Alle Infos zur Kirschblüte 2018 in Bonn

Kirschblüte lockt Tausende Besucher in die Altstadt

Ein kräftiger Rückschnitt durch die Fachleute vom Amt für Stadtgrün sichert alljährliche eine üppige Blüte.

Die Bonner Kirschblüte zieht Jahr für Jahr zahlreiche Touristen an.

Bonn. Auch in diesem Jahr zieht die Kirschblüte in der Bonner Altstadt wieder Tausende Besucher an. In den kommenden Tagen wird das rosafarbene Spektakel noch in voller Schönheit zu bewundern sein. Vielen Anwohnern ist der Trubel zu groß.

Es ist ein rosafarbenes Spektakel, das aus Bonn nicht mehr wegzudenken ist. Jeden Frühling zieht es zahlreiche Touristen aus aller Welt in die Bonner Altstadt. Denn dann erblüht die Kirschblüte zwischen Heerstraße und Breite Straße. Doch was für den Tourismus ein Segen ist, ist für die Anwohner eine mehrwöchige Dauerbelastung. So wird es wie im vergangenen Jahr kein zentrales Kirschblütenfest. Am Samstag, 14. April, gab es einen Haustürflohmarkt. Außerdem finden vereinzelte denzentrale Veranstaltungen statt.

Die Blütezeit im Jahr 2018

In diesem Jahr sind die Kirschblüte eher spät dran. Passend zum Altstadtflohmarkt an 14. April haben sich viele der Knospen bereits geöffnet. In den nächsten Tagen wird das Naturschauspiel dann in voller Schönheit zu bewundern sein. Im Vorhinein lässt sich der Zeitpunkt nicht festlegen, denn das Wetter spielt eine entscheidende Rolle. Ist es zu warm, verblühen die Kirschbäume bereits Mitte April. Ist es zu kalt, öffnen sich die Knospen erst verspätet. Üblicherweise fällt der Höhepunkt der Bonner Blütezeit jedoch auf Mitte April und hält dann etwa zehn Tage bis zu zwei Wochen an.

Kirschblüte als Imagefaktor

„Wir versuchen, den Zustrom mit vereinzelten Veranstaltungen zu entzerren“, sagt Victoria Harlos, die unter anderem einen Fotowettbewerb ausruft. Allerdings beklagt sie das fehlende Engagement der Stadtverwaltung. Zudem haben sich die Politiker jüngst im Hauptausschuss mehrheitlich gegen die Sperrung der Heerstraße ausgesprochen. Sie soll zeitweise zur Fußgängerzone werden. Da drängt sich die Frage auf: Wie groß darf die Kirschblüte beworben werden, ohne den nachbarschaftlichen Charakter der Altstadt zu zerstören?

„Die Kirschblüte ist ein wichtiger Imagefaktor für die Stadt Bonn, nicht umsonst setzen wir sie verstärkt für Marketingaktivitäten ein“, sagt Markus Schmitz vom städtischen Presseamt. Dieser Boom begann, als die Heerstraße im Jahr 2012 in der Liste der Facebookseite „Places to see before you die“ auftauchte.

Steigende Übernachtungszahlen zur Kirschblütenzeit

Seitdem verzeichnet die Bonner Tourismus und Congress GmbH (T&C) stetig steigende Ankunfts- und Übernachtungszahlen zur Kirschblütenzeit, die meist in den April fällt. „Besonders aus dem asiatischen Raum haben wir starke Zuwächse“, so ein Sprecher. 2017 zählten die Tourismusexperten knapp 5000 Übernachtungen und 2100 Ankünfte (Kurzstopps von Reisebussen) aus Asien – rund ein Fünftel der gesamten Besucher im April. Im Schnitt blieben sie 2,4 Tage. Ganz vorne liegen China, Südkorea und Japan. Zum Vergleich: Die Übernachtungszahlen von US-Amerikanern liegen das Jahr über stabil bei etwa 2700. T&C ist sich der touristischen Bedeutung der Kirschblüte bewusst und hat ein eigenes Konzept entwickelt. Reiseveranstalter, Organisationen und Privatleute werden mit Informationen zum prognostizierten Zeitpunkt der Kirschblüte „zielgerichtet versorgt“.

Rückblick auf die Kirschblütenzeit: Zehntausende Besucher drängen vor allem an den Wochenenden durch die Altstadt. Gastronomen beschweren sich über Gäste, die die Toilette nutzen, aber keinen Umsatz machen. In den schmalen Straßen, die wie ein Tunnel von der rosa Pracht umhüllt werden, ist für Autos fast kein durchkommen. „Ganz davon abgesehen, dass sie auf den Fotos stören“, sagt Victoria Harlos. Als das zweitägige Kirschblütenfest 2016 von Torsten Ulke organisiert wurde, gab es Essensstände und eine Bühne mit Livemusik. Es war ein behutsamer Ansatz, das Kirschblütenfest professioneller aufzuziehen. Einige Altstädter störten sich an diesem „kommerziellen Charakter“, eine Abstimmung untermauerte das. Ulke stieg aus – und somit war das Fest im vergangenen Jahr passé.

