Märchenwald Bad Breisig

Wo Prinz und Prinzessin wohnen

Da kommt sie, die Prinzessin aus dem "Froschkönig" der Gebrüder Grimm.

BAD BREISIG. Der Märchenwald Bad Breisig begeistert seit 1934 seine Besucher. Und verhalf einem Immobilienmakler zu einem besonderen Job.

An seinen Märchenwald ist Inhaber Heinz Pinnen sozusagen auf dienstlichem Wege gekommen. Mitte der 80er Jahre sollte er das Kinderparadies, das damals seine beste Zeit hinter sich hatte, veräußern. Mit zwei Kollegen fuhr er im Nadelstreifenanzug von Bad Hönningen auf die andere Rheinseite - und blieb.

"Die Aussicht hat mich überzeugt, aber ich wollte es nur als Wochenenddomizil nutzen", sagt er heute. Doch schon bald wurden die Stadtväter bei ihm vorstellig und überredeten ihn, einem der Aushängeschilder der Kurstadt neues Leben einzuhauchen. Seit Anfang der 90er Jahre betreibt also der Immobilienmakler Pinnen den Märchenwald oberhalb der Bundesstraße 9.

Dabei ist der Wald durchaus wörtlich zu nehmen und ein Besuch gerade an heißen Tagen sehr zu empfehlen. Der alte Baumbestand spendet wohltuenden Schatten. Wer in der Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahr groß geworden ist, wird den Märchenwald sicher in mehreren Lebensphasen erkunden. 1934 eröffnet, kam manch einer als Kind vorbei, brachte schließlich den eigenen Nachwuchs mit und erkundet nun mit den Enkeln die Welt der Gebrüder Grimm & Co.

So kommt heute Julian (4) in den Genuss, von seiner Oma Ursel (70) Geschichten von ihrem Besuch als kleines Mädchen zu hören. "Ich hatte wahnsinnige Angst vor dem bösen Wolf", erzählt sie ihm, während die beiden die erste Serpentine in Angriff nehmen. Eintreten in den Märchenwald darf jeder, selbst gut erzogene Hunde.

Bezahlt wird erst nach dem Parcours im Café oben auf dem Berg. Als Julian die erste Station entdeckt - Rumpelstilzchen - gibt es für ihn kein Halten mehr. Sogleich drückt er auf den Knopf, und das greise Etwas im Innern fängt an, fies zu lachen. "Heute back' ich, morgen brau' ich, übermorgen hol' ich der Königin ihr Kind", gibt das Rumpelstilzchen von sich. Julian, der zu Hause gerade erst die Welt der Märchen entdeckt, schaut sich fragend nach der Oma um. Sie erzählt ihm die Geschichte in ihren Worten.

Ist es nicht gemein, den Kindern an den insgesamt 13 Stationen nur Appetithappen von Märchen hinzuwerfen? Das sieht Inhaber Pinnen nicht so. Es sei doch wunderbar, wenn Eltern zu ihren Kindern sagen würden: "Heute Abend lesen wir dann gemeinsam das Buch". Pinnen sagt: "Ich will mit dem Märchenwald die Kommunikation anregen zwischen Groß und Klein."

Die Erwachsenen gehen in Sachen Erkenntnis nicht leer aus. Der Märchenlehrpfad in Form von Tafeln soll ihnen einen Denkanstoß geben, den tiefen Sinn der Geschichte zu verstehen und weiter zu ergründen. Jede Szene in den kleinen Häuschen auf dem Weg nach oben ist liebevoll gestaltet.

Große Puppen stellen die Protagonisten wie Hänsel und Gretel, Der gestiefelte Kater oder Das tapfere Schneiderlein dar. Viele Deko-Elemente, wie Kupferbackformen in Schneewittchens Küche oder Kunstfeuer beim Rumpelstilzchen, lassen das Auge wandern - und Altvertrautes entdecken.

"Der Wolf sieht immer noch so räudig aus wie damals", sagt Julians Oma, als sie vor Rotkäppchens Haus stehen. Wohingegen sie schwören könnte, dass die Hexe bei Hänsel und Gretel damals aus einer Schiene aus ihrem Haus herausgefahren kam.

Viele Figuren seien nach den Originalen erneuert worden, erklärt Pinnen den Aha-Effekt mancher Besucher. Das Konzept kommt an; nicht nur beim Kunden, der auch mit Kinderwagen und Rollator gut die Wege nutzen kann, sondern auch in Mainz. Das Bildungsministerium urteilte, dass sowohl Märchenwald wie Lehrpfad ein "literarisch-kulturelles Erbe" vermitteln. Und dem fühlt sich Pinnen verpflichtet.