie also weitergehen. An deren Ende warten wir mit jeder Menge Eiscreme, Spielzeug und dem Logbuch schon auf sie.