Angst vor dem Widerstand der Altstädter

Auch 2018 wird es kein Kirschblütenfest geben. Die Stadtverwaltung will nicht in die Organisation einsteigen. Die Angst vorm Widerstand der Altstädter scheint zu groß. „Doch das Problem ist eigentlich, dass das Fest zweimal gemacht wurde, die Stadt es propagandistisch ausnutzte und nie finanziell unterstützte“, sagt Hartmut Löschcke von der Altstadt-Initiative. Für die Menschenmassen gebe es unter regulären Umständen nicht genug Platz, auch Toiletten fehlten. Eine mögliche Lösung wäre die großflächige, offizielle Sperrung von Heerstraße und Breitestraße mit dementsprechender personeller Besetzung städtischer Mitarbeiter an einem Wochenende.

Für die Geschäftsleute müsste dann ein verkaufsoffener Sonntag bei der Bezirksregierung gemeldet werden, da sie sonst vom Publikumsverkehr nicht profitieren könnten. Der von den Sozialliberalen vorgeschlagenen Sperrung hat der Hauptausschuss aber eine Absage erteilt. Unter anderem, weil die bisherige Praxis gut funktionieren würde. Und dann sei da noch die fehlende Planbarkeit. Wann die Kirschblüte ihre Hochzeit hat, hängt schließlich vom Wetter ab.

Reges Treiben

Manch einer freut sich über das rege Treiben. In Gesprächen mit Anwohnern und Geschäftsleuten ist aber auch herauszuhören, dass der Trubel um die Kirschblüte zu groß ist. Herbeigesehnt wird die Zeit, als es noch ein Insidertipp war. Das beste Beispiel sind asiatische Durchreisende, die gerne unter der Woche zu Mittag essen würden, aber in der Altstadt keine Gaststätte finden, die geöffnet hat. "Es engagieren sich nur wenige, aber alle wollen irgendwie profitieren", sagt Harlos. Sie hat mit Helfern einen kleinen Veranstaltungskalender herausgebracht, in dem spezielle Tagesrabatte in Läden oder der Haustürflohmarkt am Samstag, 14. April, notiert sind.

Der Ursprung in den Achtzigern

Heutzutage im Frühling als eines der schönsten Viertel von Bonn bezeichnet, war die Altstadt vor drei Jahrzehnten noch grau und von starkem Durchgangsverkehr geprägt. Mehrere Stadtplaner befassten sich Mitte der Achtzigerjahre schließlich mit der Sanierung der schmalen Straßen. Die historischen Fassaden ringsum wurden erneuert, die Verkehrslage beruhigt und japanische Kirschblüten eingepflanzt - trotz anfänglicher Proteste der Anwohner, die Sorge um verdunkelte Wohnungen hatten. Dass aus dem rosafarbenen Blütenmeer einst ein Publikumsmagnet werden sollte, konnte damals wohl niemand ahnen.

„Japanische Blütenkirsche“ (Prunus serrulata) heißen die Bäume in der Altstadt. In der Heerstraße und Breite Straße stehen jeweils 60 Japanische Nelkenkirschen der Sorte „Kanzan“, die durch ihre besonders üppigen und in kräftigen Rosa leuchtenden Blüten bekannt ist. Weil die Haltbarkeit der Bäume bei etwa 30 Jahren liegt, hat die Stadt Bonn bereits 2014 begonnen, einzelne der insgesamt 300 Bäume auszutauschen.

Bäume werden sukzessive erneuert

Ein Insidertipp wird die Kirschblüte wohl nie mehr sein. Die Stadt ist schon seit 2014 dabei, sukzessive die Bäume zu fällen und zu erneuern. Deren Haltbarkeit liegt bei etwa 30 Jahren, die jetzt erreicht sind. Insgesamt 300 Kirschbäume gibt es in der Altstadt, 40 wurden schon neu gepflanzt. „Sie sind zwar kleiner, blühen aber auch direkt“, weiß Markus Schmitz. Und das dann auch die nächsten 30 Jahre.

Social-Media-Hype

Sowohl in der Offline- als auch in der Onlinewelt ist die Bonner Kirschblüte mittlerweile ein internationales Ereignis. Besonders die Heerstraße gilt in den sozialen Netzwerken als eine der schönsten Straßen der Welt. Blogger erwähnen sie in ihren persönlichen Bestenlisten von Orten, die jeder besucht haben sollte. Die Facebookseite "Places to see before you die" widmete der Bonner Kirschblüte im Jahr 2012 gar einen eigenen Beitrag und verhalf ihr damit zu einer noch größeren weltweiten Bekanntheit. Auf Instagram finden sich unter deutsch- und englischsprachigen Hashtags mehrere Hundert Beiträge zu den japanischen Zierkirschen in Bonn. Und in diesem Jahr kommen wohl nochmal zahlreiche dazu.

 

Anfahrt

Freie Parkplätze in der Altstadt gibt es zur Kirschblütenzeit nur selten. Besser ist das Ereignis mit der Straßenbahnlinie 66 über die Haltestelle "Stadthaus" zu erreichen. Alternativ fahren die Buslinien 604 und 605 direkt in die Altstadt. Hier eignen sich zum Beispiel die Haltestellen "Dorotheenstraße" und "Heerstraße". Zu Fuß dauert es ab dem Hauptbahnhof über die Thomas-Mann-Straße in etwa 15 Minuten.

Einen Überblick über einige geplante Veranstaltungen und Aktionen der in der Altstadt ansässigen Geschäfte gibt es hier.