Wasserski in Brühl

Balanceakt auf dem Bleibtreusee

Brühl. Nicht so leicht, wie es aussieht: Beim Wasserskifahren auf dem Bleibtreusee in Brühl gerät GA-Reporter Fabian Vögtle an seine Grenzen. Denn trotz all seiner Ski-Erfahrungen im Schnee ist das Fahren auf dem Wasser eine ganz neue Herausforderung.

Ski fahren? Eine einfache Übung für jemanden, der aus dem Süden stammt, schon viele Wintertage auf schwarzen Pisten verbracht hat und sich folglich mit Brettern unter den Füßen auskennt. Könnte man jedenfalls meinen. Doch so einfach ist es nicht, wie ein Tag auf der sommerlichen Version von Skiern zeigt: Das Fahren auf dem Wasser macht die Sache unerwartet schwierig. Zumindest für den Autor dieser Zeilen, der sich damit auf den Bleibtreusee gewagt hat.

"Auf geht's zum Umziehen! Du brauchst jetzt einen Neo", sagt Lena Wernick, die sich um uns kümmert. Gemeint ist ein hautenger Neoprenanzug, den hier alle Anfänger tragen. Hinter dem Starthäuschen und Kiosk hängen Dutzende Anzüge aufgereiht. Einige Minuten vergehen, bis ich es hinein geschafft habe. "Der sitzt genau richtig", versucht die lächelnde Wernick vor dem Start zu motivieren. "Pass auf, dass du niemandem über den Kopf fährst. Als Notbremse immer zurückfallen lassen und dabei die Hantel loslassen", weist mich Anne Freyer ein. Die 22-Jährige fährt selbst Wasserski und Wakeboard und gehört wie auch Wernick zum Team der Wasserskibahn. Sie sind als "Liftgirls" an diesem Nachmittag für das Wohl der Sportler da. Für mich geht es nun in die Knie und auf die Startposition, beide Skier parallel und die Spitzen zum See ragend. "So, jetzt bitte ganz tief in die Hocke und die Arme lang lassen", sagt Freyer.

 

Das klingt doch einfach. Der Blick geht konzentriert auf das stille Wasser hinaus und voller Zuversicht warte ich auf den Start. Aus der Hocke reißt mich der Bügel direkt nach vorne und ohne dass ich reagieren kann, liege ich schon auf dem Bauch im Wasser. "Ein klassischer Frosch", rufen die erfahrenen Wakeboarder sichtlich amüsiert von draußen. Ich bin nun also in der Wassersport-Welt angekommen. Immerhin: Wer direkt am Start schon aus der Spur fällt, muss nicht so weit zurückschwimmen.

Neuer Anlauf, neues Glück. Doch auch der zweite Versuch misslingt. Diesmal stehe ich immerhin kurz auf dem Wasser, ziehe den Lift aber zu nah an mich heran und falle nach hinten. "Du hattest überhaupt keine Körperspannung", sagt Wernick, als ich wie ein begossener Pudel mit meinen Skiern wieder aus dem Wasser krieche. Sie macht mir Mut: "Beim nächsten Mal klappt's!" Doch auch die Starts Nummer drei und vier scheitern kläglich, entweder gehe ich zu früh aus den Knien nach oben oder ich verliere das Gleichgewicht. Das Frustrationspotenzial steigt von Fehlstart zu Fehlstart. Dazu dreht der Radiokollege noch eine Runde nach der anderen. Eines ist klar: So kann es nicht zurück nach Bonn gehen. Und siehe da, beim fünften Anlauf klappt der Start ganz unerwartet doch noch und der Lift zieht mich mit knapp 30 Stundenkilometern über das Wasser. In der ersten Kurve der 600 Meter langen Bahn ist jedoch Endstation.

 

Chris Madaus, Geschäftsführer der Wasserskibahn am Bleibtreusee, kennt die Probleme, die Anfänger mit der Körperspannung und Konzentration haben. Doch er sagt: "Nach ein paar Starts kann das jeder." Man brauche keine Vorkenntnisse, schon gar nicht vom Ski fahren im Schnee. Jeder könne das Wasserskifahren an einem Tag lernen. So bietet Madaus, der seit acht Jahren die Wassersport-Anlage betreibt, Einsteigerkurse am Wochenende an. Rund 200 Anfänger pro Woche lernen in ein paar Stunden die Grundlagen des Wasserskifahrens. Und Hund Jule bellt, wenn ihr der Auftritt eines Wasserskifahrers auf dem Wasser nicht passt.

Bevor er die Möglichkeiten einer Wasserskibahn für sich entdeckte, fuhr Madaus selbst 20 Jahre lang mit einem Seil hinter einem Boot die Mosel entlang. "Das war oftmals nicht einfach", erinnert er sich. Die Vorteile einer Liftanlage liegen auf der Hand: "Das ist zum einen umweltschonend und total wetterunabhängig hier. Außerdem ist es für Anfänger leichter als hinter einem Boot", sagt Madaus. Denn da komme der Zug von oben und nicht direkt von vorne. Mittlerweile kennen viele Wassersportfreunde die Sechs-Mast-Umlaufseilbahn, auf der acht Personen gleichzeitig unterwegs sein können.

Und auch für weniger Talentierte bietet zum Beispiel die Strandbar am kleinen Sandstrand genügend Erholungspotenzial an einem Sommertag.

 

Video-Reportage: Anfänger auf der Wasserski-Bahn in Brühl